Zach Williams And The Reformation – Electric Revival – CD-Review

Zach

Abgesehen vom tragischen Verlust der beiden Skynyrd-Mitglieder Ean Evans und Piano-Legende Billy Powell war das Jahr Southern-Rock-2009 rein musikalisch betrachtet ein recht zufriedenstellendes oder besser gesagt so gar ein recht hoffnungsvolles. Lynyrd Skynyrd, Blackfoot und die Outlaws tauchten in unseren Breitengraden, wenn auch nur kurz, zu Konzerten auf. Erstgenannte ließen auch CD-technisch mit „God & Guns“ kein Zweifel daran, dass der Wille weiterzumachen, ungebrochen erscheint.

Im Dunstkreis dieser arrivierten Institutionen formierten sich mit Blackberry Smoke und Rebel Pride zwei Bands, die sich nach anfänglichen Holprigkeiten zu ausgereiften Acts weiterentwickelt haben und das Genre heute mit in vorderster Front vertreten. Besonders erfreulich ist aber, dass mittlerweile eine ganze Reihe Newcomer wie The Last Straw, die Holman Autry Band, Preacher Stone oder Bishop Black mit außerordentlich viel versprechenden und qualitativ hochwertigen Debütalben wieder für viel frischen Wind sorgen, so dass das berühmte ‚The South Gonna Rise Again‘ seine durch vier Jahrzehnte getragene Gültigkeit auch bis auf Weiteres zu behalten scheint.

Und als wenn das nicht für den doch recht bescheiden gewordenen Southern-Fan genug wäre, zaubern jetzt die aus dem nördlichen Arkansas stammenden Zach Williams & The Reformation mit „Electric Revival“ noch ein zusätzliches Sahneteil aus dem (Cowboy-) Hut, das gerade den Retro-Fans des Genres (sicher aber auch allen anderen) die Freudentränen in die Augen treiben wird. Die amerikanischen Kritiker jubelten bereits zurecht und nannten Bands wie Skynyrd, die Black Crowes, Allman Brothers und Stillwater in einem Atemzug. Bildlich wurde von einer Truppe gesprochen, die in den siebziger Jahren einen Zug bestiegen hat, der heute erst ohne Zwischenstopp die Endstation hat. Recht passend, wie ich finde.

Retro ja, aber nicht altbacken. Damit haben ZWR auch mein Herz direkt erobert. Drei Komponenten machen dieses Quartett aus. Erstens die Band. Leader Zach Williams versprüht wieder so etwas wie echtes Frontmann-Charisma, spielt dazu eine klasse Akustikgitarre, hat eine extrem variable Stimme (von Gregg Allman, über Chris Robinson bis hin sogar zu Steve Schuffert, John Waite oder David Coverdale) und erweist sich als echter Teamplayer. Dustin Dorton spielt einen wunderbar groovig pumpenden Bass, die Lead-Gitarristen Roby Rigsbee und Josh Copeland haben das ‚Skynyrd-Gitarren-1×1′ bestens verinnerlicht und ergänzen sich immer wieder herrlich mit konventioneller und Slide-technischer Spielweise, ob als Solo, Duell oder im Hintergrund.
Zweitens die Songs. ZWR kommen gänzlich ohne Uptemponummer aus, gestalten ihre im balladesken und Midtempo verankerten Stücke allerdings derartig interessant, dass zu keiner Sekunde Langeweile aufkommt. Tolle Melodien, es groovt, es bluest, es soult, es swampt, es rockt.

Alles extrem entspannt, recht cool und abgeklärt, als wären sie schon lange dabei. Der stampfende Bluesrocker „Set Me Free“ (Black Crowes meets Led Zeppelin) und das flockig groovende „Stronger“ haben dabei noch die meiste Pace. „Fools Gold“ (erinnert an „Sister Luck“ von den Black Crowes), das wunderschöne „Empty Dreams“ (ähnlich den Laidlaw zu Anfangstagen), das slow-bluesige „Angel With A Broken Wing“ (Mischung aus Steve Schuffert, Skynyrd und Allman Brothers) und das wie die 80. Abwandlung von „Can’t You See“ klingende, aber gut gemachte „Take Me Home“ bedienen die Freunde relaxterer Töne, „Can U Feel Me“, „Two More Days“ und „Without You“ pendeln schön instrumentiert irgendwo in der Mitte dazwischen. Das abschließende „Midnite Ride“ überrascht dann mit dezent progressivem, klassischem Rockflair Marke Pink Floyd oder Whitesnake (Williams‘ Gesang ähnelt hier vom Timbre her David Coverdale) und hat sogar leichten Jam-Charakter.

Drittens die tollen Gastmusiker. Akzente setzen hier vor allem Drummer Evan Wilons mit seinem fetten poltrigen Getrommel, der hinter Williams für mich zweite heimliche Star des Werkes, Al Gamble (brillantes B3-Spiel immer wieder als Konterpart zu den beiden Leadgitarristen), North Mississippi Allstars-Frontmann Luther Dickinson mit einem starken E-Gitarren-Gastauftritt bei „Angel With A Broken Wing“, der gute Pianist Rick Steff und die tollen weiblichen Backs von diversen Sängerinnen u.a. Grace Askew und Ex-Skynyrd-/Ex-Motherstation-Röhre Susan Marshall.

Alles zusammen ergibt ein kompaktes, jederzeit melodisches und instrumentell raffiniert konstruiertes Southern-Werk, das alle Anhänger, davon bin ich fest überzeugt, absolut begeistern wird. Hinzu kommen noch zwei liebevolle Kleinigkeiten. Der im Digipack innen liegende Rohling in Vinyl-Optik und ein Aufkleber mit dem Bandlogo. Fazit. Zach Williams and The Reformation ist mit „Electric Revival“ ein grandioser Einstieg in die Southern Rock-Szene gelungen. Wenn die zusammen mit Blackberry Smoke, Laidlaw oder Rebel Pride nach Deutschland kommen würden, würde ich glatt barfuß im Winter von Rheinberg bis nach München laufen! Zehn Songperlen an einem Stück lassen nur einen ganz dicken Tipp zu!

Buffalo Catfish Music (2009)
Stil: Southern Rock

01. Set You Free
02. Fools Gold
03. Can U Feel Me
04. Empty Dreams
05. Stronger
06. Angel With A Broken Wing
07. Two More Days
08. Without You
09. Take Me Home
10. Midnite Ride

Michael J. Media Group
Bärchen Records

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