Bleu Edmondson – Lost Boy – CD-Review

Dass Rot-Weiss Essen-Fans nicht nur in Sachen Fußball, sondern auch im musikalischen Bereich zu den geschmacklich privilegierten Personen im Lande zählen, führte ich ja bereits in meinem Review zu Texas Renegade aus. Und so schickte mir auch diesmal mein geschätzter Bekannter Helmut Tautges, unnachgiebig regierender Präsident der RWE-Uralt-Ultras, wieder einen echten texanischen Leckerbissen. Es handelt sich um Bleu Edmondson, der mit „Lost Boy“ jetzt gerade seine vierte CD (drei Studiowerke, ein Live-Album) veröffentlicht hat.

Edmondson stammt aus Dallas, hatte im Alter von 19 Jahren bereits einige Songs geschrieben, obwohl er erst mit 21 die erste Gitarre geschenkt bekam. Die Grundgriffe brachte ihm Scott Owen bei, der bei Roger Creager die Saiten zupfte. Als Einflüsse gibt der begabte Musiker Interpreten wie Bruce Springsteen, Robert Earl Keen, Lyle Lovett und die Rolling Stones an. Ab dem Zeitpunkt, als der Bursche dann dem texanischen Musiker und Produzentenguru Lloyd Maines (Vater von Dixie Chicks-Sängerin Natalie Maines) ein Demo-Band schickt und diesen als Fürsprecher gewinnt, geht es dann eigentlich nur noch geradeaus voran.

Sein neues Album „Lost Boy“ bietet einen schönen Exkurs über den weitgefächerten und viel interpretierten Begriff Americana, denn hier wird so ziemlich alles gestreift, was man im üblichen Sinne an wichtiger amerikanischer Rockmusik kennen sollte. Es geht von poprockigen, rhythmischen Songs mit viel Drive, über Southern- und Roots-/Red Dirt Rock-Elementen bis hin zu melancholischen Balladen und knarzigem Singer/Songwriter-Stoff. Rein textlich gesehen strahlt der gute Bleu nicht gerade die pure Lebensfreude aus (zumindest auf diesem Silberling), sondern serviert hier eher schwerverdauliche, introvertierte Kost im Stil eines Eric Heatherly.

Highlights in einem durchgehend guten Album, das an John Mellencamp/Bruce Springsteen erinnernde und flott abgehende „American Saint“, das mit Wade Bowen zusammen komponierte „Ressurrection“ mit seinen Tempo-und Stimmungswechseln, die wunderschöne Ballade „The Echo (Maybe Tonight)“ mit herrlichen Saxofon-Passagen, das von Southern-E-Riffs umgarnte „Finger On The Trigger“ (aus der Feder von Brandon Jenkins – auch ein toller Musiker aus der Red Dirt-Szene), das countryinfizierte „Another Morning After (The Night Before)“, das Bleu mit Barde Ray Wylie Hubbard geschrieben hat und das abschließende „Don’t Fade Away“ in bester Neil Young-/Bob Dylan-Manier, nur mit Akustikgitarrenbegleitung und einfließenden Harp-Passagen.

Bleu Edmondson macht für seine jungen Jahre eine bereits sehr reif wirkende und vor allem sehr abwechslungsreiche Musik. Er besitzt eine tolle Stimme und hat ausgesprochene kompositorische Fähigkeiten. Neben den bereits erwähnten Künstlern würde ich noch Leute wie die Tyler McCumber Band, Ryan Bales und Johnny Cooper als landestypische Vergleichsgrößen benennen. Fazit. Wieder einmal großartiger Stoff aus Texas! Produziert übrigens von Dwight Baker, der schon mit Interpreten wie u.a. Bruce Springsteen, The Police und Fleetwood Mac gearbeitet hat.

Smith Entertainment (2007)
Stil:  Red Dirt

01. American Saint
02. Last Call
03. Ressurrection
04. The Echo (Maybe Tonight)
05. Jesus Is Cryin‘
06. Back To You
07. Finger on The Trigger
08. You Call It Trouble
09. Last Last Time
10. Another Morning (After The Night Before)
11. Don’t Fade Away

Bleu Edmondson
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Bärchen Records

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