Marco Bartoccioni – Bartok – CD-Review

Review: Michael Segets

Marco Bartoccioni tritt unter seinem Künstlernamen Bartok auf und so ist das neue Album quasi selbstbetitelt. Ein Markenzeichen von ihm ist, dass er sein bevorzugtes Instrument – die Lap Steel – bei Konzerten umgehängt im Stehen spielt. Als Multiinstrumentalist gestaltet er die acht Tracks des Longplayers nahezu im Alleingang. Lediglich Piero Pierantozzi begleitet ihn durchgängig am Schlagzeug. Beim Blick auf die Gastmusiker fällt mit Roberto Luti ein bekannter Name ins Auge. Den Gitarristen sah ich bereits zwei Mal live als Sideman von Luke Winslow-King auf dessen Europa-Touren. Unter Beteiligung Luties versprüht „Lies And Lies“ etwas Southern-Flair. Dabei wird der Track mit modern wirkenden Elementen versehen, sodass der Anfang des Songs an Paul Cauthen erinnert.

Insgesamt verschreibt sich Bartoccioni aber dem Bluesrock, wobei er im weiteren Verlauf des Albums überwiegend der härteren Spielart des Genres folgt. Dabei bleiben die Stücke durchgängig melodisch. Der Sound von „Bartok“ wird durch das kräftige Gitarrenspiel geprägt, auch wenn sich Bartoccioni gelegentlich eines analogen Synthesizer bedient („Politicans Puppets“). „He Comes To Me“, auf dem Sara Jane Olog eindrucksvoll mitsingt, oder „Wild Dogs“ sind dazu geeignet, die Gehörgänge durchzupusten. Etwas gemäßigter ist der besonders eingängige Opener „No Way Back“, der bereits als Single ausgekoppelt wurde.

Neben Luti und Olog unterstützen Christina Grisolia und Francesco Santalucia den Protagonisten bei einzelnen Songs. Grisolia verfasste den Text von „I’ve Got No Money“ mit und bereichert die Umsetzung des Titels mit Vocals und einer weiteren Gitarre. Santalucia spielt Klavier auf „Burn In Your Soul“, das mit sechs Minuten Spielzeit aus der Reihe fällt. Ansonsten verzichtet Bartoccioni auf längere instrumentelle Intermezzi und auch die Lyrics sind insgesamt kurz gehalten, sodass die übrigen Tracks unter vier Minuten bleiben. Das abschließende Stück plätschert zunächst etwas dahin, legt dann im letzten Drittel aber an Dynamik zu. Diese rockige Passage gehört für mich zu den herausragenden Momenten des Albums.

Sehr gelungen ist auch „Don’t You Cry“, der einzige konsequent langsam gehaltene Beitrag. Hier vermischen sich Einflüsse von Americana und Blues, wobei eine Nähe zu Songs von Winslow-King besteht. Der in der Mitte des Longplayers platzierte Titel hebt sich nicht nur durch die Tempovariante von den anderen Tracks ab, sondern auch durch Bartoccionis Stimme, die eine Nuance angerauter klingt, was die Stimmung des Stücks unterstreicht.

Marco Bartoccioni zündet auf „Bartok“ ein Bluesrock-Feuerwerk, das nahezu durchgängig überzeugt. Ohne Kompromisse und ohne langatmige Instrumentalpassagen werden die Songs knackig und zügig durchgespielt. Das Hörvergnügen bleibt unter einer halben Stunde, sodass schnell noch ein zweiter Durchgang nachgeschoben werden kann.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Bluesrock

Tracks:
01. No Way Back
02. He Comes To Me
03. Politicans Puppets
04. Love Is Gone
05. Wild Dogs
06. Lies And Lies
07. I’ve Got No Money
08. Burn In Your Soul

Marco Bartoccioni
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Luke Winslow-King – Flash-A-Magic – Album-Review

Review: Michael Segets

Luke Winslow-King hatte 2018 mit seinem Konzert in der Kulturrampe einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Perfekt abgestimmt mit dem Gitarristen Roberto Luti promotete er sein damals aktuelles Album „Blue Mesa“. Seitdem sind ein paar Jahre ins Land gegangen. Er veröffentlichte „If These Walls Could Talk“ (2022) über Ghost River Records und kehrt nun mit seinem aktuellen Longplayer „Flash-A-Magic“ zu Bloodshoot Records zurück.

Die Musik des ausgebildeten Jazz-Gitarristen bewegt sich hauptsächlich zwischen Blues, Rock und Americana. Auf „Flash-A-Magic“ schmuggelt sich aber mit „Black Eyed Gypsy“ eine Art Calypso dazwischen. Dem Titelsong selbst gibt Winslow-King eine Soul-Note mit. Das Hauptaugenmerk der legt er aber auf dem Blues Rock, wie das vorab ausgekoppelte „If I Where You“ bereits andeutet – ein Song über besserwisserische Ratschläge, auf die man gerne verzichtet.

