Todd Thibaud – Alchemy – CD-Review

Review: Michael Segets

Auf seiner jüngst beendeten Tour durch Deutschland stellte Todd Thibaud sein aktuelles Album „Alchemy” vor, das nun offiziell erscheint. Mit der Band, die ihn auf der Reise begleitete, spielte Thibaud auch seine zehn frischen Eigenkompositionen ein: Thomas Juliano, Sean Staples, Ed Valauskas und Chris Anzalone. Im Studio unterstützten beim Backgroundgesang Bill Guerra, Janice Tsai und August Valauskas. Daniel berichtete begeistert von dem Konzert im Essener JuBB und dem dortigen Vorgeschmack auf den neuen Longplayer. Um es kurz zu sagen: Auf Thibaud ist Verlass – sowohl bei der Qualität der Konzerte als auch bei der seiner Studiowerke.

Vor allem präsentiert sich Thibaud auf „Alchemy“ so rockig wie lange nicht mehr. Seine vorangegangene CD „Hill West“ (2019) verlief in eher ruhigen Bahnen, ebenso wie seine Projekte mit Kim Taylor (Water And Sand) oder Hardpan. Unbestritten ist Thibauds Qualität als Songwriter, die beispielsweise auch die akustischen Versionen seiner Stücke verdeutlichen, die er während der Pandemie aufnahm. (Tipp: Vierzig „Songs From The Couch“ sind zurzeit auf seiner Website als Free Download erhältlich.) Auf dem neuen Longplayer findet sich mit „Wait For Me“ lediglich ein langsameres Stück, das dramaturgisch richtig, in der Mitte platziert ist.

Thibaud bringt mit „Alchemy“ also sein Rockerherz wieder zum Vorschein, das seit „Waterfall“ (2013) in den Hintergrund trat. Auf „Fight Or Flight“ und „Savior“ schallen kräftige Gitarrenriffs aus den Lautsprechern. Die Rhythmussektion treibt „Follow“ und „Alchemists“ ordentlich voran. Piano und Wurlitzer verstärken gelegentlich den Sound. Auf „Farewell, So Long“ kommen darüber hinaus Pump Organ und Chamberlin zum Einsatz. Die Zutaten des Genres beherrscht der in Boston lebende Musiker immer noch aus dem Effeff.

Neben gradlinigen Uptempo-Titeln („Heaven’s On The Move“) finden sich auch Tracks, die gekonnt mit Spannungskurven arbeiten („Burn“). Alle Stücke bleiben melodiös und sind auf den Punkt gespielt. Thibauds angenehme, beinah schon samtige Stimme wird an den richtigen Stellen durch Harmoniegesang – meist bei den ins Ohr gehenden Refrains – ergänzt. Dieser kommt auf dem rhythmisch auffälligen „Good Things Now“ besonders zur Geltung. Der mit dezentem Banjo-Spiel verzierte Song versprüht nahezu karibisches Flair und sticht damit unter den anderen Titeln hervor.

Ein Highlight stellt sicherlich „Mother Comfort“ dar, das schon Daniel bei seinem Konzertbesuch begeisterte. Das Andenken an seine Mutter verpackt Thibaud in einen wunderbar runden, guitardriven Power-Pop-Rock-Song. Bei den Lyrics anderer Stücke schlägt er manchmal politische und sozialkritische Töne an, die ich bei seinen früheren Veröffentlichungen nicht in dem Maße erinnere. Für das Mitlesen der Texte liegt dem klappbaren Digipack ein Booklet bei, was ja leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Nachdem Todd Thibaud auf seinen Veröffentlichungen und kollaborativen Projekten der letzten Dekade seiner Affinität zum Rock wenig Raum gegeben hat, ändert er dies nun mit „Alchemy“ auf beeindruckende Weise. Thibaud erweist sich nach der Pause im Bereich der straight vorwärtsgehenden Töne erneut als Meister seines Fachs, das sich eben nicht auf sanfte Balladen beschränkt.

Noch ein Tipp: Wer bereut, dass er Thibaud auf seiner „Farewell“-Tour nicht erlebt hat, kann sich zumindest mit den Live-Alben trösten. Auf der Website seines langjährigen Labels sind noch Mitschnitte im Rahmen der Official Blue Rose Bootleg Series als CD oder als CD/DVD erhältlich.

Hill West Music/Blue Rose Records (2026)
Stil: Rock

Tracks:
01. Follow
02. Fight Or Flight
03. Burn
04. Farewell, So Long
05. Wait For Me
06. Alchemists
07. Savior
08. Good Things Now
09. Mother Comfort
10. Heaven’s On The Move

Todd Thibaud
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Bluerose Records

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