Brandon Rhyder – Every Night – CD-Review

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Der im Osten von Texas geborene, in Austin lebende und mittlerweile musikalisch in Nashville ansässige Singer/Songwriter Brandon Rhyder gibt für sein fünftes Album mit dem Titel „Every Night“ (exzellente, sehr gediegene, voller Atmosphäre steckende Musik zwischen Americana, Texas Alternate Country, Countryrock und Roots) gleich einen Einblick in die Philosophie, mit der er angetreten ist, ein größtmögliches Spektrum an Zuhörern zu erobern. Rhyder, der seit über drei Jahren mehr als 200 Konzerte pro Saison bestreitet, meint damit allerdings nicht die Quantität, so oft wie möglich für seine Fans präsent zu sein, sondern vielmehr den Umstand, jeden Abend, egal unter welchen Umständen, mit seiner Band alles nur Erdenkliche zu geben, damit nachher jeder Besucher seiner Gigs restlos zufrieden ist.

Nicht nur auf der Bühne legt Rhyder ein beachtliches Tempo vor, auch mit fünf Alben in seiner erst sieben Jahren währenden Karriere, beweist der erst relativ spät zur Musik gekommene, gelernte Ingenieur ein enormes Arbeitspensum. So ist auch sein Produzent, kein geringerer als Radney Foster, voll des Lobes für Brandon. Er attestiert ihm ein einzigartiges lyrisches Talent, unglaubliche vokale Power und eine große Leidenschaft für die Musik, die ihres Gleichen sucht. Und in der Tat, die 12 Stücke (dazu noch der Hidden Track „Pea Pie“) seines neuen Albums offerieren in beeindruckender Weise, dass man es bei Brandon Rhyder nicht mit einem alltäglichen Künstler zu tun hat. Sämtliche Stücke wurden von ihm komponiert, dazu gab es mit Radney Foster, Liz Rose und Angelo bei einigen Songs prominente und hervorragend mit Rhyder harmonierende Co-Writer.

Eingespielt wurde das Werk mit hochkarätigen Musikern, wie u.a. Radney Foster, Eric Borash, Bob Britt, Michael Daly, Dan Dugmore, Phil Madeire, Craig Krampf, sowie tollen Backgroundartisten (Jon Randall, Georgie Middleman, Marcia Ramirez, Sarah Buxton). Den Auftakt bildet die Neueinspielung eines Songs von einem seiner früheren Alben, „Have I Waited Too Long“, bei der es Foster gelang, die beeindruckende Stimme von Rhyder deutlicher in den Vordergrund zu stellen und im Verlauf eine wunderbare emotionale Atmosphäre mit Steel, Orgel und Slidegitarren zu erzeugen. Einem recht knackigem, autobiografisch angehauchten Roots-/Countryrocker „Finger To The Bone“, sehr rhythmisch (wieder Slide und gurgelnde Orgel), folgt mit „Lets Don’t Go Down That Road“ eine herrliche, entspannte (Alternate) Countryballade mit viel Westcoast-Flair.

Hört sich an, als wenn ein Charlie Rich und die Eagles zusammen zum „Tequila Sunrise“ laden. „Again“ und „She Couldn’t Lie Anymore“ erinnern in ihrer Introvertiertheit und dem bardenhaft klingenden Gesang Rhyder’s an einen Hal Ketchum. Klasse auch das von Brandon und Angelo Petraglia komponierte „Red Door“, das in einer gut gelaunten Mischung aus Country und Southern Soul dahindriftet („Laughing, singing, whiskey drinking, drifting troubadours, living like it’s always Friday night, behind that old red door“) und seine Songwriterabende mit befreundeten Musikern in Nashville reflektieren soll.

Besonders gelungen ist der ständige Stimmungswechsel bei der Songanordnung. Dem für Rhyders Verhältnisse sehr poppigen „This Ain’t It“ (wurde als erste Single auserkoren) folgt mit „Happy Ever After“ wieder eine recht traditionell und klassisch angehauchte Countryballade (klasse Dobrospiel von Dan Dugmore), die mit den bezauberten Harmonies von Sarah Buxton vorzüglich ergänzt wird. Einfach nur stark eine weitere Kooperation von Rhyder und Foster, „When You Wake Up“, bei der die Handschrift Radney’s einmal mehr deutlich wird. Das Lied hätte auch aus einem seiner letzten Alben stammen können.

Das verspielte „It’s What I Do“ (Orgel, polternde Drums, E-Gitarren-Solo) glänzt mit toller Melodie, der Titelsong „Every Night“ mit seinem bluesig-souligem Southern-Teint (herrliche Stratocaster-Fills, pfeifende Orgel) erzeugt Gänsehaut. Das abschließende „Cowboy’s Work“ versprüht ruhige Lagerfeuerromantik und der nach kurzer Pause folgende Hidden Track „Pea Pie“ verläuft im gleichen Stil weiter, wechselt textlich aber die Thematik. Insgesamt hat Brandon Rhyder mit „Every Night“ ein sehr interessantes, hochwertiges und nicht alltägliches Album hingelegt. Die Zusammenarbeit mit Radney Foster hat Rhyder auf einen ganz neuen und vor allem höheren Level seiner Karriere gehievt. Klasse!

Reserve Records (2008)
Stil: Country Rock

01. Have I Waited Too Long
02. Fingers To The Bone
03. Let’s Go Down That Road
04. Again
05. She Couldn’t Lie Anymore
06. Old Red Door
07. This Ain’t It
08. Happy Ever After
09. When You Wake Up
10. It’s What I Do
11. Every Night
12. Cowboys Work (incl. hidden track „Pea Pie“)

Brandon Rhyder
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