Grace Potter – Trespasser – CD-Review

Review: Michael Segets

Grace Potter ist durch ihre Single-Erfolge „You And Tequila“ sowie „Wild Child“, die sie zusammen mit Kenny Chesney feierte, in Country-Kreisen bekannt. Darüber hinaus erregte sie als Grace Potter And The Nocturnals Aufmerksamkeit. „Trespasser“ ist ein Rockalbum, auf dem nur bei einzelnen Titel wie „War On The Mountain“ Country-Einflüsse durchscheinen. Das episch angelegte Stück gehört allerdings ebenso wie das kräftig losrockende „Ride Or Die“ zu den Highlights des Albums.

Aber auch sonst hat Potter auf dem neuen Longplayer einiges zu bieten. So ist der Opener „Main Street U.S.A.“ in seiner Gradlinigkeit ein guter Roots Rocker im mittleren Tempobereich. Die beiden bereits im Vorfeld veröffentlichten Singles „Love Me Not“ und „Run Baby Run“ verbindet ein leicht poppiger Einschlag. „Run Baby Run“ punktet dabei mit einem eingängigen Refrain. Bei „Love Me Not“ legt Potter etwas Soul in ihre Stimme. Potter ist stimmlich sowieso stark. Auf „The Voice“ spielt sie diese aus und wird hier zusätzlich durch einen Background unterfüttert.

Bei einigen Titeln ist die Rhythmusarbeit besonders auffällig, wie etwa beim schon erwähnten „Love Me Not“ oder bei „Lost Café“. In das letztgenannte Stück baut Potter einen seltsamen Part ein, der andere Kritiker möglicherweise begeistern wird, bei mir aber dazu führt, dass ich mich mit ihm nicht anfreunden kann. Ähnlich ergeht es mir mit dem Titeltrack, der sich als eine Art dystopischer Blues charakterisieren lässt. Durch mehrmaliges Hören gewinnt hingegen „Gasoline“ mit seiner Retro-Atmosphäre. Auf dem Song beweist Potter nochmal ihr Format als Sängerin, die sowohl die vorwärtsgehenden als auch die sanften Töne beherrscht. Ruhiger, aber intensiver Gesang prägt schließlich die Ballade „Belong“, die durch Orgel und Chor gospelige Züge trägt.

Der Longplayer wurde mit verschiedenen Bandbesetzungen aufgenommen. Benmont Tench (Tom Petty And The Hearbreakes) oder Tim Deaux (Kings Of Leon) stehen auf der Liste der Mitwirkenden. Potters Lebensgefährte Eric Valentine (Queens Of The Stone Age, Weezer, Slash) produzierte das Album.

Zwischen dem rasanten Einstieg und dem gemessenen Abschluss des Werks nimmt Grace Potter die Zuhörenden auf eine Art Roadtrip mit, bei dem im Mittelteil nicht jede Zwischenstation überzeugt. Dennoch lohnt es sich, bei „Trespasser“ einzusteigen, da durchaus Attraktionen am Wegesrand der Reise liegen, die man mitnehmen sollte. Selbst ist Potter in diesem Jahr noch mit Chris Stapleton und der Zac Brown Band unterwegs.

Mother Road Records – Thirty Tigers/Open(2026)
Stil: Rock

Tracks:
01. Main Street U.S.A.
02. Ride Or Die
03. Love Me Not
04. Gasoline
05. Run Baby Run
06. Lost Café
07. Trespasser
08. The Voice
09. War On The Mountain
10. Belong

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Oktober Promotion

Mary Chapin Carpenter – The Dirt And The Stars – CD-Review

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Review: Michael Segets

Wenn ich an die Musik von Mary Chapin Carpenter denke, kommen mir die Ohrwürmer „He Think He’ll Keep Her” und „I Belong To You“, das sie zusammen mit John Jennings einspielte, in den Sinn. Die Single „Secret Keepers“ von ihrer neuen CD „The Dirt And The Stars” erreicht (fast) die Qualität meiner beiden All-Time-Favoriten.

Seit mehr als dreißig Jahre ist Chapin Carpenter im Geschäft und feierte in der Mitte der 1990er ihre größten Charterfolge im Country-Bereich. Die vielfach ausgezeichnete und mit fünf Grammys geehrte Musikerin veröffentlichte im Schnitt alle zwei Jahre ein Studioalbum und ist jetzt bei Nummer 16 angelangt. Wie beim vorangegangenen „Sometimes Just The Sky“ (2018) tat sie sich wieder mit dem Produzenten Ethan Johns (Paul McCartney, Kings Of Leon) zusammen und besuchte erneut die Real World Studios von Peter Gabriel.

Mit Ausnahme des schon erwähnten „Secret Keeper“ und „American Stooge“, das mich etwas an Sheryl Crows Debüt erinnert, sind die Songs im unteren Tempobereich zu verorten. Die Balladen werden von Chapin Carpenters angehemer, manchmal samtiger Stimmer getragen. Der Gesang und die Band haben einen vollen Klang.

Mal setzt das Klavier Akzente („All Broken Hearts Break Differently”, „Where The Beauty Is”), mal steht die Begleitung durch die akustische Gitarre („Nocturne”), im Vordergrund. Beim Titeltrack und einigen weiteren Stücken kommt Chapin Carpenters langjähriger Gitarrist Duke Levine mit Soli zum Zuge, was die Songs zusätzlich aufwertet.

Besonders gelungen sind der eingängige Opener „Farther Along And Further In“, „Asking For A Friend“, bei dem Chapin Carpenter eine Zerbrechlichkeit in ihren Gesang legt, die eine hohe Intensität erzeugt, sowie das sanfte „Everybody’s Got Something”. Stilistisch ähnlich aber mit weniger Wiedererkennungswert sind die Balladen „It’s OK To Feel Sad“, „Old D-35“ oder „Where The Beauty Is“ gelagert.

