Emory Quinn – The Road Company – CD-Review

Auch wenn die Amis ja nicht viel Gutes auf dieser Welt zustande bringen, eines muss man ihnen aber lassen. Musik machen können sie und der Nachwuchs an wirklich talentierten Interpreten scheint, anders als in unseren Gefilden, schier unerschöpflich zu sein. Fast fragt man sich, ob die meisten Kinder nicht schon im Kreissaal mit einem Saiteninstrument in den Händen aus dem Geburtskanal geschossen kommen…

Auch die in San Antonio, Texas ansässigen Emory Quinn sind wieder so eine Truppe. Dort haben sich drei hochbegabte Multiinstrumentalisten zusammengefunden, die im letzten Jahr ihr zweites Werk, „The Road Company“, in Eigenregie veröffentlicht haben, nachdem bereits ihr Debüt „Letting Go“ die Kritiker beeindrucken konnte. Der Bandname setzt sich aus den Mittelnamen der Herren Nathan (Emory) Rigney und Clint (Quinn) Bracher zusammen. Dazu gesellt sich noch als Dritter im Bunde Case Bell.

Die drei spielen bis aufs Schlagzeug (da sind dann noch Drummer Adam Littman, Ernie Durawa und Dan Dreben mit involviert) auf dem Album eigentlich so alles, womit man im Roots-/Country-Gewerbe genre-typische Klänge erzeugen kann. Clint Bracher, der auch sämtliche Stücke bis auf eines komponiert hat, bedient dazu mit sanft rauer Stimme das Mikro und erinnert an einen Wade Bowen.

Eine wunderbare Synthese aus Country, Rock, Southern Rock und Bluegrass lässt da mal wieder den Oberbegriff Americana durch den Raum schweben. Klasse Texte, grandiose Melodien und eine filigrane instrumentelle Umsetzung lösen unweigerliche Begeisterung aus. Ein entscheidendes Trademark der Band sind dabei die Stück-intern eingeflochtenen Überraschungseffekte und die Vielseitigkeit in der Songpräsentation, ohne aber den berühmten roten Faden auch nur eine Sekunde aus dem Auge zu verlieren.

So bekommt das eigentlich entspannt verlaufende „Highways Of Gold“ plötzlich eine superschnelles Instrumental-Bridge verpasst, „Ships And Planes“ einen Reggae-Rhythmus integriert (dazu noch ein Mandolinen-Solo und eine Organ-Passage) , „Blue Gone“ und das mit Westernflair behaftete „Idabel“ eine Southern Rock-kompatible E-Gitarrenphase (sogar z.T. mit Double-Leads) und „Dear London“, schon dem Titel entsprechend einen britisch anmutenden Ausklang (dezent U2-mäßig). Dazu wurde noch die einzige Fremdkomposition „Phone Went West“ von der amerikanischen Rockband Mr. Morning Jacket in eine höchst unterhaltsame Bluegrass-Fassung der Extraklasse verwandelt (mit Banjo, Fiddle, Mandoline).

Insgesamt gesehen ist „The Road Company“ von Emory Quinn ein Freudenfest für jeden Liebhaber der Roots- und modernen Country-Schiene. Nach The Band Of Heathens und Driveway für mich mit das beste, was so in letzter Zeit in meinen CD-Player gewandert ist. Man fragt sich danach unweigerlich, warum noch keine Plattenfirma ihre Fühler nach dem Trio ausgestreckt hat. Wäre sicherlich ein idealer Übernahmekandidat für ein auf diesem Gebiet in unserem Lande emsiges und beliebtes Label, das nach einer blaufarbigen, dornigen Pflanze benannt ist…

Eigenproduktion (2008)
Stil:  Americana

01. Highway’s Of Gold
02. Dance With Me
03. Straight Through Me
04. No In Between
05. Ships And Planes
06. Blue Gone
07. Magnolia
08. Devil’s Disguise
09. Idabel
10. Better Next Year
11. Dear London
12. Phone Went West

Shannon Curfman
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Bärchen Records

Radney Foster – Revival – CD-Review

Triumphales neues Werk von Radney Foster! Meisterhafter Roost-/Americana-/Alternate Country-Rock – kernig, knackig, trocken und direkt auf den Punkt produziert (Darrell Brown und Radney Foster). Zu jeder Sekunde weht einem der raue, texanische Staub um die Nase. Und diese Melodik, diese Songqualität (aus dem Fundus dieser neuen Songs werden sich sicher wieder einige der großen Nashville-Acts bedienen), diese Arrangements – wunderbar! Ungeachtet seiner bereits erzielten Erfolge mit dem Duo Foster & Lloyd hat Radney Foster sich auch in eigener Person im letzten Jahrzehnt zu einer der nicht mehr wegzudenkenden Größen der texanischen Musikszene und darüber hinaus entwickelt.

Ob als Songlieferant für unzählige Kollegen (u.a. Dixie Chicks, Wade Bowen, Jack Ingram, Keith Urban, Kenny Chesney), als Produzent (er verhalf u.a. der Randy Rogers Band mit ihren beiden letzten Major-Werken zum Einstieg in die Country(rock)-Welt über die texanischen Grenzen hinaus) oder natürlich als Solo-Interpret, wo er in regelmäßigen Abständen exzellente Alben abliefert, hat man bei der Anschaffung von Material mit Foster-Beteiligung immer so etwas wie eine automatische Qualitätsgarantie. Was der Mann anpackt, hat einfach Stil und Klasse.

