Mary Chapin Carpenter – The Dirt And The Stars – CD-Review

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Review: Michael Segets

Wenn ich an die Musik von Mary Chapin Carpenter denke, kommen mir die Ohrwürmer „He Think He’ll Keep Her” und „I Belong To You“, das sie zusammen mit John Jennings einspielte, in den Sinn. Die Single „Secret Keepers“ von ihrer neuen CD „The Dirt And The Stars” erreicht (fast) die Qualität meiner beiden All-Time-Favoriten.

Seit mehr als dreißig Jahre ist Chapin Carpenter im Geschäft und feierte in der Mitte der 1990er ihre größten Charterfolge im Country-Bereich. Die vielfach ausgezeichnete und mit fünf Grammys geehrte Musikerin veröffentlichte im Schnitt alle zwei Jahre ein Studioalbum und ist jetzt bei Nummer 16 angelangt. Wie beim vorangegangenen „Sometimes Just The Sky“ (2018) tat sie sich wieder mit dem Produzenten Ethan Johns (Paul McCartney, Kings Of Leon) zusammen und besuchte erneut die Real World Studios von Peter Gabriel.

Mit Ausnahme des schon erwähnten „Secret Keeper“ und „American Stooge“, das mich etwas an Sheryl Crows Debüt erinnert, sind die Songs im unteren Tempobereich zu verorten. Die Balladen werden von Chapin Carpenters angehemer, manchmal samtiger Stimmer getragen. Der Gesang und die Band haben einen vollen Klang.

Mal setzt das Klavier Akzente („All Broken Hearts Break Differently”, „Where The Beauty Is”), mal steht die Begleitung durch die akustische Gitarre („Nocturne”), im Vordergrund. Beim Titeltrack und einigen weiteren Stücken kommt Chapin Carpenters langjähriger Gitarrist Duke Levine mit Soli zum Zuge, was die Songs zusätzlich aufwertet.

Besonders gelungen sind der eingängige Opener „Farther Along And Further In“, „Asking For A Friend“, bei dem Chapin Carpenter eine Zerbrechlichkeit in ihren Gesang legt, die eine hohe Intensität erzeugt, sowie das sanfte „Everybody’s Got Something”. Stilistisch ähnlich aber mit weniger Wiedererkennungswert sind die Balladen „It’s OK To Feel Sad“, „Old D-35“ oder „Where The Beauty Is“ gelagert.

Inhaltlich decken die Texte eine breite Palette von Themen ab. Neben Seitenhieben auf die politische Kultur in den Vereinigten Staaten kommen introspektive Gedanken über das Älterwerden oder Herzensangelegenheiten zur Sprache. Die meisten Songs entstanden an ihrem Küchentisch, wobei Chapin Carpenter bei Wanderungen in der Umgebung von Charlottesville, Virginia, weiter an ihnen feilt. Dafür hatte sie aufgrund der Corona-bedingten Verschiebung ihrer Tour mit Shawn Colvin genug Zeit. Das Album eignet sich dann auch als Wegbegleiter bei unaufgeregten Spaziergängen.

Mit „The Dirt And The Stars“ legt Mary Chapin Carpenter ein ruhiges Americana-Album vor, das sich in die Reihe ihrer Veröffentlichungen eingliedert, ohne dabei abzufallen oder besonders hervorzustechen. Von den gewohnt souverän performten Songs bleiben einige im Gedächtnis, insgesamt fehlen jedoch die Überraschungen, die das Werk etwas abwechslungsreicher gemacht hätten.

Lambent Light Records – Thirty Tigers/Membran (2020)
Stil: Americana

Tracklist:
01. Farther Along And Further In
02. It’s OK To Feel Sad
03. All Broken Hearts Break Differently
04. Old D-35
05. American Stooge
06. Where The Beauty Is
07. Nocturne
08. Secret Keepers
09. Asking For A Friend
10. Everybody’s Got Something
11. Between The Dirt And The Stars

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