Greg Nagy – Just A Little More Time – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

„Just A Little More Time“ ist bereits das fünfte Studioalbum von Greg Nagy, das wie gewohnt von seiner ausdrucksstarken Stimme und seinem Gitarrenspiel geprägt wird. Bei ihm verschmelzen die Grenzen zwischen Blues, Soul, R&B und Rock. Beeinflusst wurde der Mann aus Michigan – der in den USA schon lange kein Geheimtipp mehr ist – von zwei der drei „Kings Of The Blues“, B.B. und Albert (der dritte wäre Freddie), und dem Soulsänger Donny Hathaway.

Es gibt Songs, da genügt ein Ton, um zu wissen, in welche Richtung es geht. So fängt das Titelstück mit „souligen“ Bläsern an. In diesem entspannten Midtempo-Soul versucht Greg, seiner Angebeteten eindringlich klarzumachen, dass er der Richtige für sie ist. Hoffen wir mal, dass es geklappt hat…

Als nächstes folgt einer von fünf Covern. „It Hurts To Love Someone“ von Eddie „Guitar Slim“ Jones ist eine geschmeidige Mischung aus Soul und Blues, getragen von Gregs Gesang. „Breaking Me (But Making Me A Better Man)“ wird instrumental von den Keyboards dominiert – der Titel allein drückt schon aus, um was es geht.

Ein Song, mit dem man wohl kaum gerechnet hat, ist Alice Coopers „Only Women Bleed“. So müssen sich Cover anhören: Man kann das Original im Ohr haben, ohne immer darin erinnert zu werden. Soll heißen: Greg Nagy drückt dem Song seinen eigenen Stempel auf. Apropos: „Rainy Night in Georgia” (Tony Joe White, das in der Version von Brook Benton zum Hit wurde), Sugaree” (Grateful Dead) mit einem bluesigen Touch und „In The Mood For Love” (John Lee Hooker) sind weitere Cover.

Bei „In The Mood…“, live aufgenommen und fast zehn Minuten lang, sagt der Name des Komponisten schon alles: ein astreiner Blues, zuerst von den Orgelklängen getragen, die stark an Al Kooper erinnern, zum Beispiel bei der „Super Session“ mit Mike Bloomfield und Stephen Stills, ehe dann die ausgiebige Gitarre zum Höhepunkt des Songs steuert.

„Love Letter“, ein Instrumental, beim dem Bobby Murray, der 23 Jahre in der Band der großen Etta James spielte, die Gitarre beisteuert, schüttet eine Prise Funk aus, aber nur so viel, dass Musikliebhaber, die mit diesem Genre nichts anfangen können, nicht gleich das Grauen kriegen.

Auch wenn Greg Nagy schon lange im Geschäft ist, kennt ihn in Deutschland kaum einer. Wer musikalisch gern mal auf Entdeckungsreise geht, sollte dem Singer-Songwriter eine Chance geben.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Soul, Blues

Tracks:
01. Just A Little More Time
02. It Hurts To Love Someone
03. Breaking Me (But Making Me A Better Man)
04. Between The Darkness And The Light
05. Love Letter
06. My Buddy
07. Only Women Bleed
08. Big City
09. Rainy Night In Georgia
10. Sugaree
11. I’m In The Mood

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Greg Nagy – The Real You – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Greg Nagy ist ein vielseitiger Musiker, dessen Songwriting, Gesang und Gitarrenspiel zu einem erfrischend ehrlichen Sound zusammenfinden, wobei er Elemente aus Soul, R&B, Rock und Gospel miteinander mischt. So auch auf seiner Debütveröffentlichung „Walk That Fine Thin Line“, dem Nachfolgealbum „Fell Toward None“ und seinem dritten Werk „Stranded“. Bemerkenswert ist, dass Nagy seine Messlatte von Album zu Album immer etwas höher gehängt hat und diese nun in seinem neuesten Oevre „The Real You“ bereits verdammt hoch hängt. Es ist ein 11 Stücke umfassendes, sehr abwechslungsreiches Album, das man so schnell nicht leid wird. Vielen Songs gemein ist, dass sie mit präzisen und teils nostalgisch wirkenden Bläsersätzen aufwarten, gleichwohl aber auch Gitarrenlicks im Chicaostyle-Blues einbinden.

Nagy eröffnet sein Werk mit einem gefälligen, souligen Popsong namens „The Real You“, in dem bereits hier leicht nostalgische Bläsersätze ein tragendes Gerüst bilden. Mit dem Folgestück „Mississippi Blues“ setzt er sodann einen starken Kontrapunkt in Form eines gefühlvollen Deltablues mit Akustikgitarre und Mundharmonika. Ruhig fließt auch der Song „Crazy“ dahin, ein verträumter, balladesker Slowblues mit 70ger Jahre-Charme. Kangvolle Keyboardteppiche wabern durch den Chicagoblues „Never Mine“. Mit „Come To Poppa“ folgt ein recht heavy-rockiger Blues, dessen Stil von kräftigem Gebläse mit jaulender Gitarrenuntermalung geprägt ist. Dann wieder ruhige Töne: der Beatles-Klassiker „Something“ in neuem Gewand, hier als Duett mit der Sängerin Thornetta Davis.

„Cornell Ala King“, ein flotter, eingängiger Instrumental-Shuffle, weckt anschließend den dahingeschmolzener Zuhörer wieder auf, um ihn dann in den balladesken Midtempoblues „Baby, What Took Your Love Away From Me“ zu entlassen. Das für mich interessanteste Stück auf der Scheibe ist aber der Titel „Where Do We“, das mit analogem Vinylgeknister beginnt und zu dem sich der verkratzte Sound einer Akustikgitarre gesellt. All das geht schließlich in einen schönen Southernblues mit viel Charme über. Das Album endet hernach mit zwei Slowbluesnummern. In „All I Need (Is You)“ bespielt Nagy seine Akustikgitarre im Fingerpickingstyle und mit „The Joke“ klingt die CD, getragen von Pianoklängen und dezenter Percussionuntermalung, aus.

Greg Nagy dürfte hierzulande wohl noch nicht so bekannt sein, aber mit „The Real You“ wird sich das sicherlich schnell ändern. Der Longplayer ist stilistisch und musikalisch sehr abwechslungsreich und macht beim Hören so richtig Spaß, ohne auf die Dauer langweilig zu werden. Greg Nagy dürfte hierzulande noch ein Geheimtipp sein, nichtsdestotrotz gibt es von mir für seinen Silberling eine dringende Kaufempfehlung.

Eigenproduktion (2024)
Stil: (Soul) Blues

Tracks:
01. The Real You
02. Mississippi Blues
03. Crazy
04. Never Mine
05. Come To Poppa
06. Something
07. Cornell Ala King
08. Baby, What Took Your Love Away From Me
09. Where Do We
10. All I Need (Is You)
11. The Joke

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