Storyville – Live At Antones – CD/DVD-Review

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Freunde des Rocks, des bluesigen Rocks, des rockigen Blues oder schlicht des Blues Rocks aufgepasst, hier geht es um eine Sahneschnitte! Storyville (siehe auch unser Bandportrait) hatten nach drei tollen Studio-Werken vor einigen Jahren ihre Wege getrennt, die Musiker entschieden, sich fortwährend den eigenen Projekten zu widmen. Zwischenzeitlich hatte man sich aber wohl doch mal wieder zu sporadischen Gigs zusammen gefunden. Einer dieser wurde im Januar des Jahres 2006 im legendären Club Antones in Austin gespielt, wo die Truppe auch einst zusammenfand, und in Form einer Doppel-CD plus einer DVD für die Fangemeinde in digitaler Form gesichert.

Was soll man großartig schreiben, dieses Musikdokument muss man erleben! Sänger Malford Milligan ist vom Erscheinungsbild (albino-negroides Schwergewicht mit rötlichen Rastalocken und aufgrund der wulstigen Lippen, fast karpfenähnlichem Gesangsorgan) und seinem schweißtreibenden Temperament allein schon ein Blickfang, die glänzende (Ex-Arc Angels/-Stevie Ray Vaughans Double Trouble-) Rhythmus-Fraktion in persona von Chris Layton mit seinem druckvollen und konzentrierten Drumming und Tommy Shannon (beeindruckend seine Ruhe und seine Fingerfertigkeit, fast wie ein Mütterchen, das gerade routiniert den gefühlten fünfhundertsten Pulli runterstrickt) und die über alles erhabenen Saitenzauberer David Holt (Ex-Joe Ely, The Mavericks) und David Grissom (Ex-Joe Ely, John Mellencamp, mittlerweile auch vielbeschäftigter Gitarrist in der Nashville-/Texas- Studio-Szene), die absolute Weltklassearbeit in Sachen sich ergänzendem Rhythmus- und Soli-Spiel abliefern.

Den Löwenanteil des Repertoires bildet ihr Zweitalbum „A Piece Of Your Soul“, das mit neun Stücken vertreten ist, die beiden restlichen Werke sind aber auch mit jeweils drei Songs berücksichtigt. Dazu kommen noch zwei furiose Coverversionen von Jimi Hendrix und Ray Charles, die von diesen Legenden sicherlich mit Stolz im Rock’n’Roll Heaven registriert werden. Es geht überwiegend recht rockig zu (nur zwei langsamere Nummern), immer wieder werden aber auch ganz dezent soulige und funkige Elemente mit eingeflochten, was durch Milligans Performance natürlich begünstigt wird. Bei den Gitarristen ist Grissom sicherlich der aktivere und auch variablere von beiden (wechselt ständig die Gitarren), ist aber im Vergleich zu Holt etwas leiser abgemischt. Letztgenannter vertraut ausschließlich auf seine doch äußerlich schon arg bearbeitete Stratocaster und liefert bei etwas weniger Soli, die eher eingängigeren, aber genau so filigran gespielten Passagen ab. Er erinnert von der Optik her dezent an einen gewissen Rory Gallagher.

Die Zusammenstellung von Do-CD und DVD macht trotz fast gleicher Trackfolge doch Sinn, da es kleine Änderungen gibt, die dann doch ins Gewicht fallen. Zum einen sind mit „Cynical“ und „Wings Won’t Let Me Fly“ noch zwei Stücke auf CD2, die auf der DVD nicht enthalten sind, dafür fehlt bei dieser das Ray Charles-Cover, aber es gibt auf diesem Silberling noch zwei brandneue Studio-Bonustracks, die es in sich haben. Das bluesig-funkige „Nice Ain’t Got Me Nothing“ hat tanzbaren Charakter, wird herrlich rotzig von Milligan besungen und enthält neben kratziger E-Rhythmusuntermalung noch zwei starke Soli, sowie herrlich weibliche Backs von der Texanerin Bonnie Bishop, die vor geraumer Zeit auch ein tolles Solo-Album rausgebracht hat, bei dem David Grissom natürlich auch mitwirkte. Dazu gibt es eine relaxte, furztrockene, slow-bluesartige Coverversion des CCR-Klassikers „Bad Moon Rising“, die einfach mit zwei geilen Gitarrenparts allein die Anschaffung schon wert ist. Grandios! Dies zieht natürlich unweigerlich den Ruf nach einem neuen Studioalbum der Band hinter sich her.

Zu erwähnen ist noch, dass das Gesamtwerk Clifford Antone, dem Besitzer des Antone, gewidmet ist, der als Förderer mit seinem berühmten Laden in Austin zum Sprungbrett für viele Größen des Genres wurde. Er verstarb leider nur wenige Monate nach diesem Gig an einem Herzinfarkt. Er ist auf der DVD kurz zu sehen, als er vor den Zugaben dem gut aufgelegten Publikum die Band vorstellt.

Alles in allem haben Storyville mit „Live At Antones“ ein unabdingbares rockmusikalisches Zeitdokument in Eigenregie auf die Beine gestellt. Quasi eine Lehrstunde/Anschauungsunterricht für alle (Möchtegerne-) Blues-Rocker und Nachwuchsleute, die ja doch sehr zahlreich in dieser Sparte auch durch unsere Lande ziehen. Ich vergebe eher selten Tipps, aber hier es absolut angebracht. Superb, genial, ein Pflichtkauf für alle Qualitätsrockmusikfanatiker!

Eigenproduktion (2006)
Stil: Blues Rock

DVD:
01. Blind Side
02. Bitter Rain
03. Keep A Handle On It
04. Under Stone
05. Bluest Eyes
06. Don’t Make Me Cry
07. Born Without You
08. Piece Of Your Soul
09. What Passes For Love
10. Solid Ground
11. Luck Runs Out
12. Good Day For The Blues
13. Writing On The Wall
14. Tell Me How Do You Feel
15. Spanish Castle Magic

CD 1: 
01. Blind Side
02. Bitter Rain
03. Keep A Handle On It
04. Under Stone
05. Bluest Eyes
06. Don’t Make Me Cry
07. Born Without You
08. Piece Of Your Soul
09. What Passes For Love

CD 2: 
01. Cynical
02. Wings Won’t Let Me Fly
03. Solid Ground
04. Luck Runs Out
05. Good Day For the Blues
06. Writing On The Wall
07. Spanish Castle Magic
Bonus Studiotracks.
08. Nice Ain’t Got Me Nothing
09. Bad Moon Rising

David Grissom
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Bärchen Records

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