Greyhound Soul – Alma de Galgo – CD-Review

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Es gibt immer wieder CDs, die einen sofort in ihren Bann ziehen, eine Art Liebe auf den ersten Blick. So auch bei Greyhound Souls zweitem Werk „Alma de Galgo“, die wohl spanische Übersetzung dieses Namens. Benannt nach einem Graffiti an einer Busstation in Tuscon, Arizona, der Heimatstadt und Hochburg des Desert-Rocks, bietet die 1994 formierte Band eine zeitlose Musik, die dazu einlädt, sich zurückzulehnen, die Seele baumeln zu lassen oder einfach entspannt zu genießen.

Greyhound Soul steht und fällt mit ihrem Frontmann Joe Peña. Ausgestattet mit einer einzigartigen, whiskygetränkten, rauen, zum Teil krächzenden Stimme – Tom Waits oder Roger Chapman lassen grüßen – verleiht er den Songs der Gruppe das gewisse Etwas, die er als Drummer für eine frühere Band geschrieben hat und die das Leben seiner Familie reflektieren sollen.

Fast alle Lieder sind, ähnlich wie bei Neil Young, sowohl in akustischen, als auch elektrischen Versionen kompatibel. Nach ihrer Debut-CD „Freaks“ im Jahr 1996, räumt die Band zwei Jahre später gleich 4 Tammies (Tuscon Area Music Awards) für die beste Rock’N’Roll- sowie Alternativ Band, als auch für den besten Gesang (Joe Peña) und Gitarristen (Jason DeCorse) ab.

Nicht nur die Kritiker sind begeistert, sondern auch die Leser des Tuscon Weekly wählen Greyhound Soul kurze Zeit später zur besten Band Tuscons. Fortan tourt man mit Acts wie J.J. Cale, Jason Bonham, den Beatfarmers und anderen durch die Staaten. Über die beiden Alben lässt sich Joe Peña wie folgt aus. Beim Debut ging noch alles seinen vorher bestimmten Gang. Alles war bezahlt und es passierte, wie es vertraglich geregelt war. Zu viele Leute waren involviert und pressten uns in ein Korsett.

Jetzt haben wir eine CD gemacht, weil wir es wollten und nicht weil uns irgendjemand dazu gepuscht hat. Wir hatten einfach unseren Spaß daran und sind sehr stolz auf das Ergebnis. Es ist wirklich eine tolle Scheibe geworden, die wir unseren treuen und begeisterungsfähigen Fans widmen wollen.

Und in der Tat, die CD bietet durchweg wunderschöne, melodische und radiotaugliche Songs, zum Teil mit Hit-Potential, in einer sehr variablen Form dargeboten. Mal mit viel Groove („Love Don’t Rain“), mal sehr relaxt mit akustischen Gitarren und klarem Piano, Joe Peñas Stimme tragend („Nothin'“ / „Alligator Face“ / „Hold My Heart“), manchmal durch energische Slide-Gitarren unterbrochen („Whole“ / „I’ll Never Know“).

Die Scheibe enthält dann, hinter Stück 10 nach zwei Minuten Pause, noch zwei einsetzende Hidden-Tracks. Das recht kurze, nichtssagende Instrumental „El Conejo“ und das relativ übertrieben lang geratene, Jam artige Stück „Restless Heart“ (?), das eher recht langweilig, mit kurzen Gitarrenaufhorchern, dahinschleicht, so dass man sicherlich über Sinn und Zweck dieser versteckten Lieder diskutieren kann. Aus meiner Sicht wäre hier Weniger eher Mehr gewesen, was aber das ansprechende Gesamtergebnis nicht trüben soll.

P.S.: Wo man schon mal beim Name „Greyhound“ ist, möchte ich noch ein paar kurze, bedenkenswerte Worte über die Situation dieser eleganten Vierbeiner loswerden. Jährlich zu Tausenden in Irland, unter für Lebewesen unwürdigen Bedingungen, für Hunderennen herangezüchtet und solange toleriert, wie sie Profit einbringen. Danach, wenn sie Glück haben, erschossen, aber meistens nach Spanien weiterverkauft, in Erwartung noch größerer, unvorstellbarer Qualen. Daher täte man der „Seele“ dieser Hunde sicherlich einen großen Gefallen, Stadien und die damit verbundene Industrie zu boykottieren.

808 Records (2001)
Stil: Desert Rock

01. Love Don’t Rain
02. Roll On
03. Nothin‘
04. Alligator Face
05. Walk Away
06. Hold My Heart
07. Shoes
08. Whole
09. I’ll Never Know
10. Love Me Bad (+ 2 Hidden Tracks)

Greyhound Soul
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