Antigone Rising, 31.05.2016, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Was soll man sagen? Da kommt eine tolle Band aus den Staaten zu uns hierher und muss im schönen Kölner Yard Club vor 25 Zuschauern spielen. Ich, der es auch als Mission versteht, gute Nischenmusik mit meinen Berichten und Reviews zu bekannter zu machen, habe mich innerlich richtig geschämt. Der deutsche Michel und seine Michaela schauen sich lieber für viel Geld im anonymen Massengedränge ihre Udos und Herberts an oder speziell in Köln vermutlich die von diesem unsäglichen Radiosender (WDR 2) protegierten internationalen Großverdiener, Indie-Rumjanker und hiesigen Xavier-Naidoo-Verschnitte…

Ich muss allerdings zugeben, dass ich Antigone Rising auch überhaupt nicht mehr auf dem Schirm hatte. Vor ca. zehn Jahren hatte ich mal das tolle Live-Album „From The Ground Up“ reviewt, danach waren sie bis vor ein paar Wochen völlig unter meinem Radar verschwunden. Ich hätte nie vermutet, dass die mal hier auftreten würden. Beim Abklappern meiner bevorzugten Konzert-Locations im Netz, musste ich mir die Augen reiben und habe dann erst realisiert, dass es wirklich wahr geworden ist. Also auf in die Domstadt!

Es hat sich in dieser Zeit natürlich einiges geändert, auch bei Antigone Rising. Aus dem damaligen Quintett ist ein Quartett geworden. Die Henderson-Sisters (Kristen jetzt am Bass mit coolem Groove) und Drummerin Dena Tauriello sind noch dabei, die einstige Sängerin wurde durch die zierliche hübsche Nini Camps (erinnerte mich ein bisschen an Susanna Hoffs von den Bangles) ersetzt. Mit ihr hat die Band in der Zwischenzeit auch einen Longplayer „23 Red“ und zwei „Whiskey & Wine Vol. I+II“ eingespielt. Heimliche Chefin im Ring ist aber das Pfundsweib Cathy Henderson.

Das alte Werk wurde völlig außen vor gelassen, selbst ihr großer Hit „Don’t Look Back“ war nicht in der Setliste präsent. Klar, hätte ich gerne was von diesem Silberling gehört, aber insgesamt konnten auch die ‚neueren‘ Sachen überzeugen. Die Damenriege, die in den Staaten immerhin schon Bands wie u. a. die Allman Brothers oder auch Aerosmith supportet hat, spielt heute deutlich rockiger, teilweise bereiteten mir einige furiose Gitarrenpassagen, wie sie in unserem geliebten Southern Rock gang und gäbe sind, richtige Freude. Mrs. Henderson ließ dabei ganz ordentlich und quirlig, ihre Finger über die Saiten fliegen.

In den knapp 1 ½ Stunde (keine Zugabe) stellten die Mädels dann Stücke wie „Breaking Me“ (sehr rockig), „Get To You“, „One Foot In“ (großartige E-Solo-Passage mit eingebautem Twin-Spiel), „Everywhere Is Home“ (klasse hier die im weiteren Verlauf des Gigs auch immer wieder angewendeten Harmoniegesänge),  „Everything Changes“, „Weed & Wine“ vor. Ihr momentaner Hit, ein Countryrocker, der in den Staaten auch einiges an Radiopräsenz aufweisen kann, „That Was The Whiskey“ (entsprungen aus einer Geburtstagsparty für Nini Camps), kam natürlich auch noch zum Zuge. Toll gespielt wurden zwei Fleetwood Mac-Cover, zum einen „Tusk“ (integriert bei „Call Me Crazy“) und das klasse von Nini gesungene „Rhiannon“. Das starke „Borrowed Time“, wieder mit fettem Instrumentalabschluss, bildete nach gut 90 Minuten einen furiosen Abschluss.

Fazit: Antigone Rising bieten im Kölner Yard Club eine tolle rockige Performance mit dem einen oder anderen Country- und Southern Rock-Schmankerl. Mir und den wenigen Anwesenden hat diese Vorstellung großen Spaß bereitet. Klasse, dass die Nachkömmlinge des Ödipus sich vom geringen Zuspruch nicht frustrieren lassen haben und trotzdem professionell eine tolle Show durchgezogen haben. Für mich schon jetzt eine der großen positiven Überraschungen des Jahres. Ich wünsche ihnen von Herzen, dass sie bei den noch folgenden Gigs mehr Resonanz erfahren mögen! Liebe Leute, also bewegt euren Hintern!

Danke an Marcus für die, wie immer, reibungslose Akkreditierung in ’seinem‘ Club.

Antigone Rising
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Yard Club Köln

Todd Wolfe Band, 23.04.2016, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Todd Wolfe und seine Band wieder zu Gast im Schwarzen Adler in Rheinberg! Um 19:30 Uhr begann der Adlersaal sich langsam zu füllen. Einige Stehtische, die aufgestellt waren, ließen erahnen, dass das Konzert nicht ausverkauft sein wird. Die Daheimgebliebenen waren sich nicht bewusst, dass ihnen ein Konzert-Highlight der Extraklasse entgangen war. Wenn man in die Geschichte von Todd Wolfe schaut, sieht man, dass es sich um einen Ausnahmekünstler handelt, der zwar nie im Vordergrund kommerzieller Projekte stand, aber wichtiges Mitglied, z. B. im Bereich Songwriting, bei Sheryl Crow war.

Auch als Studiomusiker war er in den letzten Dekaden unter anderem bei Mountain, Leslie West, Carla Olson und Mick Taylor an der Gitarre präsent.
Nach dem Verlassen der Sheryl Crow Band gründete Todd Wolfe in verschiedenen Besetzungen eine eigene Formation, die seit mehreren Jahren in der jetzigen Besetzung mit Todd Wolfe an der Gitarre, Justin Gardner am Bass und Roger Voss an den Drums besteht. Geprägt wurde seine Musik hörbar durch Größen wie Albert Collins, Gregg Allman, The Outlaws, Dickey Betts, Johnny Winter, Robin Trower und The Neville Brothers, für die er mit seinen ersten Bands Opener war.