So natürlich auch sein famoses, neustes Album „Revival“, das er jetzt als Nachfolger des 2006 erschienen, ebenfalls sehr starken „This World We Live In“ präsentiert. Doch Foster hat immer noch neue Trümpfe im Ärmel, steckt voller neuer Songideen und sprüht vor immer währender Frische. Die rockigen Sachen von „Revival“, und davon gibt es eine ganze Menge, strotzen nur so vor Dynamik und grandiosen Melodien. Radney hat das aktuelle Werk, im Unterschied zum letzen Mal, heuer schwerpunktmäßig mit einer etatmässigen Begleitband „The Confessions“ eingespielt (dazu gehören u.a. der Gitarrenvirtuose Eric Borash und die durchaus bekannte und hoch geschätzte Background-Sängerin Georgia Middleman), darüber hinaus aber auch mit Leuten wie Adam Shoenfeld, Craig Kampf, Yonathan Yudkin, Tammy Rogers, Jon Randall, Darius Rucker (Hootie & The Blowfish) und Dierks Bentley noch ein illustres Gästeteam mit an Bord. Als zentrales Moment serviert der aus Del Rio stammende Texaner in leichter Abwandlung zum Albumtitel den Song „A Little Revival“ in gleich zwei Versionen. Zum einen direkt zu Beginn als straight rockenden, dynamischen Uptempo Americana-/Countryrocker (herrlich fett instrumentiert, klasse E-Gitarren-Passagen, knackiges, trockenes Drumming), zum anderen am Ende als um die erste Strophe gekürzte „Reprise“Fassung, die dank der furios agierenden Jon Randall (exquisites Mandolinenspiel, klasse Harmonies) und Tammy Rogers (tolle Fiddleperformance, Background Gesang) einen herrlichen „Bluegrass-Teint“ verpasst bekommt.

Die zum Mitsingen animierenden Refrainzeilen des Songs sind derartig markant, dass man sie noch Tage später mit sich im Gedächtnis herumträgt. Das seinem im letzten Jahr verstorbenem Vater gewidmete Album (besonders dokumentiert in dem sehr bewegend gebrachten „I Know You Can Hear Me“) besticht durch viel Abwechslung. Es gibt auch mal eine spirituelle Note („Shed A Little Light“ – Foster singt im Stile eines Hohenpriesters, Middleman und Co. halten mit Gospel-kompatible „Backs“ dagegen), sowie Fosters typisch introvertiert wirkende Stücke, die mit soviel, Gefühl, Wärme und Harmonie vorgetrahen werden, aber auch voller bewegender Texte stecken („Angel flight“, „Suitcase“, „I made peace with God“ – allesamt sehr fein instrumentiert) und, wie gesagt, eine ordentliche Anzahl abgehender Roots-/Countryrocker (bärenstark beispielsweise das fulminante „Until it’s gone“, das zusammen mit Jack Ingram komponierte „Trouble Tonight“ – sehr rhythmisch, retro, groovig, mit einer Portion Southern-Soul, E-Gitarren- und Pianosolo -, das melodische „Second Chances“ und das sich kernig in unsere Gehörgänge grabende „Life is hard“).

Alles in allem ein Werk von beeindruckender Qualität, ohne jeden Ausfall. Die Aufmachung des Digipacks besticht zudem durch eine sehr gelungene, geschmackvolle und farbenfrohe Gestaltung, inklusive eines schönen, 16-seitigen Booklets mit allen texten und vielen Infos. Foster, der erst vor kurzem 50 geworden ist, liefert mit „Revival“, ohne seine vielen starken Vorgänger entscheidend abwerten zu wollen, sein vielleicht bestes Album der letzten Jahre ab. Texas-Americana-/Roots-/Alternate Country vom Allerfeinsten! „This record is absolutely a triumph“, heißt es in einem U.S.-Review… – wie wahr!

Devil River Records (2009)
Stil:  Country Rock

01. A Little Revival
02. Forgiveness
03. Until It’s Gone
04. Second Chances
05. I Know You Can Hear Me
06. Angel Flight
07. Trouble Tonight
08. Shed A Little Light
09. I Made Peace With God
10. Life Is Hard (Love Is Easy)
11. If You Want To Be Loved
12. Suitcase
13. A Little Revival (Reprise)

Radney Foster
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Radney Foster – Everything I Should Have Said – CD-Review

Radney Foster, ex Foster & Lloyd, gilt heute ohne jeden Zweifel als einer der einflussreichsten und bedeutendsten Künstler der Texas Roots-, Americana-, und Country(rock)-Szene. 5 Jahre nach seinem famosen Werk „Revival“ veröffentlicht dieser exzellente Sänger, Songwriter, Gitarrist und Produzent, nachdem er sich zuvor mit der Unplugged-Neueinspielung seines Debütwertkes „Del Rio, TX 1959“ ein edles Acoustic-Intermezzo gegönnt hatte, mit „Everything I Should Have Said“ nun wieder ein Album mit vollkommen neuen, eigenen Stücken – und es ist ein herausragendes Teil geworden.

Der Mann hat einfach Stil und Klasse und es macht einfach Spaß, sowohl seinen intelligenten und authentisch gesungenen Texten, als auch der wie immer herrlich dazu passenden instrumentellen Umsetzung beizuwohnen. Stark direkt zum Auftakt die introvertiert gestrickte, nachdenkliche Ballade „Whose Heart You Wreck (Ode To The Muse)“, die sich fast schmerzvoll mit atmosphärischen Orgel- und Pianotönen sowie stechender Slidegitarre von Gastmusiker Mike Zito (Royal Southern Brotherhood) voranschleppt. Um nicht weiter aufs Gemüt zu drücken, folgt mit „Hard Light Of Day“ (geschrieben mit Fosters Angelkumpel Jack Clementi, der mit „Lie About Loving Me“ noch ein weiteres Lied ähnlicher Art beisteuert) ein erster locker dahingleitender, aber durchaus knackiger Americana-Track (klasse E- Gitarren, gurgelnde Orgel).

Dieses Wechselspiel von langsameren Stücken und roostig angerockten, melodischen Tracks zieht sich dann auch wie ein roter Faden durch die gesamte CD. Wunderbar auch wieder das textlich hervorragend gestaltete „California“, wo sich zwei auf der Suche befindliche Menschen auf dem Weg nach Kalifornien für eine Nacht zusammenfinden, um dann aber wieder getrennt ihr Glück zu versuchen. Stark hier die Harmoniegesänge von Kacey Musgraves und die wimmernde Steel, gespielt von Richard Corneaux. Ein weiterer Song, der von einer starken Damenbeteiligung getragen wird (ebenfalls Steel-haltig), ist das überragende „Mine Until The Morning“, bei dem Patty Griffin mit ihrer markanten Stimme ein geniales Gespann mit Foster bildet. Großartig auch die mit einem tollen Akustikgitarrenriff geführte Countryballade „The Man You Want“ (genial hier die B3-Klänge und die nadelstichartig gestzten E-Gitarrenfills).