Mit „Everywhere You Go There You Are“ steigt der Longplayer ein. Die swampige Bluesrock-Nummer wird auf Konzerten sicher das Publikum mitnehmen. In eine ähnliche Kerbe schlägt „Ave (Steel Rail Angel)“. Hier greift Winslow-King, der seine Wahlheimat in New Orleans gefunden hat, auf die Begleitung durch ein Klavier zurück. Ansonsten dominieren die Gitarren, die beispielsweise kurz – aber stimmungsvoll – „Best Be Leavin‘“ eröffnen. Auch beim treibenden „Peaches“ überzeugt die Gitarrenarbeit.

Winslow-King legt die Songs unterschiedlich an und gestaltet sie dann an einigen Stellen mit feinen Ideen aus, ohne dass sie ihre Struktur verlieren. So integriert er ein Slide-Solo in die Americana-Ballade „How Could I Forget“. Der Song hätte sich auch auf „Blue Mesa” nahtlos eingefügt. Der reduzierteste Track ist „Good Morning“ – ein ruhiger und sanfter Abschluss eines eher rockig gehaltenen Longplayers.

Luke Winslow-King legt bei „Flash-A-Magic“ einen Schwerpunkt auf den Blues Rock, der durch ein paar Balladen angereichert wird. In seinem melodiösen Songmaterial variiert er den Sound und flechtet kurze, abwechslungsreiche Instrumentalpassagen ein, sodass das Album an keiner Stelle langweilig wird.

Bloodshot Records (2024)
Stil: Blues Rock and more

Tracks:
01. Everywhere You Go There You Are
02. Flash-A-Magic
03. If I Where You
04. Black Eyed Gypsy
05. Peaches
06. Ave (Steel Rail Angel)
07. How Could I Forget
08. Best Be Leavin’
09. Good Morning

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Luke Winslow-King – 03.09.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Der mir lange Zeit unbekannte, aber von allen Seiten mit viel Vorschuss-Lorbeeren bedachte Luke Winslow-King, wurde durch den werten Kollegen Michael Segets mit dem Magazin in Berührung gebracht, als er mich bat, doch seine neue CD „Blue Mesa“ mal zum Besprechen anzufordern. Gesagt, getan und schon hatte ich mit dem Verantwortlichen des Labels eine Riesendiskussion bezüglich der Südstaaten-Flagge in unserem Logo, an der Backe.

Reaktionär, Imageschaden für den Künstler, etc., was ich da alles an Befürchtungen zur Kenntnis nehmen durfte. Nachdem ich ihn bat, mir auch nur irgendeine einzige Stelle in diesem Magazin zu benennen, die diese Thesen belegen würde und ihm (und allen etwaigen Zweiflern – hier auch nochmals zum Mitschreiben…), versicherte, dass dieses Symbol, rein für die Musik steht, die wir lieben (und sonst nichts) und der Kollege noch ein klasse Review abgeliefert hatte, wurde er aber ganz handzahm und bedankte sich nachher nochmals herzlich. Die Plattenfirma heißt übrigens Bloodshot Records…

Aber gut, Exkurs beendet. Am Ende war ja alles ok. Beim Gig an gleicher Stelle von The Broadcast verabredeten wir uns schließlich für das, am arbeitnehmer-unfreundlichen Montag (vor allem das gefürchtete frühe Aufstehen am nächsten wieder anstehenden Werktag nicht zu vergessen), um Luke mit seiner Band auch mal live unter die Lupe zu nehmen.

Und keine Frage, der Besuch hat sich gelohnt. Nach der Ansage von Rampenchef ‚Pille‘ Peerlings entpuppte sich der Protagonist vom eingängigen Opener „Chicken Dinner“ an, als angenehmer, souveräner und auch durchaus mitreißender Performer.

Verlassen konnte er sich dabei auf eine tolle Begleittruppe, mit der Rhythmusfraktion Chris Davis und Christian Carpenter, sowie seinem kongenialen Mit- und Zuspieler Benneto Luti, die seine melodischen, dank viel Slidespiel, immer mit einem Hauch von Louisiana umwehten Rocksongs, bestens in Szene setzten.

Dabei wurde stets eine schöne Balance zwischen Schwofern („Blue Mesa“), Midtempo-Schunklern („On My Way“, „You’ve Got Mine“) und rockigen Sachen („Born To Roam“, „The Leaves Turn Browne“) gewahrt. Überragend für mich im überaus langen ersten Set (90 Minuten!), das fantastische „Leghorn Women“ mit famosen Soli besonders von Luti.

Im Prinzip, hätte es die zwei furiosen Zugaben vom (wirklichen) Ende da noch on top drauf gegeben, wäre ich glücklich und total geflescht nach Hause gefahren. Für jemanden, der aber seit 4:15 Uhr auf den Beinen war und am nächsten Morgen zur gleichen Zeit wieder raus musste, zog sich der wahrlich auch gute zweite und deutlich lebhaftere Set, dann aber doch in die Länge, zumal sich angesichts der Bandkonstellation kaum spürbare Variationen ergaben.