Ziemlich pünktlich um acht Uhr begann das Konzert. Auf der Bühne stand das holländische Blues Trio „The Red Phone“, das in etwa 50 kurzweiligen Minuten das Publikum mit rocklastigem Blues in Stimmung brachte.

Nach einer kurzen Umbaupause legte dann Todd Wolfe mit seinen Leuten los. Wolfe begann das Konzert mit „Sunny Vale“ und „Against The Wall“ von seiner 2013 erschienenen Platte „Miles To Go“ und brachte die Zuhörer schnell in die entsprechende Blues Rock-Stimmung. Unterstützt von seiner Rhythmussektion, der schnörkellos spielenden Justin Gardner und dem treibenden Schlagzeugspiel von Roger Voss, spielte Todd Wolfe sich schnell warm und glänzte mit seinem virtuosen vielseitigen Gitarrenspiel, in meist Midtemostücken mit nie langweiligen Soli, die oft auch seine härtere Spielweise zeigten.

Ein Grund für die schnell überspringende Stimmung war die sichtbar gute Laune aller Bandmitglieder und deren Interaktion zwischen den Stücken mit der Audienz. Ob es das Anstoßen Wolfs mit der lokalen Biersorte oder das Lächeln von Gardner war; die Todd Wolfe Band zeigte, dass sie für das Publikum spielte.

Nach mehreren rockigeren Songs vom der letzten Platte „The Longboard Road Back“, schaltete Wolfe einen Gang zurück und griff für drei Songs zur akustischen Gibson-Gitarre. Der letzte davon war sein ältester, „Black Hearted Woman“ von der 2004 erschienenen „Delaware Crossing“. Bei diesen, eher ruhigen Stücken, konnte Wolfe seine exzellente Spielweise (Sheryl Crow sprach über ihn von einem der besten Gitarristen) unter Beweis stellen und dass man auch mit einer akustischen Klampfe, den Saal in Stimmung halten kann.

Nach dem Griff zur elektrischen Gibson, feuerte Wolfe ein Feuerwerk mit zumeist Stücken von „The Last Road Back“, unterbrochen von einem gelungenem Cover der B.B. King-Nummer „3 O‘Clock Blues“. Dann bat Wolfe den Kempener Blues-Gitarristen Clemens Bombien von Minor Cabinet zur Unterstützung auf die Bühne. Unter dem Applaus der Zuschauer überließ Wolfe Bombien den Part der Leadgitarre, um ihn, gemeinsam mit Justin Gardner und Roger Voss, nach zwei intensiven Stücken, freundschaftlich wieder zu verabschieden. Es war schön zu sehen, wie ein international renommierter Musiker, einem lokalen Gitarristen, wie auch schon im letzten Jahr, die Gelegenheit erweist, vor einem Bluesrock hungrigem Publikum aufzutreten.

Danach gab das Trio weiter Gas, um nach etwa 100 Minuten die Bühne zu verlassen. Nach einer kurzen Aufforderung zur Zugabe spielte Wolfe „Mercy“, „On The Run“ und „Got To Go Better“. Der Titel ‚Merci‘ aus dem Französischen übersetzt, konnte an dem Abend aus zweierlei Sicht gesehen werden. Ein Dank des Publikums an ein gelungenes, stimmungsvolles Bluesrockkonzert und der Dank der Musiker an ein Auditorium, das den Spaßfaktor der Musiker sichtlich unterstützte. Nach knapp zwei Stunden verließ die Band unter dem Applaus der Zuschauer die Bühne und in den Gesichtern war die Zufriedenheit über einen tollen Abend deutlich erkennbar.

Das Verlassen war aber nur rein musikalischer Natur. Wolfe, Gardner und Voss ließen es sich nicht nehmen, wie im Schwarzen Adler üblich, geduldig den zahlreichen Autogrammwünschen nachzukommen. Dabei kam auch der gelegentliche, humorvolle Smalltalk nicht zu kurz. Kurzum gesagt, Vollblutmusiker zum Anfassen, ohne jede Starallüren, die einfach Spaß an der Musik und der Stimmung eines Konzertes haben. In der Hoffnung, dass Todd Wolfe auch nächstes Jahr wieder den Adler zum (Blues-) Rocken bringt, gingen die Gäste oder verbrachten anschließend noch eine Zeit in der Kneipe. Wenn man der Regel folgt ist am 23.04.2017 wieder Wolfetime im Adler. Dann hoffentlich vor einem vollen Haus, was die Künstler verdient hätten.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch eine Lanze für Ernst Barten brechen, der es immer wieder schafft, ausgezeichnete Blues Musiker in den Adler zu locken. Vielleicht auch einmal den Gastmusiker Bombien mit Band.

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Todd Wolfe Band
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Schwarzer Adler

Sweetkiss Momma, 24.03.2016, Kulturrampe, Krefeld, Konzertbericht

Die Southern Roots Rocker Sweetkiss Momma im Rahmen ihrer Europatournee zum zweiten Mal in Krefeld in der Kulturrampe! Das Quintett brachte ihre brandneue EP „What You’ve Got“ mit, leider aber nicht die bei uns auch hoch angesehenen und besprochenen Moss Brothers, die ja bei der Einspielung des Werkes tatkräftig mitgewirkt hatten. Bandleader Jeff Hamel (lead vocals, guitar, harp) hatte aber mit Paul Beadry (bass), Kevin ‚Kubby‘ White (drums), Skylar Mehal (lead guitar) und Keyboarder Ray Hayden, noch rechtzeitig zur Tour, adäquaten Ersatz gefunden.

So gerne, wie ich immer wieder in die Kulturrampe gehe, als Rezensent und Fotograf in einer Person, sind gerade bei ausverkaufter Hütte, die beengten Gegebenheiten und schwierig abzubildenden Lichtverhältnisse (dazu kommt dann noch immer auch noch schöner Dampf aus einer Rauchmaschine…), bei Bands, die man eher nur oberflächlich kennt, Stress pur. So richtig vom Konzert hat man da leider als Berichterstatter eher weniger was. Von Sweetkiss Momma besitze ich nur das Erstwerk, in die Soundfiles ihrer neuen EP hatte ich zur Vorbereitung zumindest mal reingeschnuppert.

