Smith & Harley – Ride To Live – CD-Review

Dass die Biker-Szene ein immer ernster zu nehmendes Käuferpotential für Southern-Rock- Gruppen und deren Dunstkreis darstellt, ist spätestens seit der 38 Special-Live-Scheibe, aufgenommen im Motorrad-Mekka Sturgis, kein offenes Geheimnis mehr. So gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Bands, die der Lebensphilosophie der zweibereiften chrom- und PS-verliebten Zunft in ihren Songs Tribut zollen.

Selbst das brunftschreiartige Röhren beim Anzug des Gashebels oder das Quietschen der Pneus bei der aufmerksamkeitserhaschenden Vollbremsung, dienten oftmals als detailverliebter Special-Effekt, unvergessen beispielsweise beim Intro von Doc Hollidays „Last Ride“. Zwei echte Männer, auch rein äußerlich wie geschaffen für die Szene, sind Ron Smith und Jim Harley, die direkt mit ihrem Debuttitel und Eröffnungstrack ihr Lebensmotto kundtun. „Ride To Live, Live To Ride“.

Muskelpaket Ron Smith, an einen Hulk Hogan mit Cowboyhut auf dem Kopf erinnernd, sammelte bereits reichhaltige Erfahrungen in der TV-Branche, meistens im Stuntman-Geschehen (doubelte u. a. Charles Bronson und Burt Reynolds) und ist auch, wie nicht anders zu erwarten, in der Wrestling-Szene kein Unbekannter, dass ihm Kosenamen wie ‚The Mask Marvel‘ oder ‚Mr. TNT‘ einbrachte. Allerdings ist er auch ein potentielles Gesangstalent mit viel Clubszenen-Praxis, was mehrere Titel und Auszeichnungen bei diversen Veranstaltungen nachhaltig beweisen.

Der mit dezent gepflegtem Vollbart ausgestatte, leder-beklüftete Jim Harley macht eher den Eindruck des introvertierten Gegenparts zu Smith. Er erarbeitete sich als Singer, Songwriter und Gitarrist einen hervorragenden Ruf als Live-Act in (New-)Country-Gefilden, meist in der Rolle des Anheizers, für Interpreten wie Alabama, Patty Loveless, Restless Heart, Willie Nelson, Toby Keith und zig andere.

Unter der Regie des bekannten Produzenten Clyde Brooks (Kenny Chesney, Dolly Parton, Kenny Rogers) versuchen beide jetzt ihr Glück und es passt musikalisch wirklich alles ganz gut zusammen, nicht zuletzt auch der Verdienst zahlreicher brillanter Nashville-Studio-Musiker wie Greg Morrow, Pat Buchanan, Glen Duncan oder Mike Brignardello, die ihr Können jeder Situation blindlings anzupassen verstehen.

Nach zwei flotten, durstmachenden Uptemponummern am Anfang folgt mit „Tombstone“ ein erstes Highlight. eine tolle Western-Ballade voller Southern-Atmosphäre mit kreischendem Harmonika-Spiel von Kirk „Jelly Roll“ Johnson, wobei Smith stimmlich an Ronnie Keel erinnert, und dem Song eine Brise Iron Horse-Flair vermittelt.

Vom folgendem „Freedom“, einer mit knackigen Fiddeln und Slidegitarren gespickten Tanznummer, bis zum würdigen Nachfolger von ZZ Tops „Gimme All Your Lovin'“, hier „Gunnin‘ For Your Love“ betitelt zum Abschluss, bleibt der Gaszug unter Mitnahme aller Klischees am Limit, wobei das voller Power steckende Drumspiel von Greg Morrow und herrliche Leadgitarren der Herren Richard Bennett, Pat Buchanan und Chris Leuzinger ein durchgehender Genuss sind.

Apropos Genuss. live werden, dazu muss man kein Prophet sein, Smith & Harley (witziger und passender Weise gesponsert von ‚Harley Davidson‘ und ‚Smith & Wesson‘) auf Southern- und (New-)Country-Festivals, sowie den eingangs beschriebenen Treffen (entsprechender Alkoholpegel auch noch mit berücksichtigt) zu wahren Abräumern avancieren, das ist durch ihre tollen, stimmungsträchtigen Songs garantiert. Ein großer Spaß, nicht nur für immer jung bleiben wollende Bikerfreunde. Ach Renate, ist übrigens noch Bier im Kühlschrank…?

BDE/33rd Street Records (2005)
Stil: Southern Rock

01. Ride To Live, Live To Ride
02. Mama’s Got A Tattoo
03. Tombstone
04. Freedom
05. Cowboy Ride
06. That’s What I Like About Love
07. Red Moon
08. DUI Of Love
09. Stone Cold Crazy In Love
10. Gunnin‘ For Your Love

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Bärchen Records

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