Heather Anne Lomax – Who Do You Think You Are – CD-Doppel-Review


Review: Michael Segets

Plateauschuhe, Glitzerbesatz und wilde Haarmähne – Heather Anne Lomax präsentiert sich auf dem Cover von „Who Do You Think You Are?” stylish und selbstbewusst. Das Bild weckt schon Erwartungen für die Richtung, die die Scheibe einschlägt: eine Power-Frau, die mit kräftiger Stimme in rockigen Gefilden zuhause ist. So ist es dann auch, wobei die Stücke mehrmals zum Bluesrock tendieren.

„Superstar“ stammt von Michael Doman. Die übrigen zehn Tracks schrieb die in Kansas City geborene und nun in Los Angles lebende Lomax. Der Longplayer wurde ihrem Gitarristen Zachary Ross produziert. Für die Aufnahmen gewann Lomax eine Reihe von gestandenen Musikern, die in wechselnder Zusammensetzung die Stücke live im Studio einspielten.

Bei den härter rockenden Tracks wie „Step Aside“ oder „Right On Through“ sorgen die Keys für einen breiten Klangteppich. In die Tasten greifen dort Ty Bailie (Katy Perry, Tanja Tucker) beziehungsweise Carey Frank (Bruce Springsteen, Tedeschi Trucks Band). „Ridgefield Dreams“ sowie „Hello Daybreak“ werden durch Flötentöne, für die Fuzzbee Morse (Bono, Peter Gabriel) verantwortlich zeichnet, angereichert. Den häufigsten Wechsel in der Bandbesetzung gibt es an den Drums. Auch hier kann Lomax auf die Erfahrung der Schlagzeuger zurückgreifen, die allesamt für namhafte Musikerinnen und Musikern tätig waren.

Die Songs haben gute Ansätze, auch wenn sie nicht unmittelbar ins Ohr gehen. Hauptsächlich stören mich einzelne Stellen in den Stücken, bei denen Lomax ihre Stimme eher lautmalerisch einsetzt, statt durch ihren Gesang Inhalte zu transportieren. Dies führt dazu, dass der Funke bei dem Album insgesamt nicht so recht überspringt.

Die Lyrics drehen sich meist um Beziehungen, sie geben aber auch Einblicke in das Seelenleben („Step Aside“) oder schlagen einzelne sozialkritische Töne an („Pluto Return“). Mit ihrer Vergangenheit setzt sich Lomax auf „Ridgefield Dreams“ auseinander. Bei ihrer Geburt adoptiert begab sie sich schließlich als erwachsene Frau auf die Suche nach ihren biologischen Wurzeln und veröffentlicht nun ihre Musik unter ihrem ursprünglichen Namen. Lomax stand schon mit einigen Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne, die auch bei SoS gelistet sind wie John Hiatt, Joan Osborne oder The Marshall Tucker Band.

„Who Do You Think You Are?“ ist ein Album, das zwischen Rock und Bluesrock changiert. Heather Anne Lomax macht ihr Ding. Die einzelnen Songs weisen aber oftmals Passagen auf, die mich nicht abholen. Die hochkarätige Bandbesetzung macht technisch alles richtig, aber auf der Gefühlsebene spricht mich das Werk nicht an. Aber wer bin ich schon.

Review: Stephan Skolarski

Ihr Debüt-Album brachte die ursprünglich aus Kansas City stammende Heather Anne Lomax 2014 unter dem Künstlernamen Michael-Ann in Eigenregie heraus und wurde für die mutige und gelungene Mischung aus Bluegrass, Americana und traditionellen Country-Stücken nicht nur in L.A. ausgezeichnet. Auch in Europa lobte z.B. das irische Lonesome Highway Magazin die Intensität der Scheibe. Auf “All This Time” (2020) spielte sie, inspiriert durch Elvis Presleys Memphis Sessions, den klassischen Country Rock’n’Roll aus der Vergessenheit zurück auf die Review-Seiten und erntete viel Lob für das feine Songwriting (u.a. “Comfort Me”) – kein weiterer Beweis war erforderlich, dass sie großartige Titel schreiben kann!

Oder doch? Denn natürlich hat sie es wieder getan und mit dem neuen Werk “Who Do You Think You Are” demonstriert. Wie aus einem musikalischen Lehrbuch der frühen 70er Jahre fließen die Stücke aus Rock, Blues, Soul, Country und Gospel unaufhaltsam in die Track-List, ein Zeitgeist-Feuerwerk einer lange zurückliegenden Epoche der Aufbruchstimmung. Lomax ist dabei mehr als in ihrem Element, als Songschreiberin, Multi-Instrumentalistin und vor allem als Sängerin.

Sanfte Joan Baez und emotionale Linda Ronstadt Passagen wechseln mit explosiven Janis Joplin und tief intensiven Grace Slick (Jefferson Airplane) Intonierungen, wobei die Vergleiche der Gesangsstile ausschließlich das vocale Talent der US-Songschreiberin verdeutlichen soll. Lomax huldigt ihren Vorbildern bereits zu Beginn des Albums mit den drei Songs „Come Along“, „Step Aside“ und „Can’t Refuse“. Insgesamt 11 Tracks, live im Studio eingespielt, bilden die Konzeption einer Zeitreise, die u.a. über weitere kraftvolle und ungeschliffene Zwischenstationen (z.B. “Finally Leavin’” und “Pluto Return”) zum experimentell psychedelisch angehauchten Schlusstitel begleiten. „Hello Daybreak” könnte ein Cover von Kate Bush sein, aus der Feder von Heather Anne Lomax, ein Synonym für den Tag, der die Hoffnung zukunftsweisend symbolisiert.

Als junge Songschreiberin einer neuen Musikgeneration hat Heather Anne Lomax ihr aktuelles Album mit dem philosophischen Titel “Who Do You Think You Are” veröffentlicht. Die Scheibe offenbart sofort ihre musikalische Lebendigkeit und reflektiert eine aufstrebende Blütezeit der amerikanischen Roots-Music. Entstanden ist ein herausfordernder Longplayer, der zahlreiche Impulse jener Epoche aufgreift, neu interpretiert und in die Gegenwart überführt.

The Blackbird Record Label (2026)
Stil: Rock, Blues, Soul

Tracks:
01. Come Along
02. Step Aside
03. Can’t Refuse
04. Ridgefield Dreams
05. Places Unknown
06. Right On Through
07. Finally Leavin’
08. Superstar
09. Blood Red
10. Pluto Return
11. Hello Daybreak

Heather Anne Lomax
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