Als sie um ca. 21:15 Uhr mit dem krachenden „Hot Mess“ aus diesem Werk loslegten, wurde auch schon klar die musikalische Richtung des Abends vorgegeben. Es wurde eher Seattle-mäßig abgerockt, als zu den Temperaturen im Raume passend, schwülen Südstaaten-Groove mit seinen musikalischen Facetten in den Fokus zu rücken. Lead-Gitarrist Skylar Mehal gab sich zwar mit einigen quirligen Soli ordentlich Mühe, aber das typische Südstaaten-Flair, wie es die Moss Brothers sicher eingeflochten hätten, wurde eher nur marginal verbreitet. Auch die typischen Twin-Einlagen waren eher rar gesät. Es ging doch recht konstant in die Vollen, Zeit zum Durchatmen gab es, soweit ich mich erinnere, kaum. Die Leute, hatten zur Freude der Band, aber viel Spaß am Gebotenen. Die Stimmung war von vorne bis hinten prächtig.

Aufgrund o. a. Gegebenheiten, hatten für mich persönlich natürlich Stücke wie „Ready To Go“, „Son Of The Mountain“ und „Rocket Ride“
den höchsten Wiedererkennungswert. Wenn mich nicht alles täuscht, wurde aber auch das neue Werk (besteht ja auch nur aus fünf Titeln) komplett ‚abgearbeitet‘, „Like You Mean It“ inklusiv einer Basseinlage von Beadry. Frontmann Hamel ist mit seinem Rauschebart, der kräftigen Statur, seinem barschen Stimmorgan und Art zu Performen, durchaus ein gewisses Charisma zu attestieren. Er steuerte sein frisch aufgestelltes Quintett bis zum, den Hauptteil abschließenden „Mercy Love“, sicher durch den Abend. Ach ja eine „Another Brick In The Wall“-Einlage gab es kurz zuvor auch noch, muss ich bei solchen Bands aber eigentlich nicht haben. Den Leuten gefiel es.

Die stürmischen Zugabeforderungen wurden dann aufgrund der guten Stimmung nochmal mit vollem Einsatz befriedigt. „Dirty Uncle Deezer“, ein instrumentales „La Grange“-Intermezzo (damit Hamel noch schnell an der Theke hinten ein Bierchen trinken konnte), das endlich mal ruhige „Same Old Stories“ und eine recht gelungene Version vom Stones-Klassiker „Gimme Shelter“ (mit schönem Slide Solo von Mehal) machten dann satte zwei Stunden mit Sweetkiss Momma-Musik ‚voll‘.
Fazit: Ein launiger Abend mit einer sympathischen Truppe, bei dem der Southern Rock, wie ich ihn liebe, aufgrund der kurzfristigen Personal-Rochaden, verständlicherweise etwas zu kurz kam. Trotzdem eine Band, die man bei Auftritten hier in unserem Land immer unterstützen sollte.

SweetKiss Momma
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Kulturrampe
Black Pike Favorites

Joe Bonamassa – Blues Of Desperation – CD-Review

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Neues Studioalbum des Blues Rock-Tausendsassas! Wenn es im Genre sowas wie Fleißkärtchen zu verteilen gäbe, stünde der 38-jährige, aus New Hartford stammende Musiker, sicher auch ganz vorne in der Reihe. Der Zögling eines Gitarrengeschäftbesitzers veröffentlicht ja, seit er zur Jahrtausendwende mit seiner Debüt-CD „A New Day Yesterday“ erstmals in Erscheinung trat, in verschiedensten Konstellationen (solo, Black Country Communion, mit Beth Hart) Tonträger fast wie am Fließband ab.

Mittlerweile schien dem bekennenden Rory Gallagher-Fan wohl die Zeit reif, wieder ein Solo-Album zu veröffentlichen. „Blues Of Desperation“ heißt das neue Werk und wurde, wie schon der Vorgänger „Different Shades Of Blue“ in Nashville samt Involvierung dortiger Musiker (u. a. Greg Morrow, Reese Wynans, Michael Rhodes) und Songwriter (Tom Hambridge, Jerry Flowers, Gary Nicholson, Jeffrey Steele) eingespielt. Für den Sound waren ebenfalls erneut Kevin Shirley und Roy Weisman verantwortlich.

Von Verzweiflung ist, bis auf den Titel, hier eigentlich nichts zu spüren. Bonamassa präsentiert sich, mit kleinen Abstrichen, in prächtiger Form und kann auf das Gesamtergebnis durchaus stolz sein. Sicherlich eine seiner stärksten Veröffentlichungen überhaupt! Schon der Opener „This Train“ brettert unter Führung von Morrows Polterdrums und Joes filigraner E-Gitarrenkunst wie ein wuchtiger Hochgeschwindigkeitszug durch den Raum. Reese Wynans grandioses Pianogeklimper und die herrlichen Backgroundvocals, von den auch im weiteren Verlauf immer wieder bestechend eingesetzten Sängerinnen Mahalia Barnes, Jade McRae und Juanita Tippins, bilden hier das Sahnehäubchen.

Der Song offeriert allerdings auch eine der kleinen Schwächen des Silberlings und zwar die Stimme des Protagonisten. Immer wenn er gegen kräftigere Soundgefüge ansingen muss, wirkt sein vokales Organ doch ein wenig dünnwandig und hölzern. Bei ruhigeren Tracks wie zum Beispiel dem wunderbar atmosphärischen, bestens als Untermalung für ein Roadmovie geeigneten „Drive“ (mit Peter Green-Flair Richtung „Albatross“/“Slabo Day“), dem grandiosen Slow Blues „No Good Place For The Lonely“ (könnte fast als eine Hommage an Gary Moores „Still Got The Blues“ durchgehen) oder dem dezent Country-angehauchten „The Valley Runs Low“ (klasse Akustikgitarre, soulige Harmoniegesänge) passt sie eigentlich dagegen sogar ganz gut.

