Various Artists – Hot & New Country Music #1 – CD-Review

Hot

Schön, dass die Musikindustrie mittlerweile auch in unseren Gefilden begriffen hat, dass (New) Countrymusik von heute (in Amerika absolut populär) hierzulande über Johnny Cash, Willie Nelson und Truck Stop hinaus längst sein Mauerblümchendasein abgelegt hat und deren Interpreten mit ihren Tonträgern weitaus mehr zu bieten haben, als das bisherige Wühltischniveau.

Meine Wenigkeit kämpft ja schon seit Beginn seiner schreiberischen Aktivitäten, sei es für Sounds of South oder in Kooperation mit Bärchen Records (einem auf Nischen spezialisierten Mailorder, der auch schon seit Urzeiten den unkomplizierten, günstigen und schnellen Erwerb dieser Musik, unterstützt durch fundierte Reviews, ermöglicht) für einen höheren Bekanntheitsgrad. Ich war mit einer der ersten, der beispielsweise einem Keith Urban (leider auf diesem Sampler noch nicht berücksichtigt), als ihn noch kein Mensch wahr nahm und er seine heutige Ehefrau Nicole Kidman vermutlich nur aus der australischen BRAVO und in feuchten Träumen kannte, bereits in der Besprechung seines Debüts punktgenau eine große Karriere voraussagte.

Mein Schlüsselerlebnisse in Sachen New Country waren übrigens Mary Chapin Carpenters Song „Shut Up And Kiss Me“, ein Stück, das ich mal im Radio hörte und mich zu weiteren Recherchen in Sachen dieser Musik veranlasste sowie ein Konzert von Garth Brooks mit der damals ebenfalls noch völlig unbekannten Martina McBride (heute mittlerweile eine Grand Dame des Genres) als Support in der Dortmunder Westfalenhalle. Noch heute löst die Erinnerung daran bei mir eine Gänsehaut aus, wenn ich mich nur an die zwanzig Minuten, am Stück währende La Ola durchs Rund zurückbesinne, bis der Entertainer endlich die Bühne betrat und mit einer furiosen Unterhaltungs-Show (für damalige Verhältnisse) begeisterte, im Gegensatz zum Eintrittspreis, der sich für diese Zeit mit 85 DM in Freudenhaussphären bewegte (heute fast schon lächerlich).

Kommen wir zu diesem Sampler. Sony Music hat es in Verbindung mit CountryMusicNews.de (ein mit vielen Infos bespicktes Internet-Magazin, dessen Besuch als Genreliebhaber natürlich Pflicht ist) geschafft, sämtliche rechtlichen Hürden (die es im Rahmen eines solchen Projektes zu überbrücken gilt) zu meistern und hat wirklich eine durchaus gute und repräsentative Auswahl an Interpreten und Songs auf diesen (ersten) Silberling dieser Art (weitere sollen folgen) gepackt. Ich selbst besitze von fünfzehn der hier zwanzig vertretenden Künstler CDs und kann mir von daher sicherlich eine ganz gute Beurteilung erlauben.

Beim Auftakt-Sampler wurde sich wirklich bemüht, das gesamte Spektrum dieser, vornehmlich in Nashville, beheimateten Sparte (die im Laufe der Zeit sehr viele unterschiedliche Stile mit eingeflochten bekommen hat) abzudecken und mit großen Namen wurde ebenfalls nicht gegeizt. So stehen die Mädels wie Taylor Swift, Carrie Underwood oder Kellie Pickler (beide Letztgenannten waren Kandidaten bei American-Idol) für die poppigen Sachen, Alan Jackson für die Neotraditionalisten, Blake Shelton im Duo mit Trace Adkins und Craig Morgan zumindest auf diesem Teil für die Southern Rock-/Redneck-kompatiblen Zutaten.

Billy Currington (war mal in „Wetten, dass…?“ mit Shania Twain) und Josh Turner demonstrieren die Honkytonk-bestückte Variante, Jason Aldean, Miranda Lambert und Jake Owen repräsentieren die ‚jungen Wilden‘ der Szene, Kevin Costner und Tim McGraw bringen Hollywood-Glanz und Superstardom (beide sowohl erfolgreiche Schauspieler wie Musiker) mit auf den Rundling. Jennifer Nettles von Sugarland mit ihrer grandiosen Southern-Twang-Stimme (hat in einem Duett sogar mal den guten Jon Bon Jovi an die Wand gesungen) und Brad Paisley mit seinem fingerfertigen Telecaster-Gitarrenspiel sorgen für die individuellen Glanzpunkte. John Rich (Part von Big & Rich) überzeugt mit sozialkritischem Text in seinem „Shuttin‘ Detroit Down“.

