The Kerry Kearney Band– Same – CD-Review

Review: Michael Segets

Wer die Erinnerung an Warren Zevon und seine Musik wachhält, sammelt bei mir schon mal einen Pluspunkt. Dies tut The Kerry Kearney Band, indem sie „Rub Me Raw“ von dessen letzter CD „The Wind“ (2003) covert. Kerry Kearney und seine Band interpretieren noch zwei weitere Songs, die von Bob Dylan und Otis Rush stammen. Von Dylan spielt die Band „Meet Me In The Morning“, das sich im Original auf „Blood On The Tracks“ (1975) findet. Noch älter ist „All Your Love” (1958). Mit dem Klassiker des Chicago-Blues steigt The Kerry Kearney Band in den Longplayer ein. Die Tracks auf dem selbstbetitelten Album hören sich im positiven Sinne wie alte Bekannte an, auch wenn sie gerade erst der Feder von Kearney entsprungen sind.

Kearney hat den Blues. Er bewegt sich souverän mit und zwischen den Größen des Genres. Er ging mit Dickey Betts und The Allman Brothers Band auf Tour, spielte mit BB King, Robert Cray und der Urbesetzung der Blues Brothers. Bei seinen zahlreichen Veröffentlichungen setzt er oftmals auf eine Mischung von Covern und Eigenkompositionen. Dieses Vorgehen führt Kearney bei seinem aktuellen Werk fort. Sieben Eigenkompositionen – darunter zwei Instrumentals („Bobbique Romp“, „West Of The Ashley“) – komplettieren den Longplayer neben den bereits erwähnten Coversongs.

Die von Kearney selbst verfassten Titel sind auf den Punkt gebracht. Mit Ausnahme von „Harder To Breathe“ überschreitet kein Track die drei Minuten, was für Bluesstücke ja eher selten ist. Mir kommt das entgegen, da ich kein Fan von langen Instrumentalpassagen bin. Natürlich zeigt Kearney an der einen oder anderen Stelle, was er an der Gitarre kann. So fügt er in die eingängige Nummer „Voodoo Ways“ ein kratzig- quietschendes Solo ein, welches dem Song nochmal einen besonderen Reiz mitgibt.

Die Eigenkompositionen bewegen sich meist im mittleren Tempobereich. Der knackige Jive „Walk Right Out The Door“ weicht nach oben hin ab, „Harder To Breathe“ in die andere Richtung. Der Slow-Blues wird von Camryn Quinlan gesungen, die auch dem bluesrockigeren Abschluss des Albums „Santa’s Got A Brand New Bag“ ihre Stimme leiht. Der Wechsel der Lead Vocals ist ein Aspekt, der dafür sorgt, dass der Longplayer abwechslungsreich wirkt. Eine Verbindung erhalten die Stücke dadurch, dass sie Genrekonventionen nicht brechen, sondern variieren. Ein Reinhören in das neue Werk der Kerry Kearney Band lohnt sich nicht nur für Bluesfans, sondern für alle Freunde handgemachter Musik.

Das Album produzierten Kearney, der Keyboarder der Band Jack Licitra sowie Bill Herman. Herman gab dem Sound im Paradiddle Studio auf Long Island den letzten Schliff. Paradiddle Records veröffentlichte dieses Jahr bereits das ebenfalls empfehlenswerte „American Equator“ von Pete Mancini. Für den Herbst steht ein Projekt zu Warren Zevon auf dem Programm, bei dem u. a. Willie Nile mit von der Partie ist.