Ein weiteres kleines Manko ist sein phasenweise zu dick aufgetragenes Gitarrenkönnen. Hallo Herr Bonamassa, wir wissen, dass Sie ein Saitenvirtuose sind! In manchen Stücken, sind mir persönlich die Soli zu übertrieben, zu lang, bzw. zu improvisationsfreudig geraten. Das mag vielen Leuten zwar besonders gefallen, im Studio finde ich es besser, wenn man Sachen einigermaßen kompakt auf den Punkt bringt. Gerade in Nashville, kennt man sich da doch bestens aus, wie man große Klasse auch ohne größeres Maß an Selbstdarstellung beweisen kann (die Herren Bukovac, Greenberg oder Mason mal als Referenzen angeführt). Aber im Blues Rock-Genre scheint es wohl ein unabdingbares Muss zu sein…

Bestes Beispiel der Titelsong: Aus ihm hätte man (wenn man die orientalischen Zwischenklänge weggelassen hätte) einen schönen straighten (Southern) Rocker machen können, der mit psychedelischem Flair überzogene Track wirkt aber mit mehreren ausgedehnten Frickel-Solo-Passagen jetzt insgesamt völlig überladen. „You Left Nothin‘ But The Bill And The Blues“ im Stile des guten alten Albert Collins dürfte den traditionelleren Blues-Anhängern Freude bereiten, während „How Deep This River Runs“ eher den Vertretern der jungen wilden Generation (Richtung Davy Knowles‘ Back Door Slam) zusagen dürfte.

Am Ende rücken bei „Livin‘ Easy“ und „What I’ve Known For A Long Time“ plötzlich bis dato nicht vorhandene Bläsereinlagen verstärkt in den Fokus des Geschehens. In Erstbenanntem versuchen E-Gitarre und Piano sich gegen ein ziemlich dominantes Saxophon zu stemmen, Letztgenanntes erscheint wie ein modernes (bläserbetontes) Update des guten alten „Stormy Monday Blues“. Hier kann Bonamassas Stimme (sh. Einwände oben) die Röhre eines Gregg Allman, die wunderbar auch zu diesem Track gepasst hätte, leider nicht kompensieren. Trotzdem ein stimmungsvoller Abschluss.

Meine (z. T. negativ klingenden) Anmerkungen sollen aber keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass „Blues Of Desperation“ wirklich von beeindruckendem Können geprägt ist und durchaus vielseitige und abwechslungsreiche Unterhaltung auf sehr hohem Niveau bietet. Also, keine Verzweiflung oder Panik, liebe Blues Rock-Gemeinde. Ihr dürft euren Joe (berechtigterweise) auch weiterhin in den Himmel heben!

Zur weiteren Einstimmung hier der Trailer zum Album, das am 25.03.2016 veröffentlicht wird.

Mascot Label Group (2016)
Stil: Blues Rock

01. This Train
02. Mountain Climbing
03. Drive
04. No Good Place For The Lonely
05. Blues Of Desperation
06. The Valley Runs Low
07. You Left Nothin‘ But The Bill And The Blues
08. Distant Lonesome Train
09. How Deep This River Runs
10. Livin‘ Easy
11. What I’ve Known For A Very Long Time

Joe Bonamassa
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Netinfect Promotion

King King, 03.03.2016, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

Line-up:
Alan Nimmo (Lead vocals, electric guitar)
Lindsay Coulson (Bass)
Wayne Proctor (Drums, backing vocals)
Bob Fridzema (Keys, backing vocals)

Konzertbericht bei unseren Freunden auf
Soundanalyse

King King
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Sister Hazel – Lighter In The Dark – CD-Review

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Absolut stark – Sister Hazel auf Nashville-Pfaden! Aber nicht auf den ‚üblichen‘, oft so überproduzierten Mainstream Country-Pfaden, sondern vielmehr mit einer hinreißenden, klassischen Countryrock-Vorstellung, bei einigen Stücken frappierend an die Großtaten der Eagles erinnernd. Nach einer für Sister Hazel-Verhältnisse ungewöhnlich langen Kreativpause ist das Quintett aus Florida jetzt mit „Lighter In The Dark“ nach knapp fünf Jahren endlich wieder mit einer brandneuen CD am Start. Und nach den beiden eher unspektakuläreren Vorgängern „Release“ und „Heartland Highway“ (obwohl auch die immer noch sehr gut gelungen waren), kehren sie jetzt stärker denn je zurück.

„Lighter In The Dark“ ist ein absolutes Klasse-Album geworden. Die tollen Melodien, samt der starken Gesangsleistungen und flockigen Gitarrenläufe sprudeln wieder nur so aus ihnen heraus. Im Hinblick, dass der Begriff ‚Konstanz‘ das wohl am besten passende Attribut zur Umschreibung des Bandfünfers, der jetzt mittlerweile seit 1993 mit Ken Block, Drew Copeland, Ryan Newell, Jett Beres und Mark Trojanowski in unveränderter Formation besteht, ist, erscheint der bewusste Schwenk zum Countryrock zunächst doch ein wenig überraschend. Auffällig dabei die gute Planung: Es wurden einige der erfahrenen und erfolgreichen Songwriter aus Nashville, wie u.a. Ashley Gorley, Chris de Stefano, Tom Douglas, Hillary Lindsay, Gordie Sampson angeheuert und mit dem Steel-Virtuosen Steve Hinson, Barry Dean, Darius Rucker, Jillian Jaqueline Nashville-erprobte Musikerkollegen mit eingebunden.