Inhaltlich decken die Texte eine breite Palette von Themen ab. Neben Seitenhieben auf die politische Kultur in den Vereinigten Staaten kommen introspektive Gedanken über das Älterwerden oder Herzensangelegenheiten zur Sprache. Die meisten Songs entstanden an ihrem Küchentisch, wobei Chapin Carpenter bei Wanderungen in der Umgebung von Charlottesville, Virginia, weiter an ihnen feilt. Dafür hatte sie aufgrund der Corona-bedingten Verschiebung ihrer Tour mit Shawn Colvin genug Zeit. Das Album eignet sich dann auch als Wegbegleiter bei unaufgeregten Spaziergängen.

Mit „The Dirt And The Stars“ legt Mary Chapin Carpenter ein ruhiges Americana-Album vor, das sich in die Reihe ihrer Veröffentlichungen eingliedert, ohne dabei abzufallen oder besonders hervorzustechen. Von den gewohnt souverän performten Songs bleiben einige im Gedächtnis, insgesamt fehlen jedoch die Überraschungen, die das Werk etwas abwechslungsreicher gemacht hätten.

Lambent Light Records – Thirty Tigers/Membran (2020)
Stil: Americana

Tracklist:
01. Farther Along And Further In
02. It’s OK To Feel Sad
03. All Broken Hearts Break Differently
04. Old D-35
05. American Stooge
06. Where The Beauty Is
07. Nocturne
08. Secret Keepers
09. Asking For A Friend
10. Everybody’s Got Something
11. Between The Dirt And The Stars

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Oktober Promotion

Ghost Hounds – Roses Are Black – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die treibende Kraft hinter den Ghost Hounds ist Thomas Tull. In der Mitte der 2000er startete er bereits einen Anlauf mit der Band und brachte am Ende dieser Dekade ein Album in Eigenproduktion heraus. Mit seiner Produktionsfirma konzentrierte er sich allerdings anschließend auf Filme, Comics und digitale Medien. Mit neuen Musikern reanimiert er nun die Ghost Hounds und wendet sich wieder dem Rock ’n Roll zu.

Für „Roses Are Black“ holte sich Tull mit Johnny Baab einen zweiten Gitarristen ins Boot und besetzte die Rhythmusgruppe mit Blaise Lanzetta am Schlagzeug und Bennett Miller am Bass. Als Glücksgriff erweist sich Sänger Tre Nation. Tull suchte sich zudem für das Songwriting Unterstützung bei David Grissom, der schon für John Mellencamp, Joe Ely, Storyville, The Allman Brothers Band und die Dixie Chicks aktiv war, sowie bei Kevin Bowe (Etta James, Jonny Lang, Lynyrd Skynyrd, Kenny Wayne Shepherd). Vance Powell (Chris Stapleton, The White Stripes, Arctic Monkeys, Kings of Leon) mischte den Longplayer ab und produzierte ihn auch.

Bei so viel Manpower und Erfahrung konnte nichts mehr schiefgehen. Herausgekommen ist dann auch ein überdurchschnittliches Rockalbum, das gut unterhält, dem jedoch die Titel fehlen, die sich direkt in den Gehörgängen festsetzen. Erst nach mehrmaligem Hören erhalten die Songs einen höheren Wiedererkennungswert.

Gibt man der Scheibe die Chance auf einige Durchläufe, gewinnen die einzelnen Songs stärkere Konturen. Dann treten auch die unterschiedlichen Einflüsse, die von der Band aus Pittsburgh verarbeitet wurden, deutlich hervor. Am Old School Rock ’n Roll orientiert sich der Opener „Bad News“. Classic Rock ist mit „Black Rose”, „Skin In The Game” und „Fire Under Water” vertreten. Hier wird den kraftvollen Gitarren mit entsprechenden Soli Raum gegeben.

Darüber liefern die Ghost Hounds eine erdige Version von Cliff Richards „Devil Woman“. Während das soulige „When Your Shadow Touches Mine” nochmals eine neue Facette in den Longplayer einbringt, erscheint „Til It’s Gone“ sehr gleichförmig und am ehesten verzichtbar.

Von einem Song des sagenumwobenen Robert Johnson, der seine Seele für den Blues an den Teufel verkauft haben soll, wurde der Name Ghost Hounds hergeleitet. Es liegt daher nahe, dass sich die Band dem Blues beziehungsweise Bluesrock bei „Push That Rock Up The Hill“ und „We Roll Hard” zuwendet.

„Second Time Around“, mit dem Tull auf die Wiederbelebung der Ghost Hounds reflektiert, läutet das letzte Drittel des Albums ein. In diesem Teil wird das Tempo reduziert. „Almost Loved You“ steigt mit einer akustischen Gitarre ein. Sehr schön sind hier die Klavierpassagen von Joe Munroe. Den Abschluss des Albums bilden zwei alternative, akustische Versionen von „Second Time Around“ und „Push That Rock Up The Hill“.

Thomas Tull gelingt der Neustart mit den Ghost Hounds. „Roses Are Black“ ist ein durchaus abwechslungsreiches Album geworden, dessen positiver Ersteindruck sich verstärkt, sobald man ihm Zeit gibt und es mehrfach anhört.

Cascade Music Group/Maple House Records (2019)
Stil: Rock

Tracks:
01. Bad News
02. Black Rose
03. When Your Shadow Touches Mine
04. Devil Woman
05. Til It’s Gone
06. We Roll Hard
07. Push That Rock Up The Hill
08. Skin In The Game
09. Fire Under Water
10. Second Time Around
11. Almost Loved You
12. Second Time Around (Acoustic)
13. Push That Rock Up The Hill (Acoustic)

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