Paradiddle Records (2025)
Stil: Blues

Tracks:
01. All Your Love
02. Harder To Breathe
03. Walk Right Out The Door
04. Rub Me Raw
05. Voodoo Ways
06. Bobbique Romp
07. Meet Me In The Morning
08. West Of The Ashley
09. Off To The Jubilee
10. Santa’s Got A Brand New Bag

Kerry Kearney
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Paradiddle Records

Bonnie Bishop – The Walk – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die 2000er waren für Bonnie Bishop mit vier Studioalben und vielen Touren ein aufreibendes Jahrzehnt. Belohnt wurde ihre kontinuierliche Arbeit mit einem Grammy für ihren von Bonnie Riatt performten Song „Not Cause I Wanted To“, den sie zusammen mit Al Anderson schrieb. Nach „Free“ (2012) ging Bishop es etwas ruhiger an und meldete sich erst 2016 mit „Ain’t Who I Was“ zurück. Das Album wurde von Dave Cobb (Shooter Jennings, Jason Isbell, Chris Shiflett) produziert.

Kreativ ausgelaugt beschloss sie eine Pause einzulegen. Sie zog von Nashville in ihre texanische Heimat um. Mit wiedergefundener Schaffenskraft und Spielfreude sind die sieben Tracks von „The Walk“ quasi in einem Rutsch entstanden. Für das neue Album holte sie Steve Jordan (Robert Cray, John Mayer, Buddy Guy) auf den Produzentenstuhl.

Ob das so eine gute Wahl war, wage ich kaum zu beurteilen. Der Beat beziehungsweise das Schlagzeug auf „Love Revolution“, „Keep On Moving“ und „I Don’t Like To Be Alone“ wirken sehr klinisch. Selbst die Gitarreneinlagen auf diesen langsamen Stücken – obwohl sicherlich technisch gut gespielt – erscheinen steril. Die Begleitung steht damit etwas unverbunden Bishops Gesang gegenüber, der durchaus spannend und facettenreich ist.

Besser ineinander greifen Instrumente und Gesang bei der ersten Single „Every Happiness Under The Sun“. Die flotte und tanzbare Nummer hat zwar wie die zuvor genannten Stücke einen Pop-Einschlag, die dunkle, kratzige Gitarre, der Harmoniegesang sowie die treibende Rhythmusarbeit geben ihr aber einen kräftigen Drive mit.

Gitarrenpassagen und Background sind auch bei „Women At The Well“ gelungen. Der Fokus liegt hier allerdings auf der Klavierbegleitung. Zum Einstieg zu „Song Don’t Fail Me Now“ zeigt Bishop ebenfalls ihre Fingerfertigkeit an den Tasten. Nach einem langen Intro trägt sie mit sanfter Stimme die Ballade vor, die schließlich einen vokalen Abschluss findet.

Die beiden Songs stellen mit „The Walk“ die rootsige Seite der CD dar. Der Titeltrack punktet mit rhythmischer Percussion und erneut ausdrucksstarker – mal gehauchter, mal gebrochener, mal voller – Stimme von Bishop.

Bishop singt toll, schreibt einfühlsame Texte und komponiert gute Songs. Die Arrangements der Titel auf „The Walk“ überzeugen hingegen nicht durchgängig. Sie erscheinen zum Teil zu glatt und gefällig. Dort, wo sie erdige („The Walk“) oder bluesige Töne („Women At The Well“) anschlägt, wird Bishops Potential deutlich.

Der Kontrast, mit dem Bishop auf dem Cover spielt, durchzieht auch ihr aktuelles Werk. Mit dem Abendkleid in der Wüste, wirkt sie wie eine verirrte Meerjungfrau auf dem Trockenen. Mich zieht es – zumindest musikalisch – eher zur staubigen Atmosphäre, von der es auf „The Walk“ mehr hätte geben können.

Plan BB Music/Thirty Tigers (2019)
Stil: Pop, Rock

Tracks:
01. Love Revolution
02. Keep On Moving
03. The Walk
04. Every Happiness Under The Sun
05. I Don’t Like To Be Alone
06. Women At The Well
07. Song Don’t Fail Me Now

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Stichworte: Bonnie Bishop, The Walk, Nashville, Texas, Bonnie Riatt, Al Anderson, Dave Cobb, Shooter Jennings, Jason Isbell, Chris Shiflett, Steve Jordan, Robert Cray, John Mayer, Buddy Guy