Bandmitglied und Multiinstrumentalist Ryan Newell (Lead guitar, acoustic guitar, banjo, mandolin, dobro) hat eh alle spielerischen Voraussetzungen und die Stimmen von Ken Block und Drew Copeland (auffällig: mittlerweile sind sie fast gleichberechtigt singend) sind als Allrounder in nahezu allen Genres höchst ansprechend einsetzbar. Somit konnte eigentlich kaum etwas schief gehen. Selbstredend, dass sich natürlich auch die gewohnten Westcoast-, Southern Rock-, Pop-, Folk- und Rootsrock-Elemente in den Songs partiell immer wieder finden. Die Gesamtmischung passt einfach ideal. Produzent Chip Matthews hat darüber hinaus mit den Musikern ein äußerst angenehmes, warmes Soundambiente geschaffen. Mit 14 neuen Liedern wurde zudem auch nicht auf Sparflamme gefahren. Schon der herrlich, mit wundervoller, surrender Slide durchzogene Opener „Fall Off The Map“ lässt es dem etatmäßigen Sister Hazel-Fan richtig warm ums Herz werden. Was für eine knackige, traumhaft melodische Hammer Countryrock-Nummer. Da sind wieder Blocks markante Stimme, die tollen Harmoniegesänge im Zusammenschluss mit einer herrlich flockigen Instrumentierung und diesem unwiderstehlichen Ohrwurm-Charakter.

Auch das folgende, von Drew Copeland und Ken zusammen vorgetragene „That Kind Of Beautiful“ (mit zwei starken E-Gitarren-Soli) steht dem Vorgänger in nichts nach. Richtig hitverdächtig ist der „Karaoke Song“, bei dem Darius Rucker (einstiger Frontmann der Sister Hazel durchaus verwandten Band Hootie & The Blowfish, mittlerweile solo selbst ein Star der Szene) und Ken Block ein Duett der Extra-Klasse abliefern. Ein eingängiger, fröhlicher „Sing-A-Long“-Track, der gerade im Sommer auf keiner Party (ob mit oder ohne Karaoke-Darbietungen) fehlen sollte. So richtig countrylastig wird es bei „Kiss Me Without Whikey“. Block kannf sich mit launigem Sprechgesang zu flotten, Retro-beschwingten E-Gitarren und klimperndem Piano so ein wenig in Bakersfield-Sphären beweisen. Drew Copeland darf sein Faible für Piano-Herz/Schmerz- Balladen auf „Almost Broken“ ausleben. Unterstützung erhält er dabei von der bezaubernd singenden Jillian Jaqueline. Das waltzartige „Take It With Me“ hat ein wenig Ähnlichkeit mit Blackberry Smokes schönem Countryschwofer „One Horse Town“.

Die erste Single „We Got It All Tonight“ (komponiert vom Nashville-Erfolgsautorentrio Chris DeStefano, Ashley Gorley und Rodney Clawson) ist dagegen ein wenig auf die Bedürfnisse der Charts zugeschnitten, aber richtig klasse. Vermutlich ein erster Test, wie Sister Hazel vom Nashville-Markt angenommen werden. „Danger Is Real“ wird von einer großartigen Mandoline untermalt, mit „Prettiest Girl At The Dance“ folgt ein grandioser Ohrwurm in allerbester Eagles-Manier, und zwar zu deren besten Zeiten, zudem auch an der Schnittstelle zur Marshall Tucker Band und den Outlaws zu „Hurry Sundown„-Zeiten gelegen. Toll!! Ein wenig früheres Poco-Flair verbreitet das mit Mandoline und Dobro versehene „Thoroughbread Heart“, das wieder ganz in Zeichen Newells instrumentellen Könnens steht, während das mit großartigem Banjo unterlegte „Run Highway Run“ als so etwas wie der legitime Nachfolger des einstigen Eagles-Klassikers „Already Gone“ durchgeht. Herrlich!

„Back To Me“, von einer markanten E-Gitarren-Hook sowie Hinsons weinender Steel umgarnt, bietet dann zu Blocks einzigartiger Stimme typisches Sister Hazel-„Wellness-Programm“. Am Ende überzeugt das dezent keltisch gewürzte, von einer sirenenartigen Fiddle angeführte „Ten Candle Days“ aus der Feder von Jett Beres schließlich in Sachen „Team-Spirit“. Die Country-typischen Saiteninstrumenten musizieren und es hört sich so an, als wenn hier auch Newell und Beres gesangstechnisch mit eingebunden wären. Typischer Front Porch- oder lagerfeuertauglicher, schön traditionell gehaltener Country.

Insgesamt ein ganz exzellentes Album von Sister Hazel. Man wünscht dem Quintett von ganzem Herzen, dass „Lighter In The Dark“ auch von entsprechendem kommerziellen Erfolg gekrönt sein wird. Das hätten sie wirklich verdient. Ein äußerst geschmackvolles Cover-Artwork mit allen Texten rundet dieses einfach wunderschöne Werk in passendem Rahmen ab. Gratulation Sister Hazel! Ein echter Lichtstreifen an Nashvilles Counttryrock-Horizont!

Rock Ridge Music/Croakin‘ Poet Records (2016)
Stil: New Country

01. Fall Off The Map
02. That Kind Of Beautiful
03. Karaoke Song (feat. Darius Rucker)
04. Something To Believe In
05. Kiss Me Without Whiskey
06. Almost Broken (feat. Jillian Jacqueline)
07. Take It With Me
08. We Got It All Tonight
09. Danger Is Real
10. Prettiest Girl At The Dance
11. Thoroughbred Heart
12. Run Highway Run
13. Back To Me
14. Ten Candle Days

Sister Hazel
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Bärchen Records

Jimmy Cornett And The Deadmen – 16.10.2015, Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

Der zugezogene Hamburger, der tatsächlich aussieht, als ob er aus einer düsteren Hafenspelunke entsprungen wäre, und seine toten Männer gaben am 16.10.2015 im Zentrum Altenberg ein authentisches Stelldichein, nachdem zuvor die sympathischen Silverettes den Gig als Support eröffnet hatten.