Das erneut von schwermütiger Melancholie getragene „Holding Back“ zählt ebenfalls zu diesee Kategorie. Mit-Produzent Justin Tocket sorgte aber, wie bereits angedeutet, mit vielen recht flockigen Nummern für eine sehr schön ausgewogene Balance. Das aus der Feder von Foster mit Gordie Sampson und Jim McCormick stammende „Talk Myself Out Of Falling“ ist sogar durchaus Nashville-kompatibel, könnte aber auch zu einem heißen Cover-Aspiranten für Acts wie die Eli Young Band & Co. avancieren. Das gleiche Songwriter-Trio zeichnet sich auch für die humorvolle Liebeserklärung „Noise“ (schöne Heartland E-Gitarre, B3-/Pianotupfer) verantwortlich. „Unh,Unh,Unh“ ist ein feiner, auf den Punkt gebrachter Honky Tonker, den man sicherlich am besten in Bierlaune genießen kann. Sarah Buxton streut bei dieser Nummer ein paar sehr schöne „Backs“ ein. Der wohl wuchtigste Track ist das southernrockige „Not In My House“ (klasse E-Gitarren inkl. Genre-kompatiblen Zwischen- und Endsolo), das ebenfalls durch seinen amerikanisch untypischen, kritischen Text aufhorchen lässt (diese sind in beigefügtem Booklet zum toll in Südstaatenflair gestalteten DigiPak beigefügt – phantastisch vor allem das Titelbild, das Foster fast ehrfurchtsvoll immitten einer beeindruckend hohen Baumgruppe eines südstaatlichen Anwesens abbildet).

Das wieder voller Selbstreflektion und in Mollpianotönen gehaltene Titelstück zum Abschluss, lädt dann nochmal regelrecht zu emotionalem Mitgefühl an Fosters entschuldigendem Gesang ein. Ein unter die Haut gehender, packender Ausklang! Fazit. 12 wundervolle Nummern zwischen Rootsrock, Americana, und Texas Countryrock, eingespielt mit einer vorzüglichen Band (unter anderem mit dem aus der Louisiana-Szene bekannten Meistergitarrist Joe Stark an Bord, dazu kommen noch Klasse-Leute wie John Lancaster, Justin Tocket und Keith Brogdon), geradezu perfekt zusammengestellt aus atmosphärischen, überaus zeitgemäss arrangierten Midetmpo-Songs, knackigen, kernigen, dabei sehr melodischen Roots-, und Countryrockern, sowie der ein oder anderen vorzüglichen Ballade. Eine wahre Glanzvorstellung des Texaners!

Devils River Records (2014)
Stil:  Country Rock

01. Whose Heart You Wreck (Ode To The Muse)
02. Hard Light Of Day
03. California
04. Taking Myself Out Of Falling
05. Mine Until The Morning
06. Unh, Unh, Unh
07. Not In My House
08. The Man You Want
09. Lie About Loving Me
10. Holding Back
11. Noise
12. Everything I Should’ve Said

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Radney Foster – This World We Live In – CD-Review

Vier Jahre sind bereits wieder ins Land gezogen, seitdem uns die eine Hälfte des einst in Nashville so erfolgreichen Duos Foster & Lloyd mit dem tollen „Another Way To Go“ so begeistert hatte. Untätig war ein Mann dieses musikalischen Formates in der jüngeren Vergangenheit allerdings nicht. So produzierte er beispielsweise die Randy Rodgers Band, schrieb Songs für Größen wie u. a. Keith Urban, die Dixie Chicks oder Kenny Chesney, und, und, und!

Hier ist sie nun endlich, die neue, einmal mehr ganz hervorragende Scheibe des ohne Zweifel zu den besten texanischen Songwritern zählenden Radney Foster. Wunderbarer, rootsiger Texas-Country/Alternate Country/Countryrock/Americana vom Allerfeinsten mit einem tollen, schön trockenen, auf den Punkt genau produzierten, angerauten, „gritty“ Sound! Zehn neue Stücke, alle aus seiner Feder, zum Teil in Kooperation mit exzellenten Co-Writern, wie Blue Dogs-Frontmann Bobby Houck, Jack Ingram oder Darrell Brown, mit dem er sich auch die Produktionsarbeit teilte.

Bediente er sich bei seiner letzten Scheibe noch einer Menge Begleitmusiker aus dem schier unerschöpflichen „Nashville-Pool“, so versammelte er diesmal eine tolle, namhafte Band langjähriger Freunde um sich, wie Drummer Charlie Drayton und den „alten“ Westcoast-Haudegen Waddy Wachtel (Linda Ronstadt; Warren Zevon, James Taylor, John David Souther, Ronin, Bob Dylan) an der E-Gitarre (beide haben schon auf Keith Richard’s Solo-Alben zusammen gearbeitet), Session Bass-Veteran Bob Glaub (u.a. Jackson Browne) und dem Keyboarder Rami Jaffe, vielen sicher nicht nur als Mitglied der Wallflowers ein Begriff. Mit an Bord sind auch wieder der starke Slide-Gitarrist Mike McAdam und ein weiterer Klassemann an der E-Gitarre, Adam Shoenveld, der etatmäßig bei Big & Rich die Saiten bedient.

Und um es nochmal klar herauszustellen. Radney Foster ist schlichtweg wieder ein Sahneteil gelungen. Dem leicht Stones-infizierten, Slide-angerockten, rootsigen, trockenen „Drunk On Love“ folgt mit „Sweet And Wild“ ein wunderbar melodischer Americana-Midtemposong. Bei beiden Songs glänzt neben der starken instrumentellen Umsetzung Sarah Buxton mit ihrer klasse Stimme im Background, die gegen Ende der Stücke mit in den Vordergrund tritt. Die Ballade „The Kindness Of Strangers“ lebt von Foster’s starker Akustikgitarrenarbeit, toller atmosphärischer Cello-Untermalung und einem bewegend geschriebenem und gesungenem Text. Ganz große Klasse!

