Todd Snider – My Second Rodeo – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Herbst scheint ganz im Zeichen von posthum veröffentlichten Alben zu stehen. Der aufbereitete Nachlass von Travis McKeveny liegt bereits vor, angekündigt ist „Diamonds“ bei dem Shooter Jennings Songs seines Vaters Waylon herausgibt. Nun schiebt sich „My Second Rodeo“ von Todd Snider dazwischen. Joe Bisirri und Robbie Crowell nahmen sich den letzten Aufnahmen von Todd Snider an, der jetzt sechzig geworden wäre.

2025 veröffentlichte Snider mit „High, Lonesome And The Some” ein bluesorientiertes Konzeptalbum, das von vielen Kritikern gelobt wurde, aber an einigen Stellen recht spröde erscheint. Direkt im Anschluss hatte er einen kreativen Flow und arbeitete an neuem Material. Der nun vorliegende Longplayer war nach Einschätzung von Bisirri zu zwei Dritteln fertig, als Snider überraschend starb. Dass das Fundament für das Werk bereits gelegt wurde, hängt auch mit der Arbeitsweise von Snider zusammen. Er nahm die Songs alleine mit seiner Gitarre ohne weitere Begleitung auf, die dann nachträglich von der Studioband aufgefüllt werden sollten. Bisirri und Crowell versuchten nun die Arbeit ganz im Sinne Sniders weiterzuführen, indem sie seine Anmerkungen und Notizen zu den Stücken berücksichtigten.

Bereits fertig war „(I Got That) Déjà Vu“, das Snider vor Jahren zusammen mit Billy Joe Shriver geschrieben hatte. Gemeinsam mit Jack Ingram entstand „Solid Country Gold“, das den Anfangspunkt des Albums markierte. Die kritische Auseinandersetzung mit der Country-Music steht bei der ersten Single oder auch beim Titeltrack im Mittelpunkt. Vom Country distanzierte sich der Songwriter bereits auf seinen letzten Werken. Zum Blues mischen sich auch jazzige Komponenten („Can Your Monkey Do The Splits?“) hinein.

„The Manifesto“ und „One Nation Under Fire“ weisen nahezu den gleichen Text auf. Beim letztgenannten gibt das Schlagzeug den Ton an, wodurch sich die Varianten dann doch deutlich voneinander unterscheiden. Fast durchgängig begleiten Bläser (Emmanuel Echem und Roy Agee) die Songs – mal mehr, mal weniger dominant. Häufig setzen Background-Sängerinnen, unter ihnen erneut Brooke Gronemeyer, Akzente. Eine Ausnahme bildet das abschließende „The Moon Tonight“, das Snider solo a cappella in seinem typischen Sprechgesang darbietet. Ebenso typisch für ihn ist der „Stoner Yodel Number 3 (Give Me A D For Gym Class)“, wie schon die Nummerierung andeutet.

Der Track, der mich am stärksten anspricht ist der Opener „Freewheelin‘ (Every Day At A Time“). Ein ruhiger, harmonischer Song, der in seinem Verlauf an Intensität zulegt. Über ihn sagt Bisirri, dass er auch als Abschiedsbrief Sniders verstanden werden könnte. Das Andenken an Snider wurde diesen Sonntag mit einem Geburtstagskonzert in Nashville gefeiert. Bei der kostenlosen Open-Air-Veranstaltung traten die „Eastside Bulldogs“, einem Bandprojekt Sniders unter anderem mit Elizabeth Cook, und viele befreundete Musiker wie Hayes Carll auf.

Mit „My Second Rodeo“ liegt nun ein vollwertiges Album von Todd Snider vor, das nicht aus B-Seiten oder Outtakes zusammengestellt wurde, sondern seine letzten Arbeiten dokumentiert. Von langjährigen Mitstreitern im Geiste des Songwriters vollendet, knüpft es an dessen vorherigen Werke der 2020er an. Snider hat sich kaum um Konventionen geschert und kommentierte in seinen Songs mit scharfer Beobachtungsgabe sowie spitzem Humor soziale Missstände und persönliche Umstände. In diesem Sinne bleibt er für die nachfolgende Singer/Songwriter-Generation ein Orientierungspunkt.

Aimless Inc. – Thirty Tigers/Open (2026)
Stil: Singer/Songwriter

Tracks:
01. Freewheelin’ (Every Day At A Time)
02. Solid Country Gold
03. (I Got That) Déjà Vu
04. Can Your Monkey Do The Splits?
05. Stoner Yodel Number 4 (Give Me A D For Gym Class)
06. The Manifesto
07. One Nation Under Fire
08. My Second Rodeo
09. Sunday Go To Meeting Looking
10. The Moon Tonight

Todd Snider
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

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