Es gibt auch einige marginale Unpässlichkeiten. Kenny Chesney und Mac McAnally mit ihrem „Down The Road“ befinden sich hier eher in Westcoast-Gefilden (es gibt im New Country allerdings auch einige Gruppen wie z.B. Restless Heart oder Little Texas, die verstärkt mit Harmoniegesängen arbeiten), der junge Jason Michael Carroll bleibt mit seiner Nummer recht blass, Debbie Nunn ist mit ihrer Piepsstimme und ihrem christlichen Gesangsgefasel eher nervig und Cledus T. Judd mit seiner Tiger Woods-Persiflage eher im Klamaukbereich angesiedelt. Aber auch diese Tracks sind ein guter Beweis für die enorme Bandbreite dieses ehemals als recht verstaubt, einseitig und altbacken verschrienen Genres.

Die meiste Musik im New Country-Genre wird in der Regel übrigens von einem relativ überschaubaren Studio-Instrumentalistenkreis (ein kleiner Auszug. Greg Morrow, Shannon Forrest, Chris McHugh, Tom Bukovac, Dann Huff, Brent Mason, Kenny Greenberg, Pat Buchanan, John Willis, Jimmy Johnson, Paul Franklin, Dan Dugmore, Glenn Worf, Mike Brignardello, Tony Harrell, Steve Nathan, Gordon Mote, Jonathan Yudkin, etc.) eingespielt (es wechseln halt nur die Interpreten beim Gesang), der dafür an Können seines Gleichen sucht und trotzdem keine Einbahnstraßen-Kost abliefert. Immer wieder grandios, was die teilweise aus ihren Spielgeräten rausholen. Auch die exzellenten Produzenten und guten Songwriter tragen in der Regel dann zu einen exklusiven Ergebnis bei.

Zu bemerken ist, dass hier auf dieser Zusammenstellung im Großen und Ganzen Songs berücksichtigt wurden, die auch in den amerikanischen Country-Charts (und auch darüber hinaus) ein Wörtchen mitgeredet haben. Das Genre hat natürlich auch viele Interpreten zu bieten, die keine Major-Verträge besitzen und ebenfalls tolle Musik machen und die nicht so im Rampenlicht stehen (vermutlich auch nie den Weg auf einen solchen Sampler finden werden), Brantley Gilbert oder Gary Ray & The Heartwells seien mal als weitere Tipps angeführt.  Die und unzählige andere gilt es dann insbesondere zu entdecken, sofern man einmal durch die Arrivierten ‚Blut geleckt‘ hat. Sounds of South hat natürlich auch jede Menge an Besprechungen in dieser Hinsicht zu bieten, wenn man gerne stöbert!

Zum Schluss bleibt zu hoffen, dass es Sony Music (und allen anderen Supportern) mit diesem (und den weiteren geplanten) „Hot & New Country Music“-Sampler gelingt, als weiterer Katalysator und Multiplikator zu fungieren, um dieser tollen und sehr abwechslungsreichen Musik hier eine größere Plattform zu bieten. Im beigefügten Booklet sind zu jedem Künstler noch Bilder und kurze Statements abgedruckt.

Gerne dürfen auch deutlich mehr New Country-Interpreten nach Deutschland zu Konzerten geholt werden (wenn möglich auch zu etwas moderateren Preisen als es bei Kevin Costner vor kurzem beispielsweise der Fall war), wie man es im Four Corners Country-Club in Untermeitingen (bei Augsburg, für mich leider eine Weltreise) bereits mit Engagement und beachtenswertem Erfolg versucht (u.a. Lonestar, Phil Vassar)! In diesem Sinne. ‚Keep it (New) Country!‘

Sony Music (2010)
Stil: New Country

01. Love Story – Taylor Swift
02. It Happens – Sugarland
03. American Saturday Night – Brad Paisley
04. White Liar – Miranda Lambert
05. Let Me Be The One – Kevin Costner & Modern West feat. Sara Beck
06. Hillbilly Bone – Blake Shelton feat. Trace Adkins
07. Bubbles – Debbie Nunn
08. It’s Just That Way – Alan Jackson
09. Temporary Home – Carrie Underwood
10. Shuttin‘ Detroit Down – John Rich
11. That’s How Country Boys Roll – Billy Currington
12. Down The Road – Kenny Chesney feat. Mac McAnally
13. Hurry Home – Jason Michael Carroll
14. Didn’t You Know How Much I Love You – Kellie Pickler
15. Bonfire – Craig Morgan
16. It’s A Business Doing Pleasure With You – Tim McGraw
17. Why Don’t We Just Dance – Josh Turner
18. Don’t Think I Can’t Love You – Jake Owen
19. Tiger By The Tail (The Tale Of Tiger Woods) – Cledus T. Judd
20. The Truth – Jason Aldean

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