Der anschließende, exzellente, forsche Retro Country-Rocker „Big Idea“ (erinnert stark an alte Foster & Lloyd-Hits) reißt einen regelrecht aus der poetischen Welt des Vorsongs, und bildet den gelungenen Vorläufer zum Center-Song des Gesamtalbums, „Half Of My Mistakes“. Was für eine herrliche Melodie! Auch hier wieder ein toller Text, der Menschen dazu ermutigt, viele Dinge im Leben einfach zu riskieren, auch wenn mal etwas schief laufen sollte.

Der Lerneffekt und viele positive Dinge, die sich trotzdem daraus entwickeln, sind laut Foster nicht zu unterschätzen. Den gleichen Song hat vor geraumer Zeit fast ebenso gut Jace Everett auf seinem Erstling, allerdings etwas mainstreamiger, interpretiert. Bei Radney Foster wirkt das Stück etwas kantiger, zurückhaltender und einen Schuss introvertierter. Starke Slide-Arbeit hier vom bereits erwähnten Mike McAdam. „New Zip Code“ (mehr balladesk) und „Prove Me Right“ (wäre auch durchaus von der Randy Rogers Band oder Chris Knight coverbar) liefern wieder etwas leichter verdauliche, überaus melodische Gute Laune-Kost, letzteres in durchaus Nashville-kompatibler, radiotauglicher, wenn auch leicht rootsiger Country-Manier, voller Hooklines, die ein wenig an Radney’s Frühwerke erinnern. Stark hier die angenehmen Fiddle-Fills. Eine weitere „Killer“-Ballade folgt mit „Fools That Dream“.

Im Background diesmal die zauberhafte Kim Richey, die auch beim Vorgänger schon ihre Stimme zur Verfügung gestellt hat. Zum Abschluss folgt dann noch mal ein herrlich locker dahinfließender, super-melodischer Alternate Country-/Roots-/Americana-Song, den Foster zusammen mit Jack Ingram komponiert hat. Neben dem eingängigen Rhythmus und den lässigen Drums stechen hier die immer wieder eingestreuten und punktgenauen Stratocaster- und Slide-Fills im harmonischen Wechselspiel heraus. Klasse Orgelarbeit auch vom Rami Jaffe. Das Stück hält einen noch Minuten nach Ende der CD regelrecht gefangen. Ein würdiger Abschluss eines wieder einmal großen Albums!

„This World We Live In“ etabliert und festigt Radney Fosters Platz in die Riege der heutigen, wichtigen, ganz großen texanischen Singer-Songwriter im Country-/Americana-Bereich nachhaltig. Durch und durch beeindruckende und fesselnde Musik!

Sony Music, Dualtone Music Group (2007)
Stil:  Country Rock

01. Drunk On Love
02. Sweet And Wild
03. The Kindness Of Strangers
04. Big Idea
05. Half Of My Mistakes
06. New Zip Code
07. I Won’t Lie To You
08. Prove Me Right
09. Fools That Dream
10. Never Gonna Fly

Radney Foster
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Radney Foster – Another Way To Go – CD-Review

Ich bin immer wieder erstaunt und frage mich oft, wie viele gute Musiker und Songwriter dieses Land Amerika noch aus dem Zylinder zaubert.
Okay, der Name Radney Foster ist nicht gerade neu im Musikbusiness, aber ich kannte ihn bis jetzt nur als Autor von Liedern, die von Interpreten wie z.B. The Kinleys, Dixie Chicks oder Hootie & The Blowfish gecovert wurden.

Seiner Biographie entnehme ich, dass dies die erste Solo-CD seit vier Jahren ist, nachdem er in früheren Tagen auch als Duo mit seinem Partner Bill Lloyd schon einige Achtungserfolge errang. Beim ersten Reinschnuppern fand ich die Scheibe, die man sicherlich nicht als typisch New-Country charakterisieren kann, noch ziemlich unspektakulär. So nach und nach hat sie sich aber immer mehr in mein Herz geschlichen.

Vielleicht ähnlich wie Lee Roy Parnell zuletzt mit „Tell The Truth“, hat Foster zu den traditionellen („Scary Old World“ / „Disappointing You“) und modernen („Real Fine Place To Start“ / „Sure Feels Right“) Countryparts auch Bluesrock- („I Got What You Need“), Americana- („Tired Of Pretending“), Westcoast- („Again“ / „Love Had Something To Say About It“ / „What Are We Doing Here Tonight“) und ein paar leichte Gospelelemente („What It Is That You Do“) miteingebracht.

In ein festes Schema kann man dieses Werk sicherlich nicht fassen. Und so ist der Titelsong „Another Way To Go“ (ein wahres Killerstück) auch eine perfekte Umschreibung des Ganzen. Zitat Radney Foster. ‚Mir wurde mal gesagt, dass man einer bestimmten Formel folgen sollte, um Erfolg zu haben. Aber es ist genau umgekehrt. Die Regeln zu brechen, bringt meistens die kreativste Art von Musik zum Vorschein!‘ In seinem Fall kann ich dies nur bejahen.

Trotz der wechselnden Stile sind die Übergänge beim Erzählen seiner Geschichten fließend und kaum merkbar. Hier passt ein Zahnrädchen ins andere. Die Melodien der einzelnen Stücke sind durchgehend auf hohem Niveau. „Another Way To Go“ ist für mich eine der stärksten CDs des Jahres und Leute, die Lee Roy Parnell, Pat Green, John Hiatt, Trace Adkins, ruhige Bottle Rockets oder Jackson Browne mögen, sollten hier ganz schnell zugreifen.

Sony Music, Dualtone Music Group (2002)
Stil:  Country Rock

01. Real Fine Place To Start
02. Everday Angel
03. Again
04. Sure Feels Right
05. Disappointing You
06. I Got What You Need
07. Tired Of Pretending
08. What It Is That You Do
09. Scary Old World
10. Love Had Something To Say About It
11. What Are We Doing Here Tonight
12. Just Sit Still
13. Another Way To Go

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Radney Foster / Del Rio Texas: Revisited Unplugged & Lonesome – CD-Review

Zwanzig Jahre nach seinem Solo-Debüt „Del Rio. Texas 1959“ hat Radney Foster auf vielfachen Wunsch seiner Fangemeinde, das Album in einer Unplugged-Version neu eingespielt. Zuvor hatte er als Part des Duos Foster & Lloyd bereits Erfolge erzielt, sich aber 1990 von seinem Partner getrennt (übrigens haben er und Bill Lloyd letztes Jahr auch ein recht schönes Comeback-Werk veröffentlicht).