Vermutlich dem typisch norddeutschen Sauwetter mit strömendem Dauerregen geschuldet, fanden sich in der Oberhausener Industrie-Kultstätte nur knapp 100 Leute ein. Im Gepäck hatte der Vierer, bestehend aus Jimmy Cornett (Lead vocals, acoustic guitar), Dennis Adamus (Lead guitar), Thomas Raabe (Drums) und Frank Jäger (Upright bass) sein neues Werk „The Ride“, aus dem dann auch schwerpunktmäßig Tracks wie „Devil Got My Soul“, „For The Ride“, „Guardian Light“, „Raise The Dust“ sowie einige gelungene Coverversionen (klasse: „One Horse Town“ von Blackberry Smoke) vorgestellt wurden.

Dem äußerst trink-, tanz- und feier-freudigen Publikum wurde ein unterhaltsamer rauer und erdiger Abend voller Country, Rock, Southern Rock sowie dezenten Rockabilly-Zutaten geboten, bei dem das Quartett um seinen charismatischen Fronter Jimmy Cornett vollends überzeugte.

Jimmy Cornett And The Deadmen sollte man live gesehen haben!

Jimmy Cornett And The Deadmen
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Zentrum Altenberg

Steve Lukather & Band – 26.03.2009, Zeche, Bochum – Konzertbericht

Eigentlich ist es eher einem Zufall, bzw. meiner bekannten Passion für den Southern Rock zu verdanken, dass meine bessere Hälfte und ich diesem Konzertabend beiwohnten. Das klingt zunächst im Kontext mit Steve Lukather etwas merkwürdig, ich bemühe mich aber das Rätsel in den nächsten Zeilen aufzulösen.

Ich bin mir zwar relativ sicher, dass ich bereits durchaus Berührungspunkte mit Steve Lukather hatte (vermutlich aber eher unbewusst, d.h. in meiner Plattensammlung, insofern, dass dieser auf diversen Tonträgern anderer Interpreten mitgewirkt hat), aber von ihm selbst oder seiner allseits bekannten Band Toto ist in der Dausschen Sammlung Fehlanzeige zu vermelden. Der primäre Auslöser für den Besuch dieses Gigs war mein Kontakt zu Craig deFalco, Bandleader einer von mir sehr geliebten und hoch geachteten Southern Rock Band mit dem Namen Laidlaw, den ich vor geraumer Zeit mal für unser Magazin interviewt hatte. Hä, werden viele jetzt denken, spinnt oder halluziniert der Daus jetzt endgültig.

Nein, denn jetzt kommt die Auflösung: Dieser hatte mir in einem Mail-Kontakt offeriert, dass er mit Steve Lukather gut befreundet ist und aus diesem Grund als Gitarrentechniker für seine aktuelle ‚Ever Changing Times‘-Tour angeheuert wurde. Er hatte mir spontan angeboten, sich sowohl um Gästelistenplätze zu kümmern (was sich allerdings dank unserer netten Beziehung zu Underdawg-Promotion erübrigt hatte – danke an Sandra für die unkomplizierte Akkreditierung), als auch nach dem Konzert für ein kurzes Pläuschchen zur Verfügung zu stehen.

So besorgte ich mir zur Vorbereitung schnurstracks Steves aktuelles Album. Nach vier bis fünf Hördurchgängen begann der Silberling allmählich immer besser zu gefallen, so dass sich dann auch eine gewisse Vorfreude aufs Konzert einstellte, obwohl eigentlich eh klar war, dass man in einen so anerkannten Musiker vom Kaliber eines Steve Lukather normalerweise auch blindes Vertrauen investieren kann.

Ein kleinen Dämpfer gab es dann doch. Bei meiner Recherche im Vorfeld hatte ich in einem Forum gelesen, dass Lukather beim Gig auf der Burg Satzvey angeblich einen schlechten Tag erwischt haben sollte, der Funke zum Publikum wäre einfach nicht über gesprungen. An diesen Abend im verregneten Bochum (übrigens Lukathers einziges Konzert in NRW), um es vorwegzunehmen, war aus meiner Sicht zumindest nach nichts davon zu spüren. Ganz im Gegenteil. direkt beim Opener „Crooked“ / „Twist“ wurde richtig straight geradeaus und gut gelaunt gerockt, wobei Steve erste filigrane Fingerübungen an seinem Arbeitsgerät (dem von Anfang an beeindruckt wirkenden und gut mitgehendem Publikum) ablieferte.

Die nächsten rund zwanzig Minuten standen dann ganz im Zeichen des neuen Albums. Mit „Ever Changing Times“ (herrlich melodisch dargeboten), „How Many Zeros“ (mit fetter Gitarrenpassage) und „Stab In The Back“ (inkl. Wah Wah-Gitarre gegen Ende) gab es eine ordentliche Dosis, die nur zwischenzeitlich vom ebenfalls recht geradlinig rockenden „Live For Today“ (glänzendes Lukather-E-Solo) unterbrochen wurde. Steve merkte man an, dass er sich in der rappelvollen Zeche sichtlich wohl fühlte. Er lächelte und gab sich sogar recht redselig, nippte am vom Publikum gereichten Bier und verteilte ein Küsschen an Craig deFalco (stellte ihn auch kurz vor), der den ganzen Abend dank Lukathers munterer Gitarrenwechselei Schwerstarbeit zu verrichten hatte . Es folgte eine humorvolle Anekdote bezüglich seines Sohnes Trevor, der ja bereits auch auf musikalischen Pfaden waltet und in „Ever Changing Times“ mit involviert war.

Im weiteren Verlauf wurde dann der Fokus mehr auf ausgedehntes Jammen und Improvisieren gelegt, wobei sich Steves Begleitmannschaft nach und nach auch ausgiebig in den Vordergrund spielen durfte. Zum Piepen dabei Bassist Carlitos Del Puerto, der mit obercooler Sonnenbrille einem Zwillingsbruder von Lenny Kravitz gleich kam. Alles gipfelte dann in einem munteren Instrumentenwechsel. Lukather übernahm das Keyboard, Steve Weingart wurde zu einem (richtig guten) E-Solo verdammt, und Drummer Eric Valentine bekam bei seinem intensiven Solo sogar die Augen verbunden. Auch der zweite Gitarrist, Ricky Z., erhielt ausreichend Gelegenheit, einige E-Läufe und recht gute Harmoniegesänge einzustreuen.

