Steve Earle & The Dukes – So You Wannabe An Outlaw (Deluxe) – CD/DVD-Review

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Review: Michael Segets

Steve Earle lotet in seinen Werken die Grenzen verschiedener Spielarten des Country aus und unternimmt immer wieder Ausflüge in Richtung Rock und Folk. Er setzt in seinen Alben unterschiedliche Schwerpunkte und konzipiert sie zumeist um diese herum. Die Grundidee von seinem 21. Album „So You Wannabe An Outlaw“ liegt darin, die Facetten seiner musikalischen Einflüsse auf einer Scheibe darzustellen.

Herausgekommen ist dabei eine CD, die die Bandbreite Steve Earles zwar wiedergibt, insgesamt aber einen deutlichen Schwerpunkt auf seine Country-Wurzeln legt. Er besinnt sich auf seine Anfänge, die von der Outlaw Music geprägt sind, wobei er sich auf dem vorliegenden Album vor allem an Waylon Jennings orientiert, dem es auch gewidmet ist. Standesgemäß wurde es in Austin, Texas, aufgenommen und von Richard Bennett produziert.

Das titelgebende Duett „So You Wannabe An Outlaw” mit der Outlaw-Country-Ikone Willie Nelson eröffnet die CD. Die beiden übernehmen zunächst jeder für sich eine Strophe des kratzigen Country-Songs, um die dritte dann gemeinsam zu singen. Mit „Lookin‘ For A Woman“ folgt ein weiteres Country-Stück, das mit dem gleichmäßigen Rhythmus dazu einlädt, sich aufs Pferd zu schwingen und Steve Earle auf seiner Suche zu begleiten. Der Ritt wird bei „The Firebreak Line“ dann etwas schneller, wobei Earles markante Stimme besonders gut zur Geltung kommt. Den dort eingeschlagene Weg in Richtung Country-Rock verfolgt das starke „If Mama Coulda Seen Me” konsequent weiter.

Das absolute Highlight der CD ist aber „Fixin‘ To Die“. Es ist schon eine Weile her, dass Earle eine so kraftvoll rausgeschriene und dunkle Rock-Nummer veröffentlicht hat. Thematisch greift er die Todesstrafe auf, gegen die er sich bereits bei früheren Songs aussprach, so beispielsweise auf dem Soundtrack zu „Dead Man Walking“. Dabei hat ihm das soziale und politische Engagement seiner Songs in der USA immer wieder Kritik eingebracht.

Seine Folk-orientierte Seite zeigt Earle bei den akustisch gehaltenen „News From Colorado“ und „The Girl On The Mountain”. Unter den Balladen ist „Goodbye Michelangelo“ jedoch besonders bemerkenswert. Earles knarziger Gesang transportiert hier viel Gefühl. Das Stück ist im Andenken an seinen Mentor, den kürzlich verstorbenen Guy Clark, geschrieben.

Mit Miranda Lambert singt Earle „This Is How It Is“. Auf seinen Alben finden sich gelegentlich Duette mit weiblichen Gesangspartnern. Im letzten Jahr veröffentlichte er sogar einen Longplayer zusammen mit Shawn Colvin.

Bei „You Broke My Heart” und „Walkin´ In LA”, einem Duett mit Johnny Bush, orientiert sich Earle am traditionellen Country der fünfziger Jahre. Der Twang und der übermäßige Einsatz von sanfter Geige und wimmerndem Pedal Steel sind nicht mein Fall. „Sunset Highway“ ist diesbezüglich noch im Toleranzbereich.

Auf der LP und der Deluxe-Edition der CD finden sich vier weitere Songs mit denen Earle seine musikalischen Vorbilder würdigt. „Ain’t No God In Mexico“ stammt aus der Feder von Billy Joe Shaver, „Sister’s Coming Home/Down At The Corner Beer Joint“ und „Local Memory” aus der von Willie Nelson. Den Abschluss bildet der Klassiker „Are You Shure Hank Done It This Way” von Waylon Jennings.

Da keines der Stücke die vier Minuten-Marke erreicht, liegt die Gesamtspielzeit bei 50 Minuten, die der Standard-CD ohne die Bonus-Tracks bei unter 39 Minuten. Die DVD der Deluxe-Edition umfasst ein „Making Of“ des Albums, das Video des Titelsongs sowie Track-by-Track-Kommentare von Earle, bei dem die Lieder kurz angespielt und dann von ihm erläutert werden.

Insgesamt liefert das Werk einen guten Überblick über Steve Earles vielfältiges musikalisches Schaffen. Daher dürfte für jeden Freund von Rootsmusik etwas dabei sein und dazu anregen, seine früheren Veröffentlichungen (nochmal) zu durchforsten. Die von mir favorisierte rockige Spielart des Country kommt etwas zu kurz, dennoch zeigt Earle beeindruckend, dass er diese immer noch beherrscht.

Warner Bros. Records (2017)
Stil: Country/Country Rock

CD:
01. So You Wannabe An Outlaw
02. Lookin‘ For A Woman
03. The Firebreak Line
04. News From Colorado
05. If Mama Coulda Seen Me
06. Fixin‘ To Die
07. This Is How It Ends
08. The Girl On The Mountain
09. You Broke My Heart
10. Walkin‘ In LA
11. Sunset Highway
12. Goodbye Michelangelo
13. Ain’t No God In Mexico (Bonus)
14. Sister’s Coming Home/Down At The Corner Beer Joint (Bonus)
15. Local Memory (Bonus)
16. Are You Sure Hank Done It This Way (Bonus)

DVD:
1. The Making Of The Album
2. “So You Wannabe An Outlaw” – Official Video
3. Steve Earle: Album Track-by-Track Video Commentary

Steve Earle
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Bärchen Records