Hometown News – Same – CD-Review

HT

Es gibt gute Neuigkeiten in Sachen Hometown News! Obwohl ihr, sowohl von Kritikern als auch Käuferschaft so hochgelobtes Debütalbum „Wheels“ in kommerzieller Hinsicht floppte, hat sich mit „Quarterback Records“ ein weiteres, kleines Independant Label gefunden, das auf das höchst talentierten Duo Scott Whitehead (vocals, aoustic, electric, classical, slide and resonator guitar, stomps and claps) und Ron Kingery (vocals, acoustic and bass guitar, mandolin, dulcimer, drums, stomps and claps) setzt und ihm eine erneute Chance gewährt. Die beiden Multiinstrumentalisten und großartigen Sänger danken es mit einem tollen Silberling, der an Abwechslungsreichtum eine Menge zu bieten hat.

Wasser auf die Mühlen von Freunden des traditionellen Country, des New Country, des rootsigen Country, des klassischen Retro-Countryrocks und vor allem des Westcoast-Country, die in den Hometown News ihren gemeinsamen Nenner finden dürften. Ihre Musik klingt sehr frisch und klar, wunderbar locker, flockig und flüssig, sprudelt „sonnig“ aus den Lautsprechern, steckt voller toller Melodien und besticht in den Arrangements durch eine exzellente Kombination aus akustischen und elektrischen Instrumenten. Vergleiche zu der Nitty Gritty Dirt Band oder zu den O’Kanes sind nicht von der Hand zu weisen! In den Biografien von Whitehead und Kingery sind viele Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Beide wurden auf Militärbasen geboren und saugten diszipliniertes Verhalten quasi mit der Muttermilch auf. Beider Eltern waren jeweils Armee-Angehörige. Ihrer patriotischen Einstellung zollten Sie mit zahlreichen Auslandseinsätzen, u. a. als Piloten im ersten Golfkrieg, Tribut, in musikalischer Hinsicht aber auch durch eine groß angelegte, 34 Tage andauernde „World-Tour“ mit Auftritten in diversen Auslandsstandorten der US-Forces. Sie wuchsen jeweils in ländlichen Gegenden auf und begeisterten sich frühzeitig fürs Schreiben, Auswählen und Aufnehmen von Songs!

Whitehead und Kingerly entdeckten 1996 ihre gemeinsamen Vorlieben auf einer der vielen Songwriter-Abende in Nashville und beschlossen fortan ihren Weg zusammen zu beschreiten. Gut so! Die beiden harmonieren prächtig zusammen, was diverse Awards-Nominierungen, ein Auftritt in der Grand Ole Opry, aber auch ein Sponsoring der „Ford Motor Company“ nachhaltig unterstreichen. Das große Potential der Hometown News ist längst kein Geheimnis mehr! Kommen wir zum großartigen, neuen Album: Los geht’s mit dem typischen Knistern einer alten, schon des öfteren abgespielten Vinyl-Platte. Das sich anschließende, wunderbare, knackige Retro-Country(rock)-Stück hat dann passenderweise auch den Titel „33, 45, 78“ (die Umdrehungszahlen pro Minute alter Plattenspieler) und wird im Arrangement dem Charme früherer Country(rock)-Nostalgie bestens gerecht.

Das anschließende „Brand New Me“ ist dann eine richtig flotte, schön rhythmische Nummer mit deftigen Harmoniegesängen und vielen Mandolinen- und E-Gitarren-Einlagen. Scott Whitehead ist ein Meister an den sechs Saiten. Zudem erinnert Kingery’s Stimme hier ein wenig an die von Reckless Kellys Cody Braun, was auc bei den Roots-/Americana Freunde gut ankommen dürfte. Gar ein wenig in der Tradition von Travis Tritts „Einfache-Leute-Balladen“ steht das feine „That’s Country To Me“, eine gemütliche, aber sehr emotional vorgetragene Ballade mit schönem Southern-E-Solo und netten Banjo- und Piano-Fills. Nach drei sehr lockeren und überaus melodischen, semi-akustisch vorgetragenen Nummern mit viel Westcoast-Flair (großartig beispielsweise das ein wenig an James Taylor erinnernde „About Caroline“ mit der schönen Mandoline und den klaren Gitarren), wird bei „Jumpin‘ Over Fences“ gar ein wenig im Stile von Tom Petty gerockt, wunderbare Slidegitarrenarbeit inbegriffen.

„Long Way Home“ hat dann wieder, dank der auch oft in anderen Stücken eingebauten, schönen Harmoniegesänge, das gewisse Westcoast-Flair der bereits erwähnten Nitty Gritty Dirt Band und auch von Poco. Ein weiterer Höhepunkt des Werkes besteht eigentlich aus zwei Songs: Das Instrumental „Navinim, Olé“ könnte eigentlich mit seiner wundervollen, spanischen Akustik-Gitarrenarbeit und diesen herrlichen Mandolinen-Ergänzungen als das perfekte Live-Intro zu dem Eagles-Klassiker „Hotel California“ durchgehen, doch just in dem Moment, wo man hier vielleicht eine Coverversion des Duos erwartet, wird man mit der ebenso starken, wie entspannten New-Country Outlaw Ballade „Ain’t That Just Like Love“ überrascht. Steel-Gitarren, „blecherne“ Banjountermalung, typisches Telecaster-Riff und sogar Kastanetten-Einlagen bestechen bei einem Lied, das sehr viel Ähnlichkeit mit Brooks & Dunn aufweist.

Das folgende, traumhaft lockere und melodische „The Sun Also Rises“ besticht dann aber tatsächlich mit einem herrlichen Eagles-Touch! „Good Dose Of You“ ist dann noch mal eine fröhliche, beschwingte, knackige Country-Tanznummer mit viel Akkordeon und einmal mehr einer prima Melodie! Durch und durch ein klasse-Album, das keine Wünsche offen lässt. Man kann nur hoffen, dass die Hometown News diesmal eine dem Werk gebührende Resonanz erhalten! Verdient hätten sie’s!

Quarterback Records (2005)
Stil: Country Rock

01. 33, 45, 78
02. Brand New Me
03. That’s Country To Me
04. Here I Go Again
05. About Caroline
06. Anyway
07. Jumpin’ Over Fences
08. Long Way Back Home
09. Navinim, Ole’
10. Ain’t That Just Like Love
11. The Sun Also Rises
12. Good Dose Of You
13. If I Could
14. Little Juju
15. Train Long Gone (featuring the Oak Ridge Boys)

Bärchen Records

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