Drake White – Spark – CD-Review

Drake White_Spark_300

Wieder ein äußerst vielversprechendes Debüt im Nashville-Circus: Drake White, ursprünglich aus Hokes Bluff, Alabama, stammend, seit 2013 auf musikalischen Pfaden in Music City unterwegs. Big Machine-Chef Scott Borchetta zeichnete ihn letztendlich für das wieder ins Leben gerufene Unterlabel Dot Records, das auch Aerosmith-Chef Steven Tyler unter Vertrag hat. Zur Zeit ist White als Support von Zac Brown (der singt hier im Background auf „Back To Free“), auf dessen ‚Black Out The Sun‘-Tour unterwegs.

Produziert haben bis auf eine Ausnahme (Andrew Petroff/Adam Schwind bei „Waitin‘ On The Whiskey To Work“), die für ihre kommerziell erfolgreichen Veröffentlichungen bekannten Russ Copperman und Jeremy Stover, die hier natürlich auch alle notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen haben (mit einem Heer an arrivierten Nashville-Schreibern und Klasse-Musikern an Drakes Seite ), sich aber, was technischen Schnickschnack (Loops, Synthies) angeht, sehr angenehm zurückhalten.

Sie setzen bei Drake White eher auf eine recht hohe stilistische Bandbreite, was sich bei dessen toller, charismatischer Stimme auch anbietet. So pendelt das eröffnende, im Erzählstil gesungene „Heartbeat“ irgendwo zwischen Eric Church und Kip Moore (dezente Heartland-Elemente, Powerrefrain), das dem amerikanischen Durchschnittsbürger gewidmete „Story“ in herrlich traditionellen Countrygefilden (klasse Banjoeinlagen) und die starke Ballade „Makin‘ Me Look Good Again“ (großartiges Backsinging von Carolyn Dawn Johnson, herrliches E-Gitarrensolo) im bluesigen Southern Soul-Bereich. Direkt drei völlig unterschiedliche,  Tracks. Allesamt gelungen!

Fulminant auch Whites und Dawn Johnsons gesangliches Zusammenwirken auf dem von knarziger Mandoline, Ukulele, Slide und quäkender Mundhamonika begleiteten „It Feels Good“ (dezentes Little Big Town-Flair). Einer der vielen Höhepunkte des Albums. Der zur Zeit omnipräsente Cadillac Three-Chef Jaren Johnston setzt kompositorische und gesangliche Akzente beim fluffigen „Livin‘ The Dream“.

Ein Hauch von Southern Rock-infizierten New Country bietet „I Need Real“ (Marshall Tucker-mäßige Gitarren-Fills und Solo), „Back To Free“ und das folkige „Live Some“ wandeln auf Chris Stapeltons/Eric Churchs Spuren, das humorvolle angejazzte „Equator“ (was für ein Titel für eine Countryscheibe – tolle Piano- und Bläser-Einlagen) macht unglaublich Laune. Der musikalische Appel an das Durchhaltevermögen im Leben, „Elvis“ (…Rome wasn’t built in no day and Elvis wasn’t born the king…), rockt ordentlich und das finale poltrige „Take Me As I Am“ groovt nochmal richtig schön lässig und bluesig-soulig,  (wieder fantastischer Gesang von Drake, klasse E-Solo) hat aufgrund des Stadion-tauglichen Mitsing-Refrains (mit Crowd-Harmonies) aber auch hymnischen Charakter. Ein Song mit weiterem Hit-Potential am Schluss.

Fazit: Mit Drake White erleben wir einen sehr vielversprechenden  und überaus variablen Newcomer im Bereich (New) Country, Countryrock. Natürlich eine Gewinn-orientierte Nashville-Produktion, die aber ungemein viel Spirit und Seele aufweist. Der Kerl ist ein toller Songwriter (hat fast alle Stücke mitgeschrieben) und charismatischer Performer mit einer fantastischen, angerauten Stimme. Viel Southern-, Soul- und gar ein wenig bluesige Momente, und eine tolle Gratwanderung zwischen traditionellen Country-Elementen und kernigen, erdigen, satten Rockeinflüssen. Sein vielschichtiges Debüt „Spark“ erinnert zuweilen ein wenig an Eric Church, aber eben mit rauerer Stimme und nicht ganz so experimentell, zumindest, wenn man dessen „Outsider“-Werk betrachtet. Super Einstand von Drake White!

Dot Records (2016)
Stil: New Country

01. Heartbeat
02. Story
03. Makin‘ Me Look Good Again
04. It Feels Good
05. Livin‘ The Dream
06. I Need Real
07. Back To Free
08. Equator
09. Live Some
10. Waitin‘ On The Whiskey To Work
11. Elvis
12. Take Me As I Am

Drake White
Drake White bei Facebook
Bärchen Records

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.