Radney Foster hat sich seit jener Zeit prächtig entwickelt. Mittlerweile ist er in den Staaten ein hochangesehener Interpret, Songwriter und auch Produzent, der für Qualitätsprodukte garantiert. Viele Kollegen wie z. B. Keith Urban, Dixie Chicks, Sara Evans oder Darius Rucker (Hootie & The Blowfish) wurden durch ihn inspiriert und coverten seine Songs. Hier bei uns in Deutschland ist er aber ein immer noch viel zu wenig beachteter Künstler. Ähnlich wie bei Keith Urban, darf ich mir auf die Fahne schreiben, ihn schon relativ frühzeitig mit seiner CD Another Way To Go mal bei uns vorgestellt zu haben.

Wenn man so ein Projekt bespricht, bietet es sich quasi an, beide Werke zu vergleichen, obwohl dies nach so vielen Jahren hier eher wenig bringt, zumal das eine elektrisch und das andere richtig ‚naturbelassen‘ eingespielt wurde. Fosters Erstling wirkt – kurz zusammengefasst – in der Nachbetrachtung viel mehr retro (teilweise wie im Jukebox-Sound der 60er) und mit einem deutlich höheren Honkytonk-, und Dancehall-Flair behaftet.

Was in jedem Fall aber deutlich erkennbar ist, ist der spürbare Reifeprozess, den Foster im Laufe der Zeit durchlebt hat, und vor allem das Zulegen an Charisma, das durch seine angenehme Stimme heute deutlich offenbart wird. Für die Unplugged-Version hat Radney einen edlen Kreis an Musikern (Marty McGuire, Jon Randall Stewart, Steve Fishell, Brady Black von der Randy Rodgers Band, Michael Ramos, Matt Borer und Glenn Fukunaga) und Backgroundsängern (Dan Baird, Jack Ingram, Marc Broussard) und -sängerinnen (Jessi Alexander, Ashley Arrison, Georgia Middleman) im Kreise versammelt und alles an einem Wochenende ohne jeglichen technischen Firlefanz eingespielt. Sicherlich beneidenswert, wer diese magisch anmutende Arbeit, live im Studio verfolgen durfte.

Die Trackliste wurde zum Debüt variiert, dazu gibt es mit „Me And John R.“ noch einen herrlichen neuen Track, der sich im Gesamtgefüge einordnet, als hätte er immer schon dazugehört. Aus den herbeigeschafften Saiteninstrumenten (Akustikgitarre, Mandoline, Dobro, Weisenborn, Shuitar, Fiddle, Cello, Upright Bass) wird wirklich so alles herausgeholt, was möglich ist. Hier klingt, surrt, zirpt, quietscht und leiert es an allen Ecken und Enden, dass es eine Freude ist. Dazu kommen noch wohlige, grandios unterstützende Wurlitzer-, Akkordeon- und dezente (Pinsel-) Drum- und Percussion-Zutaten.

Steve Fishell, der das Debüt damals produziert hatte, mit seiner filigranen Dobro-Arbeit und die Fiddler McGuire und Black sowie natürlich Foster mit seinem hervorragenden, trockenen, teilweise introvertiert klingenden Gesang hinterlassen dabei, den bleibendsten Eindruck. Auch die süßen Harmonies der o. a. Damen (ihre männlichen viel prominenteren Pendants bleiben dagegen eher unauffällig) bereiten dem Rezensenten süffisanten Genuss. Eine, was diese Musik betrifft, zugetane Arbeitskollegin von mir, war auch direkt nach nur wenigen Klängen vom klaren und reduzierten Sound fasziniert. OT:  „Da kann man ja fast jeden String einzeln hören.“

Insgesamt betrachtet ist Radney Fosters „Del Rio. Texas Revisited Unplugged & Lonesome“ die perfekte Umsetzung einer tollen Idee. Hier macht es Spaß sich zurückzulehnen und relaxt dem Gebotenen zu lauschen und dabei natürlich viel feines musikalisches Fingerspitzengefühl und Können zu entdecken. Teilweise kommt es einem vor, als wenn man mit dabei säße. Ich bin jetzt schon gespannt (falls Radney und meine Wenigkeit es hoffentlich noch erleben sollten…) was dieser sympathische Musiker aus Del Rio sich im Jahre 2032 zu dieser Platte einfallen lassen wird…

Devil’s River Records (2012)
Stil: Country

01. Just Call Me Lonesome
02. Don’t Say Goodbye
03. Easier Said Than Done
04. A Fine Line
05. Me And John R.
06. Nobody Wins
07. Old Silver
08. Louisiana Blue
09. Closing Time
10. Hammer And Nails
11. Went For A Ride

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Hands On The Wheel – River Of Time – CD-Review

Mein Review zur Neuauflage des Albums „Restless Heart“ von Ende 2009 endete mit der hypothetisch gestellten Frage, ob Tom Ripphahn nicht Lust hätte, mal wieder neues Hands On The Wheel-Material zu kreieren. Ob dies der Stein des Anstoßes war, lass ich mal dahingestellt, Fakt ist aber, dass mit „River Of Time“ jetzt knapp anderthalb Jahre später ein neuer Hands On The Wheel-Silberling vorliegt.

Ein schönes Album, ich mag einfach diese entspannte, melodische amerikanisch angehauchte, filigran gespielte Musik, ich mag Tom Ripphahns Stimme. Zudem stammt er aus der gleichen Altersriege und seine Texte und Biografie beinhalten diverse Ähnlichkeiten (zu Erlebtem in meiner sportlichen Vergangenheit). Im Prinzip reflektiert er exakt die Erfahrungen, Weltanschauungen, Probleme und Freuden von Leuten wie mir, die voll im Leben stehen und jetzt stramm auf die Fünfzig zugehen. Im Groben und Ganzen entdecke ich fast so was wie eine weitläufige Seelenverwandtschaft.

