The Plainsmen – What Started The Fire – CD-Review

Und wieder mal ein richtiges Klasse-Debüt! Erdiger, würziger, völlig zwangloser, unbekümmerter, kraftvoller Red Dirt-Rootsrock, der einen den dreckigen, texanischen Staub sehr authentisch in der Nase spüren lässt. Für diese so lebendige Red Dirt-Szene scheinen Nachwuchsprobleme nach wie vor ein Fremdwort zu sein. Immer wieder sprießen die Newcomer nur so aus dem Boden und es haut einen oftmals förmlich aus den Socken mit welch hoher musikalischer Qualität hier von Anfang an losgelegt wird. Das nächste beeindruckende Beispiel dieser Art sind The Plainsmen aus San Antonio, Texas.

Hinter diesen „Flachländlern“ verbirgt sich ein handwerklich hoch talentiertes Duo, bestehend aus den Herren Grant Hamilton (aus Texas stammend) und Garrett Lucas (aus Oklahoma kommend). Beide haben sämtliche Songs ihres Albums „What Started The Fire“ zusammen komponiert und eingespielt, wobei eine klare Arbeitsteilung vorgenommen wurde. Hamilton bedient in Red Dirt-typischer Gesangsart das Mikro (klasse, raue, heißere Stimme mit viel Ähnlichkeit zu Mike McClure) und spielt Rhythmusgitarre, Lucas übernahm den Löwenanteil der vielen Lead-Gitarrenparts (herrliche, flammende, von großer Spielfreude und hoher handwerklicher Kompetenz geprägte, viel Southern-Esprit ausstrahlende Soli) und ist zudem mit einigen Harmoniegesängen beteiligt.

Das hört sich zunächst relativ unspektakulär an, wenn da nicht noch zwei markante Personen beteiligt wären, nämlich der omnipräsente „Mr. Red Dirt“ Mike McClure (Mike McClure Band / The Great Divide) sowie Musiker- und Produzentenlegende Joe Hardy (ZZ Top, Steve Earle, Jeff Healey, 38 Special, Georgia Satellites, Cross Canadian Ragweed, Laidlaw etc.), die sich, ähnlich wie schon vor kurzem beim saustarken Debüt des Mädelduos ShutDownTown, instrumenten- und produktionstechnisch eingebracht haben. Das ist schon toll, wie dieses Team sein Know-How, scheinbar ohne größere finanzielle Ansprüche, für junge Nachwuchskünstler zur Verfügung stellt und somit solche hoch qualitative (vom Budget her vermutlich streng limitierte) Eigenproduktionen erst ermöglicht. Großartig, wie diese Burschen ihren so wunderbar ursprünglich erscheinenden Red Dirt-Rootsrock mal mit einem feinen Blues-Flavour, dann mit viel Southern-Flair, aber auch mit der Genre-typischen Americana- und (Alternate) Country-Note würzen.

The Plainsmen beginnen ihr Werk mit dem schon fast Southern Rock-kompatiblen, sehr starken „Circles (Alive)“, das sich im gehobenem Midtempobereich bewegt und von einem dezentem Retroflair (wie auch einige andere Stücke) durchzogen ist. Gleich drei satte Gitarrenparts mit superbem, quirligem, hoch-karätigem southern-fueled Lead-Spiel warten auf uns, die gar so etwas wie entfernte The Marshall Tucker Band-Reminiszenzen aufkommen lassen. Ein toller Auftakt! Der markanten Slidearbeit und dem kauzigen Erzählstil bei „Laughin At The Past“ folgt sehr trockener, leicht melancholischer Gesang beim ungemein rootsigen, rauen, aber durchaus relaxten, von noch mehr schöner, elektrische Slide-Gitarre begleiteten „The Farm“. Mike McClures starkes Baritone-E-Gitarren-Spiel dominiert das lässige „In The Middle“ und versprüht eine gewisse „Laidback“-Atmosphäre.

Bei sehr melodischen, knackig kraftvollen „Katy Comes Around“ wird dann wieder das Tempo angezogen und Garrett Lucas überzeugt erneut mit einem klasse, quirligem Southern E-Gitarren-Solo. Das countryrockige „Lonely Town“ kann als verspätete Red Dirt-Antwort auf John Mellencamps berühmtes „Small Town“ interpretiert werden. Klasse hier vor allem die fette Orgel-Arbeit von Joe Hardy. Typischen, flockigen Red Dirt Rock im Cross Canadian Ragweed-Stil gibt es bei „Eagle“, wieder mit retrobehaftetem, starkem E-Gitarren-Solo. „Sandcastle Blues“ erinnert vom Groove her dezent an John Fogertys einstiges „Penthouse Pauper“, das vor einer gefühlten Ewigkeit auch mal von Molly Hatchet gecovert wurde.

Die eigenständige, bluesige Plainsmen-Abwandlung liegt vom Tempo her irgendwo dazwischen. Mit frappierender Ähnlichkeit zu Mike McClure und seiner Musik besingt Grant Hamilton das anschließende „Shores“ und avanciert damit fast zum potentiellen Ziehsohn seines Förderers. Mit einem textlichen Augenzwinkern swingt „Let Me Wander“ mit unterschwelliger Tex-Mex-Note gut gelaunt vor sich hin (schön hier die spanische Akustikgitarre, inkl. Solo). Das finale „Keeper Of The Plains“ dürfte für das Live-Programm gesetzt sein: Ein flotter, erstklassiger Countryrock-Stomper, den man bei Konzerten sicher zur spielfreudigen Endlosschleife (inkl. Mitsingmöglichkeit) ausdehnen kann.

The Plainsmen ist mit „What Started The Fire“ ein Debüt gelungen, bei dem man als Red Dirt-Fan sofort Feuer fängt. Mike McClure und und Joe Hardy haben einmal mehr ihr feines Näschen in Sachen Talentförderung bewiesen. Dazu wird man noch mit einem zwar sehr spartanischen, dafür aber umso schöneren Cover-Artwork (Scott Seetin) belohnt. Prima Stoff für Anhänger von Acts wie Cross Canadian Ragweed, Ryan Bales Band, Tyler McCumber Band und vor allem der Mike McClure Band. Das Red Dirt-Feuer brennt!

Eigenproduktion (2009)
Stil: Red Dirt

01. Circles (Alive)
02. Laughin At The Past
03. The Farm
04. In The Middle
05. Katy Come Around
06. Lonely Town
07. Eagle
08. Sandcastle Blues
09. Shores
10. Baby Let Me Wonder
11. Keeper Of The Plains

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Bärchen Records

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