Wie dem auch sei – die ca. 50 Besucher hatten einen Megaspaß und gingen bei den Interaktionen mit Klatschen und Gesang mit vollem Herzen mit. Eine der tanzfreudigen Stammbesucherinnen der Rampe bewies einmal mehr, zu welchen Energieleistungen Pädagogen (abseits des schulischen Alltags) im Stande sind…

Luke und seine Mitstreiter wurden natürlich am Ende des Hauptteils längst nicht von der Bühne gelassen und gaben mit “Domino Sugar“ und „Thought I Heard You“ (er und Roberto Rücken an Rücken bei ihren fulminanten Wechsel-Soli) nochmals Gas bis zum Anschlag. Am Ende ging es auch dank des heftig pumpenden Bass-Spielers Christian Carpenter  und des agil trommelnden Chris Davis, fast schon brachial zur Sache.

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass der charismatische Luke Winslow-King bei seinem nächsten Termin in Krefeld (hoffentlich dann an einem Wochenende) eine rappelvolle Rampe vorfinden wird. Kurzfazit: Klasse Songs, starker Typ mit tollen Musikern an seiner Seite!

Line-up:
Luke Winslow-King – (lead vocals, electric & slide guitar)
Roberto Luti – (electric & slide guitar)
Christian Carpenter – (bass, vocals)
Chris Davis – (drums)

Bilder: Michael Segets
Text: Daniel Daus

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Kulturrampe Krefeld

Luke Winslow-King – Blue Mesa – CD-Review

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Review: Michael Segets

Luke Winslow-King hat sich schon in früher Kindheit mit Musik beschäftigt und ist dieser auch in seinem schulischen und universitären Werdegang treu geblieben. Er genoss eine Ausbildung an der Jazz-Gitarre und besuchte ein Konservatorium für klassische Musik. Zwischenzeitlich arbeitete er als Musiktherapeut und als Musiklehrer an einer Schule für Blinde. Der stilistische Grenzgänger bewegt sich auf seinen Alben vor allem zwischen Blues, Folk, Country und Rock ’n‘ Roll – so auch auf seiner sechsten Veröffentlichung „Blue Mesa“.

Herzstück des Longplayers sind die langsamen Songs. Mit warmer, leicht angekratzter Stimme eröffnet Winslow-King auf „You Got Mine“ seine CD. Dezente Harmonien ergänzen seinen Gesang sehr stimmungsvoll, während die Bluesgitarre für die nötigen Akzente sorgt. Winslow-King hat den Titel zusammen mit der kürzlich verstorbenen „Washboard“ Lissa Driscoll geschrieben. Driscoll war eine lokale Blues-Größe in New Orleans, der Wahlheimat von Winslow-King.

Neben dem starken Einstieg zieht auch das zunächst einfach wirkende „Break Down The Walls“ direkt in den Bann. Gleiches gilt für „After The Rain“, das mit Slide und sanften Harmonien einen leichten Country-Touch bekommt. Hervorragend ist zudem der Abschlusstrack „Farewell Blues“, den Winslow-King für seinen an Krebs erkrankten Vater geschrieben hat. Sehr gefühlvoll sind hier Geige und klagende Gitarre. Zum Träumen laden „Blue Mesa“ und „Better For Knowing You“ ein. Ebenfalls zwei schöne Balladen mit ausgearbeiteter Gitarrenbegleitung, die mich aber nicht so packen wie die vorher genannten.

Zwischen die langsameren Stücke streut Winslow-King auch ein paar Nummern ein, die einen Zahn zulegen. Die erste Auskopplung „Leghorn Women“ ist eine davon. Der Swamp-Boogie kommt mit treibendem Schlagzeug und vollem Klangteppich daher, für den auch Mike Lynch (Bob Seger) an der Orgel sorgt. Im Gegensatz zu dem leidenschaftlichen und dynamischen Gitarrenspiel wirkt der Gesang von Winslow-King stellenweise vielleicht etwas distanziert oder unterkühlt. Bei dem lockeren Rock ’n‘ Roll von „Born To Roam“ passt hingegen schon beim ersten Hören alles perfekt zusammen.

Mit „Thought I Heard You“ liefert Luke Winslow-King eine solide Blues-Rock-Nummer ab. Soul versprüht „Chicken Dinner”, bei dem eine Abteilung Bläser für einen neuen Sound auf der CD sorgt.

Insgesamt legt Winslow-King ein abwechslungsreiches Album vor. Er greift Einflüsse unterschiedlicher Musikrichtungen auf, wobei es ihm gelingt, diese so zu verschmelzen, dass sein Album dennoch ausgewogen und homogen wirkt. Auflegen werde ich die Scheibe vor allem wegen der berührenden Balladen. Eine breite musikalische Ausbildung und umfangreiche kompositorische Kenntnisse können auch hinderlich sein, wenn es darum geht, Atmosphäre zu zaubern. Winslow-King schafft jedoch die Konzentration auf das Wesentliche und bringt seine Songs auf den Punkt, ohne sich in experimentellen Spielereien zu verlieren.

Bloodshot Records (2018)
Stil: Blues, Folk and more

01. You Got Mine
02. Leghorn Women
03. Blue Mesa
04. Born To Roam
05. Better For Knowing You
06. Thought I Heard You
07. Break Down The Walls
08. Chicken Dinner
09. After The Rain
10. Farewell Blues

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