ShutDownTown – Flush – CD-Review

Bis vor geraumer Zeit wurde die Red Dirt-Szene so gut wie ausschließlich von Männerhand dominiert, wobei man allerdings fairer Weise konstatieren muss, dass kaum ein Interpret oder irgendeine Band hier durch übertriebenes Machotum aufgefallen wäre. Buster Jiggs waren die ersten, die sich entschlossen, auf ihrem zweiten Album „Heartache Jubilee“ ihre bis dato im Background und Harmoniegesang (trotzdem) recht markant wirkende Sängerin Kristin Muennink an der Front zu positionieren, nachdem ihr standesgemäßer Sänger Will Dodson aus privaten Gründen passen musste.

Jetzt betritt mit der recht wohlbeleibten Amanda Graves (Lead Vocals) und ihrer Partnerin Cari Smith (Vocals, Rhythm guitar) alias Shutdowntown ein Duo diese Männerdomäne, das erhebliches Potential inne hat, um im Genre für Furore zu sorgen. Nicht umsonst hat sich ein höchst prominentes Gespann die beiden Damen unter die Fittiche gekrallt. Und zwar Mr. Red Dirt himself, Mike McClure (als Musiker früher The Great Divide, mittlerweile Mike McClure Band sowie oft auch als Produzent mit feinem Gespür für viele genrespezifische Bands tätig) und Texas-Legende Joe Hardy (u.a. ZZ Top, Steve Earle, Jeff Healey, Georgia Satellites, 38 Special, Little Caesar, Laidlaw – seine komplette Vita hier aufzuführen würde sicherlich den Rahmen sprengen), die sich auf diesem Debüt beide musikalisch (sie spielen fast alle Instrumente) wie aufnahmetechnisch so richtig austoben konnten.

Als dritter Musiker (neben McClure, Hardy und den beiden Protagonistinnen) wurde lediglich mit ‚Steel-Ikone‘ Lloyd Maines (Vater von Dixie Chicks-Sängerin Natalie Maines) an seinem Paradeinstrument eine weitere Koryphäe seines Fachs eingebunden, der mit seinem unwiderstehlichen Spiel bei einigen Tracks für die Countrynote im ansonsten doch recht rockigen Restrepertoire sorgen durfte.

Beeindruckend auf diesem durchgehend starken, zehn Songs (sieben davon durch Graves und Smith kreiert, zwei von McClure) umfassenden Werk ist natürlich vor allem die Gesangsleistung von Amanda Graves. Die präsentiert sich trotz aller geballter musikalischer Kompetenz und Erfahrung um sich herum, absolut selbstbewusst und weiß mit ihrer kräftigen, sehr klaren, dezent rotzigen und mit einem Southern Twang (ähnlich dem von Sugarlands Jennifer Nettles) belegten Stimme in allen Tempobereichen absolut zu überzeugen. Stark das Mädel!

Dass die knapp vierzig Minuten Spielzeit wie im Flug vergehen, liegt neben der instrumentellen und gesanglichen Brillanz vor allem an der abwechslungsreichen Struktur und unterhaltsamen Anordnung der Stücke. Der (southern-) bluesrockige Opener „Bury Me“ (herrlich die satte E-Gitarre von McClure, dazu sein einfühlsames, Marshall Tucker-inspiriertes Solo, fette Orgel) macht mächtig Dampf, das folgende, dezent rootsig und leicht psychedelisch anmutende „6 A.M.“ wirkt im Gegensatz dazu fast introvertiert und wird vom in ‚Crying in my beer‘-Manier gebrachten Countryheuler „“He Ain’t Coming Back“ (dazu herrlich passendes, jammerndes Steelspiel plus Solo von Maines und ein atmosphärisches Grandpiano von Hardy) abgelöst. Ein recht unterschiedliches, aber gekonntes Song-Trio direkt zu Beginn.

Danach gibt es einen Reigen von vier Tracks, der mich absolut begeistert. Das bluesige „Dark Skies“ groovt richtig schwer in Mark und Bein gehend, ist dazu mit einem grandiosen Mix aus E- und Slidegitarren und Skynyrd-mäßigem Solo bestückt, das herrlich melodische „Downhill“ mit dieser unwiderstehlich klirrenden Mandoline als Untermalung (wie Fleetwood Mac goes Red Dirt) erzeugt durchgehende Gänsehaut, das freche „Echo“ bietet flockigen New Country (im Sugarland-Style – man fragt sich fast, was passieren würde, wenn ShutDownTown deren Marketing-Maschinerie hinter sich hätten…) und das flockig fröhliche, cabriotaugliche „Get Out“, bei dem McClure in zweieinhalb Minuten Songlänge auch ohne gebärdenhafte Frickelei auf den Punkt gebrachte E-Gitarrenarbeit der Extraklasse abliefert. War mir bisher gar nicht so bewusst, wie hervorragend und filigran der die sechs Saiten bearbeitet.

Zwei wieder recht countrylastige, unter starkem Maines-Einfluss stehende Lieder, „5 Card Draw“ (balladesk, atmosphärisch) und „Goodbye To Me“ (etwas poppig, wieder an Sugarland erinnernd), rahmen das fette, raue, southern-rockige von McClure komponierte „Bad With You“ (fast punkig polternde Drums, surrendes Slide-Solo) zwischen sich ein und bilden einen standesgemäßen, dem hohen Niveau der Restsongs in nichts nachstehenden Abschluss. Fazit. ShutDownTown haben mit ihrem von Mike McClure und Joe Hardy glasklar produzierten Debüt „Flush“ einen fast sensationell zu bezeichnenden Einstand abgeliefert. Fulminante texanischer Girlpower in der Red Dirt Szene – wow – herzlich willkommen!

Eigenproduktion (2009)
Stil: Red Dirt

01. Bury Me
02. 6 A.M.
03. He Ain’t Coming Back
04. Dark Skies
05. Downhill
06. Echo
07. Get Out
08. 5 Card Draw
09. Bad With You
10. Goodbye To Me

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Bärchen Records

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