Kid Rock – Rebel Soul – CD-Review

»Not the greatest record ever made, but it’s pretty f****** good in my humble opinion« – ein nahezu voll vornehmer Zurückhaltung anmutendes Statement für die Verhältnisse eines Robert James Ritchie alias Kid Rock (von dem man ja normalerwiese gewohnt ist, dass er ganz gerne auf dicke Hose macht), das da als Aufkleber sein neues Werk „Rebel Soul“ ziert!

Ritchie hatte mit seinem Silberling davor, „Born Free„, in Zusammenarbeit mit Kultproduzent Rick Rubin so was wie ein Karriere-Album hingelegt, das nun als immens hohe Messlatte zurückblieb. Viele Künstler würden vermutlich versuchen, erst einmal das erfolgreiche Konzept mit marginalen Änderungen weiter fortzuführen, um auf der sicheren Seite zu bleiben. Das trifft in diesem Fall nicht so ganz zu.

In Nashville z. B. gestaltet sich für viele der führenden Interpreten mit Major-Vertrag die Sache relativ leicht, denn da werden die Songs dann von arrivierten Songschreibern maßgeschneidert ausgesucht und eingekauft. Robert James Ritchie stellt in der Regel aber weitestgehend den Anspruch an sich, seine Stücke selbst zu schreiben und ist dadurch in kreativer Hinsicht deutlich höher gefordert. Solch starke Tracks am Fließband wie auf „Born Free“ muss man erst einmal wieder hinbekommen.

Was die Quantität angeht, ließ er sich erneut nicht lumpen und präsentiert auf „Rebel Soul“ satte 14 neue Lieder. Ritchie hielt zwar den Kontakt zu Rubin (hier nur noch in beratender Funktion), produzierte aber das Werk diesmal in Eigenregie und griff zur Einspielung, statt wie zuvor auf Allstar-Studiomusiker und prominente Gäste, auf seine Tourbegleiter The Twisted Brown Trucker Band (Marlon Young, Jason Krause, Stefanie Eulinberg, Jimmie Bones, Freddie ‚Paradime‘ Beauregard, Jessica Wagner-Cowan, Dave McMurry, Shannon Curfman, Aaron Julison und Larry Fratangelo) zurück.

Die Qualität der Tracks kann mit dem Vorgänger allerdings nicht ganz auf diesem absolut hohen Niveau mithalten, es sind jedoch zu Genüge kleiner Songperlen vorhanden. Von daher liegt alles durchaus immer noch mehr als im grünen Bereich. Dass Ritchie, der ja aus Michigan stammt, sich mit der bröckelnden, einstigen Autometropole der Staaten, Detroit stark verbunden fühlt, hatte er ja bereits auf „Times Like These“ verkündet, hier mittels „Detroit Michigan“, und auch noch öfter in Texten von anderen Tracks („God Save Rock N Roll“, „Midnight Ferry“). Danke, Herr Ritchie, wir haben es jetzt verstanden!

Der eine oder andere Song lehnt sich auch wieder an das Bewährte in Form von leicht countryinfizierten / Memphis Soul-beeinflussten (Southern-) Rocknummern Richtung Stones, Quireboys, Bob Seger, Crowes etc. an (u. a. „Let’s Ride“, „Catt Boogie“, „Mr. Rock N Roll“, „Redneck Paradise“ – mit teilweise herrlichen weiblichen Backs), im Großen und Ganzen fährt Kid Rock aber wieder mehr die unstrukturiertere Linie der Anfangstage.

Da geht es auf „Chickens in The Pen“ und „Celebrate“ in der Manier eines Lenny Kravitz etwas frecher zugange und auf „Gucci Galore“ wird auch wieder rüpelhafter und härter gerappt. Der Titeltrack „Rebel Soul“ versucht in den Strophen noch ganz vereinzelt an die „All Summer Long“-Erfolgstage anzuknüpfen. Mit „Happy New Year“ gibt es dazu einen richtig launigen Song für die anstehende Silvester-Party zu verzeichnen. „The Mirror“ entpuppt sich dafür als atmosphärische Ballade mit toller Slide-/E-Gitarrenarbeit.

Insgesamt ist „Rebel Soul“ ein absolut hörenswertes Album mit satter Spielzeit geworden, das man sich unbedenklich zulegen kann. Der einstige Pamela Anderson-Gatte hat in kreativer Hinsicht erneut alles gegeben, Kompliment dafür. Aufgrund der etwas höheren Homogenität und der insgesamt besseren Songs bleibt „Born Free“ aus meiner Sicht allerdings zunächst einmal das Maß aller Dinge. So lautet mein bescheidenes Abschlussfazit in Richtung Kid Rock. »Not your greatest record ever made, but it’s pretty f****** good!«

Top Dog Records (Atlantic) (2012)
Stil: Rock

01. Chickens In The Pen
02. Let’s Ride
03. Catt Boogie
04. Detroit, Michigan
05. Rebel Soul
06. God Save Rock N Roll
07. Happy New Year
08. Celebrate
09. The Mirror
10. Mr. Rock N Roll
11. Cucci Galore
12. Redneck Paradise
13. Cocaine And Gin
14. Midnight Ferry

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