„River Of Time“ beinhaltet acht neue Tracks, ein recht gelungenes Neil Young-Cover („Don’t Let It Bring You Down“ von „After The Goldrush“ mit sehr schönen Kontrasten zwischen akustischen und heftigen elektrischen Parts) und eine hauptsächlich akustisch gehaltene Neuauflage von „Face The Music“ (mit ganz dezenten E-Gitarrentupfern, Toms Gesang kommt dafür besser zur Geltung), wobei mir aber die ‚Voll‘-Version auf „The Seed“ letztendlich doch besser gefällt (nicht zuletzt auch wegen den weiblichen Backs und der schwungvolleren Note). Beim Vergleich der Lieder und Zuhilfenahme des Booklets fiel mir übrigens zu meiner eigenen großen Überraschung auf, dass Tom auf diesem Werk damals zwei Stücke mit dem von mir ebenfalls sehr geschätzten Steve Azar komponiert hatte. Das war mir bisher völlig durchgegangen.

Die neuen Nummern halten alle das gewohnte gute Hands On The Wheel-Niveau vergangener Tage, wobei Tom sich nicht den Gegebenheiten der heutigen Zeit angepasst und sämtliche Songs völlig ‚organisch‘ belassen hat, was bedeutet, dass nicht am PC nachbearbeitet wurde. Für zwei Kompositionen ist wieder sein alter Weggefährte Dave Meaney (mit-) verantwortlich (der Opener „Make It Home“, ein entspannter Midtempotrack und das am Ende recht anklagende, z.T. psychedelisch gestaltete „Justice“). Den Löwenanteil hat Ripphahn mit dem bei Blue Rose unter Vertrag stehenden Musiker Markus Rill ins Leben gerufen. Rill steuert ansonsten nur einmal Harmoniegesänge auf „Way Down At The End Of The Hall“ bei (ein recht grimmig, mit leicht verfremdeter Stimme gesungener Song, der mich ein wenig an die Bottle Rockets erinnert).

Zu meinen persönlichen Favoriten zählen das lebensbilanzierende, nachdenklich dahinströmende Titelstück „River Of Time“, das mit Dobro und Pump Organ verzierte, herrlich relaxte „With Every Passing Day“ (fast wie eine HOTW-Interpretation von Dire Straits‘ Brothers In Arms, wunderbar hier, wie auch bei einigen anderen Tracks, Ripphahns einfühlsames Mundharmonikaspiel), das sehr klug gestrickte „Kiss & Run“ (leider das einzige Lied mit weiblichen Backs, schönes E-Solo) und das atmosphärische „Last Ride Home“ mit seinem wunderschönen folkig angehauchten Refrain als absolutes Highlight. Toll vor allem, wie hier im Text eine Liebesgeschichte mit unterschwelliger Gesellschaftskritik verschachtelt wurde. Ein Kandidat für meinen Song des Jahres 2011. Klasse!

Mit „River Of Time“ ist Tom Ripphahn, alias Hands On The Wheel, wieder ein starkes Werk gelungen. Wer die früheren Outputs mochte, wird auch dieses Album mit Genuss aufsaugen, auch wenn es unter anderen Vorzeichen kreiert wurde. Man merkt Ripphahn mittlerweile den Musiker an, der, frei von Zwängen (mit eigenem Studio, Label und Vertrieb), mit sich ins Reine gekommen ist. Das spürt man durch jede Faser dieser CD. Wie gewohnt, gibt auch die äußerliche Aufmachung was her (Super Jewel Box, mehrseitiges Booklet mit allen Texten, mit denen es sich zu beschäftigen lohnt und vielen Bildern, mit der einzigem kleinen Unstimmigkeit, dass man den zweiten Part der ‚Words‘ von „River Of Time“ auf den oberen Teil der folgenden Seite hätte packen können…).

Fotografiert hat übrigens der von Tom mittlerweile produzierte, Ex-Fury In The Slaughterhouse-Sänger Thorsten Wingenfelder. Ein sehr empfehlenswertes Gesamtprodukt, das Tom Ripphahn auch im Rahmen seiner anstehenden Live-Auftritte (allein oder zu zweit) intensiv präsentieren wird!

analoghaus (2011)
Stil:  Americana

01. Make It Home
02. Jenny & Johnny (Shelter From The Cold)
03. River Of Time
04. Way Down At The End Of The Hall
05. With Every Passing Day
06. Kiss & Run
07. Don’t Let It Bring You Down
08. Face The Music
09. Last Ride Home
10. Justice

analoghaus

Hands On The Wheel – Restless Heart – CD-Review

Es scheint wirklich wahr zu sein. Oft regeln sich Dinge im Leben von alleine, man muss halt nur lange genug warten können. Da ich aber gewöhnlich einem irdischem Dasein fröne und (leider) in die Hektik und den Stress der heutigen Zeit voll eingebunden bin, ist diese wohl eher auf Musiker übertragbare Lebensphilosophie relativ untypisch für mich (auch wenn ein nicht unerheblicher Teil meiner Zeit in Musik investiert wird). Ein Review über eine Scheibe von Hands On The Wheel hatte ich schon länger geplant (insgeheim dabei aber immer auf eine neue Comeback-CD gehofft), der aber kontinuierliche Wust an zu besprechenden aktuellen Sachen ließ dieses Vorhaben bis auf Weiteres auf sich beruhen.

Für unsere traditionelle Weihnachtsaktion (da besprechen wir ja meist ältere Kamellen – bei den meisten Kollegen ‚Klassiker‘ genannt, die dann ihren fortwährenden Nostalgie-Wahn offiziell mal so richtig ausleben können… – vornehmlich verdienter Bands, die es, aus welchen Gründen auch immer, bisher nicht in unserem Künstlerindex geschafft haben) kamen Hands On The Wheel aus meiner Sicht noch nicht in Frage, zum einen ist das ‚Verfallsdatum‘ ihrer Scheiben nicht lange genug abgelaufen, zum anderen klingt die Band trotz der vergangenen Jahre meines Erachtens auch heute noch zu frisch, um sich da in die Riege mancher Dinos einzureihen.