Nach Zweieinviertelstunde wurde mit dem dezent karibisch anmutenden „Hero With 1000 Eyes“ (inkl. Oohooh-Mitgesang des Publikums) der Hauptset beendet. Die unweigerlich folgenden Zugaberufe wurden mit einer eigenwilligen Lukather-Interpretation des Pink Floyd-Klassikers „Shine On You Crazy Diamond“ belohnt. Mit „Road Goes On“ ließ Steve dann mit einer reinen Solo-Performance akustisch einen hervorragenden und abwechslungsreichen Abend ausklingen, der keine Wünsche offen ließ, sofern man nicht mit dem Anspruch gekommen war, zahlreiche Toto-Klassiker serviert zu bekommen.

Mir, dem genrefremden Rockfan hat das Konzert jedenfalls großen Spaß bereitet und ich bin froh einem solchen Gitarrenkünstler mal live beigewohnt zu haben. Am Ende gab es noch den verabredeten Small Talk mit Craig deFalco, der einen äußerst netten und sympathischen Eindruck hinterließ. Er besorgte mir sogar die Setliste und reichte noch einige Original-Lukather-Plektrons. Craig verriet mir, dass der neue Laidlaw-Silberling in ca. zwei Monaten fertig sein soll und auch mit Lukather-Beteiligung aufwarten kann. Also, insgesamt ein runder Abend, der mir im Gedächtnis haften bleiben wird und mit eindeutiger Besuchsempfehlung für die noch folgenden Lukather-Gigs endet.

Steve Lukather
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Frontiers Records
Zeche Bochum
Underdawg-Promotion

King King – 11.09.2015, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Manch einer unserer Leser mag sich fragen, was eine britische Blues Rock-Formation in einem Magazin zu suchen hat, das mit seinem Namen eine Affinität zu Südstaaten Rock-Musik aus den Staaten proklamiert. Sicherlich berechtigt solcher Gedanke, aber ich bin durchaus der Meinung, dass Alan Nimmo aufgrund seines hervorragenden und variablen E-Gitarrenspiels (auch auf der Southern-typischen Gibson Les Paul) durchaus in unseren Kreisen von vielen Sympathisanten wohlwollend akzeptiert werden wird. Außerdem begibt er sich, besonders, wenn er mit seinem Bruder Stevie als die Nimmo Brothers firmiert, mit so mancher Cover-Nummer (u.a. furiose Version von „One Way Out“) gerne auch mal in diese Gefilde. Alan ist also zweifelsfrei einer von ‚Uns‘.

Der Auftritt von King King im Yard Club trug dann auch zu einem rundum gelungenen Abend bei. Endlich mal kein Stau auf der Fahrt von Essen in die Domstadt, der aufmerksame Parkplatzwächter sorgte mit scharfem Augenmaß dafür, dass auf dem kleinen Parkplatz ein Optimum an Ausnutzung erreicht werden konnte (er hatte vermutlich Lineal und Wasserwaage zu Hause liegen lassen…). Unproblematischer Einlass (danke an Dani von Goodtime Booking und Marcus vom Club) und mit kleiner Verspätung läutete Alan Nimmo (Lead vocals, guitar) und seine Mitstreiter Lindsay Coulson (bass), Wayne Proctor (Drums, vocals) und Bob Fridzema (Keys, vocals) einen schweißtreibenden, aber vor allem hervorragenden Gig ein.

Nach der starken Eröffnung mit „Lose Control“ vom Debüt wurde natürlich das neue brandaktuelle Album „Reaching For The Light“ mit Nummern wie u. a. dem groovigen “Waking Up“, meinem Lieblingslied “You Stopped The Rain“ (mit saustarken E-Soli), dem in Bad Co.-Style rockenden “Hurricane“ oder dem Whitesnake-angelehnten “Stranger To Love“ ausgiebig beackert. Grandios auch Stücke wie “More Than I Can Take“ oder das herrlich shufflige “Let Love In“ (klasse der cool pumpende Bass vom im Gentleman-Manier zupfenden Lindsey Coulson, dazu gab es ein stimmungsvolles Bridge, bei dem das Publikum Mitsinggelegenheit erhielt).

Was wären King King ohne ihre unter die Haut gehenden Balladen? Auf “Long History Of Love“, sowie dem Frankie Miller-Cover “Jealousy“ geizte der Schotte (Nimmo stammt ja aus Glasgow) weder mit einfühlsamen Soli noch ließ er es sich nehmen, sein gewaltiges Stimmpotential (für mich einer der besten Blues Sänger der heutigen Zeit – auch wenn in diesem Genre m. A. n. schon immer eine chronische Vokalschwäche herrschte…) zur Freude aller Besucher (der Club war ziemlich gut gefüllt) zu präsentieren. Auch Bob Fridzema nutze die Gelegenheit immer wieder, seine schon antik anmutende Hammond-Orgel gurgeln zu lassen.

Alles mündete dann mit der letzten Zugabe in das Paradestück des Vierers, “Old Love“, bekannter Maßen aus der Feder von Eric Clapton. Der traditionell im Kilt performende Nimmo holte noch mal alles aus seiner Kehle und der geschulterten Stratocaster heraus, ergreifend natürlich die leise, ’stromlose‘ Passage im langen Solo-Teil, bei der man im Auditorium eine Stecknadel hätte fallen hören. Schön, dass hier das fachkundige Publikum (überraschender Weise auch viele sehr junge Mädels und Burschen dabei) fast ehrfürchtig und respektvoll lauschte, statt ,wie so oft üblich, sich zu (Rein-) Quatschereien hinreißen ließ. Der krönende Höhepunkt zum Abschluss des knapp zweistündigen King King-Auftritts, der allseits zufriedene Gesichter zurück ließ.

