Ty Herndon – Right About Now – CD-Review

Mit seiner CD „Steam“ schien Ty Herndon 1999 ohne Zweifel auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt zu sein. Major Deal, ein durchgehend gelungener Silberling mit ebenso guten Songs, u. a. der im wahrsten Sinne des Wortes „heiße“ Titletrack, Ohrwürmer wie „Putting The Brakes On Time“, „In A New York Second“ oder der Cockersche Superhit „You Can Leave Your Hat On“, mit dem der smarte Entertainer vor allem die weibliche Klientel seiner immens gewachsenen Fangemeinde bei Live-Events regelmäßig zum Raserei brachte.

Trotzdem wurde es anschließend recht still um Herndon. Ein „Greatest Hits“-Album und eine Weihnachtsscheibe waren dann doch ein eher dürftiger Arbeitsnachweis für die letzten Jahre. Dass der talentierte Sänger jedoch gelernt hat nicht nur im musikalischen Umfeld aufzustehen (er war auch schon mal wegen Drogendelikten hinter Gittern), beweist er jetzt mit seinem neuen, brandaktuellen Werk „Right About Now“. Auch hier lief es im Vorfeld zunächst alles andere als glatt. Die Scheibe wurde mehrfach terminiert, gecancelt und wieder verschoben.

Mittlerweile ist aber alles „in trockenen Tüchern“ und mit dem neuem „Titan/Pyramid“-Label, den Produzenten Darrell Brown, Jonathan Yudkin (!) und Dennis Matkosky sowie zahlreichen Elite-Musikern (mit dabei u.a. J. T. Corenflos, Bruce Gaitsch, Dan Dugmore, Kenny Greenberg, Greg Morrow) und Songwritern (u. a. Radney Foster, Keith Urban), wurde für Ty eine ideale Arbeitsgrundlage geschaffen. Der bedankt sich mit elf tadellosen Stücken und einer gesangstechnischen Bestleistung. Vorwiegend handelt es sich um recht emotional besungene Lovesongs aus dem Mainstream Country/Country-Pop-Bereich, wobei der „Schmalzfaktor“ allerdings in einem erträglichen Rahmen gehalten wurde.

„Someday Soon“ startet direkt mit dieser unnachahmlichen, texanisch angehauchten Relaxtheit, bei der die Handschrift von Radney Foster markant hervortritt. Entspannt lässiger Groove, erzeugt durch Akustik- und Baritone-E-Gitarren, dazu Steel-, Piano-, und Orgel-Fills, ganz dezente Harmoniegesänge und ein kurzes Slide-Solo. „In The Arms Of The One Who Loves Me“ und „You Still Own Me“ sind gespickt mit Country-typischen Instrumenten wie Mandoline, Banjo und Steel, wobei Herndon stimmtechnisch zuweilen etwas an ex-Sons Of The Desert-Frontmann Drew Womack angelehnt zu sein scheint. Bei dem zweitgenannten Lied „blinzeln“ im Refrain auch dezent Rascal Flatts durch.

Während des Titelsongs „Right About Now“ (Co-Autor ist Michael Peterson) sieht man sich geistig im gemütlichen Sessel einer Hotel-Lobby mit einem Whiskey-Glas in der Hand sitzen und den entspannten Klängen eines Trios (Sänger, Pianospieler und Baritone-Gitarrist) lauschen. Ty glänzt hier mit enormer Stimmvariation. „Hide“, „We Are“ und „There Will Be a Better Day“ sind allesamt weitere, recht ruhig gehaltene, balladeske Tracks, die dann zwischendurch immer wieder von lebhafteren New-Country-Geschichten wie den funkig/poppig anmutenden Stücken „Love Revival“ und dem kräftigen „Mercy Line“, oder durch das poppige „If I Could Only Have Her Love Back“ unterbrochen werden.

Das einstige Temperament des Künstlers ist diesmal vielleicht etwas im Hintergrund geblieben. Das Album wirkt eher nachdenklich, was auf einen stattgefundenen Reifeprozess hinzudeuten scheint. Stimmlich ist Ty Herndon in Bestform, der musikalische Rahmen dazu absolut passend gewählt. Eine gelungene Rückmeldung zur rechten Zeit! Ty Herndon is back!

Pyramid Media (2007)
Stil: New Country

01. Someday Soon
02. In The Arms Of The One Who Loves Me
03. You Still Own Me
04. Mighty Mighty Love
05. Right About Now
06. Love Revival
07. Hide
08. Mercy Line
09. We Are
10. If I Could Only Have Her Love Back
11. There Will Be A Better Day

Ty Herndon
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Bärchen Records

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