Kommen wir aber zu meinem Intro. Da schneit vor einigen Tagen dann doch tatsächlich aus dem Nichts eine vom Mastermind Tom Ripphahn persönlich geschickte Hands On The Wheel-Scheibe in unser Hauptquartier zur Besprechung herein. Es ist zwar ’nur‘ ein remastertes Teil ihrer eigentlichen Debüt-CD „Restless Heart“, die schon im meinem Besitz ist (wie alle ihrer anderen Werke auch), aufgewertet allerdings durch ein paar Bonustracks, inkl. zweier unveröffentlichter Stücke und, wie ich mittlerweile vor mir sehe, auch mit dem für die Band bei allen anderen Werken üblichen, ausführlichen und meist klasse gestalteten Cover/Booklet versehen (was bei der Independent-Veröffentlichung naturgemäß aus Budget-Gründen damals vermutlich nicht der Fall war).

Hands On The Wheel nahmen Mitte der neunziger Jahre bei mir persönlich die Stellung ein, die heute die Band Of Heathens inne hat. Die Band hatte in ihren Songs von allem so ein bisschen, was bei mir oben in der Geschmacks-Prioritätenliste angeführt war und mit kleinen Ergänzungen auch bis zum heutigen Tage weiterhin zu den Präferenzen zählt. Immer fein instrumentierte Melodien, eine extravagante Charakterstimme (Ripphahns von scheinbar chronischer Heiserkeit geplagtes Vokalorgan, sein wie kaum bei einer anderen deutschen Band so authentisch amerikanisch klingender Gesang), die letztendlich in einer Mischung aus rootsigem Rock, Southern Rock – klasse fand ich immer, dass sie oft weibliche Backs mit einbanden -, Country – Dobro-, Mandolinenbeteiligung – und dezenten, aber immer niveauvollen Pop mündeten, was heute unter dem Oberbegriff ‚Americana‘ eingeordnet werden kann (mittlerweile kommen in meinem Fall, wie bekannt, der New Country und vor allem noch der Red Dirt hinzu).

Kommen wir zu „Restless Heart“. In meinem persönlichen HOTW-Ranking, stand sie bisher, ehrlich gesagt, aufgrund der Kürze, der spärlichen Covergestaltung, und des Umstandes, dass ich sie mir als letztes zugelegt hatte (dadurch kannte ich einige Songs auch schon) an letzter Stelle, ohne dabei allerdings von der musikalische Qualität zu enttäuschen. Mein Lieblingswerk ist und bleibt ihre letzte Scheibe „Promised Land“ (1996) und als Titel, das darauf befindliche, grandiose „Get Where You’re Going“. Ihren kommerziellen Höhepunkt (zu dieser Zeit mit Major-Label im Rücken) erlebte die Band allerdings mit „The Seed“ (von 1994 – tolle Covergestaltung!), der Supports für keine geringeren Interpreten als Joe Cocker, Bob Dylan, Huey Lewis oder Nils Lofgren zur Folge hatte.

Die Stammsongs von „Restless Heart“ wirken durch das jetzige Remastering, rein subjektiv betrachtet, dezent frischer und zeigen sich vom klanglichen Gefühl her etwas klarer und voluminöser. Die als Bonus beigefügten, modifizierten Einspielungen bereits bekannter Songs sind als gelungen zu betrachten. Die ergänzten weiblichen Backs bei „Rainy Town“ und „Ghost Train“ gefallen mir dabei besonders. Die unveröffentlichten „Going Through A Hard Time“ (flockiger, dezent Country-infizierter Rock mit Akustikgitarrenuntermalung, E-Fils, Organ, klasse Backs und Harmonies) und das gitarrenlastige, entspannte Instrumental „The Desert“ sind angenehme Zubrote in gewohnter Qualität. In dieser Form ist das Werk jetzt in jedem Fall eine Empfehlung wert.

Bandleader Tom Ripphahn verbringt heute vornehmlich seine Zeit damit, im eigenen Studio andere Interpreten zu produzieren (u.a. Ex-Fury In The Slaughterhouse Thorsten Wingenfelder, I Saw Elvis, Abi Wallenstein, Anne Haigis) und dazu zum Teil mit einigen seiner neuen Songkreationen zu bedienen. Er spielt aber öfter auch noch solo oder im Duo in kleineren Clubs, wo dann einige Hands On The Wheel-Songs mit im Programm integriert sind. Ich persönlich hätte mittlerweile aber auch nichts gegen eine ‚richtige‘ Hands On The Wheel-Reunion mit dem dazu gehörigen neuen Output. Kein Bock, Tom?

analoghaus (2009), Roving Records (1991)
Stil:  Americana

01. Gotta Get Away
02. Still Waters Run Deep
03. Restless Heart
04. Ghost Train
05. In Your Eyes
06. Here And Now
07. For Your Love Part I
08. For Your Love Part II
09. Never Going Home

Bonus Tracks: 
10. Rainy Town
11. Going Through A Hard Time
12. Back To The Wall Of History
13. Don’t Want To Be Your Lover Anymore
14. Ghost Train
15. The Desert

analoghaus

Steve Mednick / Ambling Toward The Unknown – CD-Review

Med

Steve Mednick ist neben seinem musikalischen Treiben in erster Linie Rechtsanwalt. Rechtsanwälte kann ich, um ehrlich zu sein, überhaupt nicht ausstehen. Ich halte sie neben einigen anderen Gruppierungen unserer immer unerträglicher werdenden Gesellschaft für eines der großen Grundübel unserer Zeit, wobei mir natürlich nicht fremd ist, dass man solche Sachen eigentlich immer differenziert betrachten muss und keine Allgemeinurteile fällen sollte.

Aber, wenn ich allein schon an meinen nervtötenden, arroganten, Klassik-liebenden Nachbarn (man fragt sich, vor allem angesichts seines verkorkstem Lebens und asozialen Verhaltens, warum) denke, der bei mir ständig im Innersten teuflischste Mordgelüste erweckt und ich dabei noch gewisse äußerliche Ähnlichkeiten zu einem Mednick-Foto im Inneren des Digipacks konstatieren muss, sollte ich sofort mein Review-Mandat zu „Ambling Toward The Unknown“ wegen Befangenheit niederlegen und die CD in die Kollegenrunde weiterreichen.

