Jess Klein – Back To My Green – CD-Review

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Review: Michael Segets

2015 gab Jess Klein in der Solinger Cobra ein Akustikkonzert vor kleinem Publikum – aber mit großartiger Atmosphäre. Gerade aus Paris angereist, wo sie vom Musikerkollegen Mike June einen Heiratsantrag bekommen hatte, spielte sie eine exquisite Auswahl ihres Backkatalogs und einige Titel ihres hervorragenden, damals aktuellen Albums „Learning Faith“. Auf dem Konzert beeindruckte die sympathische Jess Klein einerseits durch ihr sensibles und fast schon verletzlich wirkendes Auftreten, andererseits zeigte sie auch kämpferische und trotzige Züge.

Beide Facetten spiegelten sich seinerzeit in ihren Songs wider und lassen sich auch auf dem neuen Longplayer „Back To My Green“ ausmachen, der als CD Ende letzten Jahres und als Download seltsamerweise gerade erst erschienen ist.

Auf ihm charakterisiert sich Jess Klein mit „Tougher Than I Seem“ so, wie ich sie wahrgenommen hatte. Der ruhige Titel reiht sich nahtlos in ihr bisheriges Schaffen ein und besticht durch seine melodische Ausgewogenheit und ihren Gesang, mit dem sie viele Gefühle transportieren kann.

Mit poetischen Texten und Leidenschaft in der Stimme bearbeitete sie teils sehr persönliche Erfahrungen, Emotionen und Gedanken. Der Introspektion widmet sich Klein auf den beiden eingängigen Midtempo-Stücken „In Dreams“ – mit Streichern und kräftigem Schlagzeug – und dem sanfteren „Back To My Green“.

Auf ihrem aktuellen Album schlägt sie ungewohnt sozialkritische Töne an, wie bei der akustisch gehaltenen Folkballade „New Thanksgiving Feast“, die von den variablen und unverwechselbaren Vibes ihres Mezzosoprans lebt, oder bei „Blair Mountain“. Jess Klein erweitert mit dem letztgenannten Song das Klangspektrum ihres Werks, indem sie mit kratziger Gitarre – einschließlich einigen Rückkopplungen – und dramatischem Refrain rockt. „Blair Mountain“ zählt für mich zu den besten Songs, die ich dieses Jahr entdeckt habe.

Das erdige „Gates Of Hell“ überzeugt ebenfalls, wobei der gospelartigen Background besonders hervorsticht. Sehr gelungen ist auch das dynamische und mit schöner Gitarrenarbeit versehene „Mammal“.

Gefällig, vielleicht durch die Arrangements an einzelnen Stellen leicht überladen, entwickeln die letzten drei Titel „The Girlz“, „Kid“ und „I Hear Love“ weniger Ohrwurmqualität als die vorherigen Stücke des Albums oder einige Songs ihrer früheren Werke, die immer wieder den Weg auf meine Sampler und Playlists finden.

Jess Klein verzaubert nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf ihren Longplayern mit lyrischen Texten, wunderbaren Melodien und Songstrukturen, die sich festsetzen. In Kombination mit ihrer intensiven Stimme, die den Spagat zwischen Zerbrechlichkeit und Kraft vollführt, ziehen viele Kompositionen direkt in ihren Bann. „Back To My Green“ bietet einige dieser besonderen Momente, wobei die erdigen und rockigen Elemente, die Jess Klein neu in ihren Sound aufnimmt, ihr sehr gut stehen.

Zur Refinanzierung der Produktionskosten von „Back To My Green“ rief Jess Klein einen Kickstarter ins Leben, der zurzeit noch läuft. Eine Empfehlung lautete daher, die exklusiven Angebote auf der Seite zu sichten.

Blue Rose Records/Soulfood (2018)
Stil: Americana, Rock

Tracks:
01. In Dreams
02. Tougher Than I Seem
03. Mammal
04. Blair Mountain
05. Back To My Green
06. New Thanksgiving Feast
07. Gates Of Hell
08. The Girlz
09. Kid
10. I Hear Love

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