King King alias Alan Nimmo & Co. sollte auf jeder Agenda (Präferenzen hin oder her) eines Rockmusik-begeisterten Konzertbesuchers stehen. Hier bekommt man für überschaubares Geld ehrliche, sympathische und hochqualitative Blues Rock-Kost geboten. Schade und typisch , dass bis jetzt dieser Sparte zugeneigte Locations wie der ABC-Keller oder der Schwarze Adler in meiner Gegend dieses famose Quartett bisher noch nicht auf ihrem Schirm hatten. In Köln auf jeden Fall ein grandioser Abend!

Line-up:
Alan Nimmo (Lead vocals, electric guitar)
Lindsay Coulson (Bass)
Wayne Proctor (Drums, backing vocals)
Bob Fridzema (Keys, backing vocals)

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Yard Club Köln
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Grainne Duffy – 27.10.2015, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Normalerweise hat mich die Stadt Leverkusen in meinem bisherigen Leben nur zu Spielen meiner geliebten Versagertruppe Rot-Weiss Essen gegen die heimische Werkself (wohlbemerkt natürlich nur gegen deren Amateurvertretung…) begrüßen dürfen. Obwohl ich ja fast Zeit meines Lebens auch im Rheinland wohne, fühlte ich mich eigentlich, nicht nur wegen meiner genetisch bedingten Fußballabnormität, doch eher zum Ruhrgebiet hingezogen. Nun fuhr ich an diesem herbstlichen Dienstagabend zum ersten Mal in musikalischer Angelegenheit in das aus vier Ortschaften zusammengewürfelte Pillendorf und mischte mich in der urigen und geschichtsumwobenen Kneipe topos zum Grainne Duffy-Gig unter die gleichgesinnten, überwiegenden rheinischen Frohnaturen.

Das topos ist ein ganz kleiner Raum, muss man fast schon sagen, bei dem der Thekenbereich auch noch fast die Hälfte der Örtlichkeit einnimmt. Wenn hier 80 Leute drin sind, kommt man sich vermutlich wie in einem indischen Überlandbus vor. An diesem Abend waren dann, inklusive mir, so ca. 30 Leute zugegen. Die sollten ihr Kommen auch nicht bereuen, denn sie erlebten einen tollen stimmungsvollen Gig, mit einer irischen Band, die sich voller Spielfreude und in Bestform präsentierte. Bandleaderin Grainne Duffy (lead vocals, guitars) und ihre Jungs (Paul Sherry – guitars, vocals; Eamon Ferris – drums; Paul McCabe – bass) spielten den Blues Rock ganz nach meiner Façon: Überwiegend modern und melodisch rockig, dazu immer mal wieder mit einem dezent unterschwelligen Country- und Southern Rock-Touch. Dazu kommt die tolle Stimme der hübschen Frontdame, ein Umstand, den ich bei den meisten Vertretern der Zunft oft vermisse.

Die zeigte sich vokal extrem variabel in Sphären von einer Sheryl Crow bis hin zu einer Röhre Marke Sass Jordan. Klasse! Was mir besonders gefiel, war das ebenfalls breit gefächerte Zusammenspiel sowie das Kombinieren von Paul Sherrys Stratocaster und Grainnes Gibson Les Paul. Dazu wechselten beide manchmal je nach Bedarf zur Akustikgitarre. Die Band präsentierte neben ein paar anderen Sachen natürlich so einige Stücke vom aktuellen „Live“-Album, hängen blieben vor allem die beiden fulminanten ‚Slow Bluese‘ „Good Love Had To Die“ und ihr unter die Haut gehendes Paradelied, das Etta James-Cover „I’d Rather Go Blind“, sowie das herrlich rhythmisch shuffelnde „Mountain To Climb“ (mein Favorit des Abends). Als Country- und Southern Rock- Fan kamen mir natürlich Tracks wie „Test Of Time“ und das fantastische „Time Is Not Enough“ bestens entgegen, gerade beim letztgenannten Lied kam man sich vor wie zur einstigen Rossington Collins Band-Zeit.

Angenehm auch das mit einem Reggae-Teint versehene „Sweet Sweet Baby“, knochentrocken dahin gerockt gegen Ende des zweiten Sets „Bad To Worse“. Der zierliche und schon doch ein wenig betagt wirkende topos-Besitzer Wolfgang Orth (eine echte Legende und Institution im Ort, wie ich aus Zeitungsberichten an der Außenwand-Vitrine des Gebäudes vernehmen konnte), war nach dem Ende des Hauptteils von Grainnes Performance so angetan, dass er sich bei Grainne mit einer Schar von Handküssen bedankte und auf die Bühne trat, um die Zuschauer zu noch stärkeren Zugabe-Rufen zu animieren. Fast völlig außer Kontrolle geraten, offenbarte er seine anhaltende Gänsehaut und geriet dabei so ins Schwärmen, dass sein Atem immer schwerer wurde. Man muss da fast von Glück sprechen, dass da gerade keine Viagra in unmittelbarer Griffbereitschaft lagen, aber seine geliebte Frau Ingrid war ja letztendlich auch noch zugegen… So blieb es dann doch nur bei einem liebevollen Zitieren der Protagonistin auf die Bühne.

Der ausgiebige Zugabenteil bestand dann u. a. aus einer interessanten Interpretation von Bob Dylans „I Shall Be Released“ und einer brandneuen rockigen Nummer namens „Black And White“. Nach über zwei Stunden Spielzeit ging ein begeisternder Gig zu Ende (übrigens auch bei toll und genau richtig abgemischten Sound), bei dem nur restlos zufriedene Zuschauer zurückblieben, die es sich danach natürlich nicht nehmen ließen, sich mit den mitgebrachten Merchandise-Artikeln einzudecken und diese von Grainne signieren zu lassen. Ich hatte dann noch die Gelegenheit, bei einem Bierchen an der Theke, ein paar Worte mit Paul Sherry zu wechseln.

Fazit: Das Grainne Duffy-Konzert an diesem Abend in Wohnzimmeratmosphäre zählt neben dem King King-Auftritt im Yard Club eindeutig zu meinen persönlichen Highlights des Jahres 2015. Diese sympathische Dame und ihre tolle Band werde ich sicherlich nicht zum letzten Mal live gesehen haben!

Grainne Duffy
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Topos Leverkusen