Tolerant und profihaft, wie sich der Countryman aber in letzter Instanz gibt, habe ich mich nach dem mehrmaligen Durchhören des Werkes dann doch entschlossen, dieser schon länger existierenden Scheibe ein paar Zeilen zu widmen. Zum einen, weil die Biografie hervorbringt, dass er sich als engagierter Bürgerrechtler verdient gemacht hat und sich zudem auf diesem Werk als Bush-Gegner („Time For A Change“) profiliert. Das macht den Rechtsanwalt, wie auch den Musiker und Menschen Steve Mednick sympathisch.

Rein musikalisch gesehen bietet der Protagonist einen etwas kauzigen Roots Rock an der Schnittstelle zum Singer/Songwritertum mit einigen netten Songs (aber auch kleinen Hängern und Längen) und zum Teil ganz markanten E-Gitarrenleistungen (gut hier Billy Kotsaftis).
Die Stimme Mednicks pendelt irgendwo zwischen einem John Hiatt und Bottle Rockets-Frontman Brian Henneman und erzeugt naturgemäß letztendlich auch Assoziationen zur Musik benannter Künstler, allerdings eher in der ‚mit angezogener Handbremse‘-Version und ohne sicher auch deren Breite in der Publikumsgunst erreichen zu werden.

Insgesamt ein typisches Independent-Album, dass man sich in ruhigen Stunden mal bei einem Gläschen Wein gemütlich reinziehen kann. Nicht mehr und nicht weniger. Zumindest ist es ihm gelungen, meine negative Sicht in Bezug auf seine Berufszunft abseits des Künstlerlebens ein wenig aufzupolieren!

Eigenproduktion (2007)
Stil: Americana

01. Wherever Path Lead
02. St. Lucia Morning
03. Howard’s Run
04. Words
05. State Road 55
06. Rules Of Order
07. A Lost Child
08. To A Distant World
09. Grave Rolling
10. Prelude To The Fall/Jacksonville
11. Devil In The Woods
12. Time For A Change
13. A Silent Surge

Steve Mednick
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Hemifrån

Todd Thibaud – Waterfall – CD-Review

Wasserfälle hatten für mich schon immer etwas Magisches, Bewegendes an sich. Ein toller ergreifender Anblick, die gewaltigen Massen des feuchten Gutes von oben herab in die Tiefe rauschen zu sehen. Ein wahres Naturspektakel!

Auch Todd Thibauds Musik hat, seit mein früherer Schreibkollege Manni Hüther mich mit der Nase auf sein „Little Mystery“-Album stieß, über die Jahre in ihrer Anziehungskraft und Faszination auf mich stetig zugenommen. Man kann sagen, der in der Nähe von Boston lebende Singer/Songwriter zählt trotz meiner Hauptvorlieben für Southern Rock und New Country mittlerweile zu meinen absoluten Lieblingsinterpreten.

Vier Jahre sind tatsächlich seit seinem überragenden Werk „Broken“ schon wieder ins Land gezogen, in der Zwischenzeit gab es allerdings ja noch die schöne Live-DVD sowie seine erneute Kollaboration mit Kumpel Joseph Parsons. Auch sein neues Album „Waterfall“ (natürlich wieder unter Blue Rose-Flagge) weiß wieder auf ganzer Linie zu überzeugen. Allein der fulminante Auftakt mit den herrlich flockigen, Heartland-trächtigen Openern „What May Come“, „Not For Me“ (mein Lieblingstrack des Silberlings), dem poppig verspielten Titelstück und dem atmosphärischen, leicht 70ies umgarnten „When The Evening Falls Apart“ ist schon allererste Sahne.

Das rockige „Hollow“ (mit Mellencamp-/Springsteen-Flair, kommt mir irgendwie bekannt vor, als wenn er es schon früher mal live gespielt hätte), läutet die zwei Überraschungen des Longplayers ein. „Lonesome June“ kommt mit seinem Schifferklavier in einer Art ‚Sailor (kennt die jemand diese grässliche Formation noch?) goes Americana‘ daher und würde der Name des nächsten James Bond-Filmes „Stranger“ lauten, hätte Todd direkt eine Bewerbungsgrundlage für das Titelstück zu bieten (dunkler Barroom-Schwofer mit unterschwelligem Stray Cats-Flair und integrierten Bläserelementen).

Ab da geht es dann in bewährter Thibaud-Manier weiter. Schöne, melodische von dezenter Introvertiertheit, manchmal auch Melancholie („All In A Dream“, „Evermore“) geprägte Nummern, pendelnd zwischen Pop, Rock, Country und Roots-Gefilden, mit intelligenten Texten und wunderbar instrumentiert. Dazu natürlich Todds sich sanft ins Ohr einschmeichelnde Wohlfühlstimme.

Stark hier ganz besonders das recht forsch und aggressiv voranpreschende „Wears Me Down“ (klasse die rotzigen Backs von Jen D’Angora) und das herrliche Zusammenspiel zwischen Thibauds Akustikgitarre, Thomas Julianos gurrender Dobro und Sean Staples Mandolinengezirpe beim abschließenden Lovesong „Evermore“.

Auffällig zum letzten Album ist diesmal, dass Todd etwas prägnanter E-Gitarren, (auch weibliche) Harmoniegesänge/Backs mit einfließen lassen hat (toll vor allem hier Chris Toppin). Die Einbindung von Bläsern und auch die Neubesetzung der Keyboards mit Ben Zecker (mit allerlei schön dosierten Orgel-, Piano- und Synthie-Spielereien) erweist sich als Glücksgriff.

So bleibt mir am Ende nichts weiter übrig, als Todd Thibauds neue CD „Waterfall ein weiteres Mal in höchsten Tönen zu loben und meine Vorfreude auf sein Konzert in Wesel Ende April (weitere Daten seiner Tournee siehe in unseren Tourterminen) kundzutun! Die schöne Gestaltung des DigiPaks inklusiv des eingesteckten Booklets mit allen lesenswerten Texten werten die Sache zudem noch weiter auf. Great stuff again, Mr. Thibaud!

Blue Rose Records (2013)
Stil: Singer/Songwriter / Americana

01. What May Come
02. Not For Me
03. Waterfall
04. When The Evening Falls Apart
05. Hollow
06. Lonesome June
07. Stranger
08. All In A Dream
09. My Own
10. Wears Me Down
11. Change A Thing
12. Evermore

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