Scott Weis Band – Live in Europe – CD-Review

Die Scott Weis Band sahnte selbst zu meiner eigenen Überraschung im letzten Jahr unseren Titel des‘ Interpreten des Jahres‘ ab. Ein tolles Studioalbum und ein sehens- und natürlich besonders hörenswerter Gig im Dortmunder Blue Notez Club gaben dafür den Ausschlag.

Während der Tour in unseren Sphären wurde, wie sich jetzt herausstellte, fleißig mitgeschnitten. Allerdings nicht mit den aufwendigen Mitteln, die üblicherweise bei der Erstellung eines Live-Albums verwendet werden, sondern lediglich mit vier Mikrophonen und einem 2 Track Board Mixer.

Da sie von vielen Fans gespiegelt bekommen hatten, dass ein Live-Werk ’ne tolle Sache wäre, hatte man sich dann am Ende zur Veröffentlichung einer CD mit Bootleg-Charme früherer Zeiten mit dem Titel „Live In Europe“ entschieden. Auch wenn ich nicht unbedingt ein Freund solcher Produkte bin, so hat sie doch, aufgrund der Tatsache, dass auch zwei Tracks aus dem Blue Notez enthält, (das fulminat rockende „Right Where It Belongs“ und herrliche Cover „Have You Ever Loved A Woman“ mit herrlicher Harpeinlage von Scott) einen ungeahnten Wiedererkennungswert für mich persönlich, der dem Gig leibhaftig beigewohnt hat. 

Ansonsten erhält die Scheibe noch Aufnahmen aus der Tenne in Oederan,, dem Raven in Straubing und dem Kultur-Bahnhof in Olsberg. Auch wenn die Abmischung nicht die tollste ist, Weis‘ eigentlich kräftige Stimme, wirkt hier bis auf wenige Ausnahmen sehr hintergrundlastig, bekommt man ganz schnell ein gutes Abbild der ungemeinen Spiel- und Gesangsfreude (Im Blue Notez war er sogar von einer Erkältung mitgenommen) des Fronters, und der Schlagkräftigkeit seiner Rhythmusfraktion, bestehend aus Robert Kopec am Bass und Roger Voss m Schlagzeug.

Allein die grandiose Adaption von Chris Stapletons „Tennessee Whiskey“  und der wunderbare Schwofer „Something Is Wrong With My Baby“ sind schon den Kauf der Scheibe wert. ZZ Top kann das Trio auch, wie es „Jesus Just Left Chicago“ eindrucksvoll im vorderen Teil offenbart.

Leute mit einem Faible für launig gespielten Blues Rock mit viel Southern-Esprit und unendlich vielen quirligen E-Gitarren-Soli, die es gerne authentisch haben und nicht die Ultra-Sound-Fetischisten sind, werden die Scheibe genießen. Und für diejenigen, die bei den Gigs dabei waren, stellt sie in jedem Fall eine schöne Erinnerung dar, mit der man die Band auch weiterhin unterstützt.

Eigenproduktion (2024)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Raise Your Hands
02. All Over Again
03. Jesus Just Left Chicago
04. Tennessee Whiskey
05. Simmer Me Down
06. Pride And Soul
07. Mindless
08. Into Your Eyes
09. Something Is Wrong With My Baby
10. Motherless Child
11. Bitch Please
12. Right Where It Belongs
13. Promise Land
14. Have You Ever Loved A Woman

Scott Weis Band
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Joey Nevada – The Ride – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als die Countrymusiker Tim McGraw, Toby Keith oder George Strait ihre ersten Platten veröffentlichten, steckte Joey Nevada nicht einmal in seinen ‚Baby-Boots‘. Dass er aber grade diese Musiker als wichtige Vorbilder benennt, muss als gewaltige Hausnummer erst gestemmt werden. Ob seichter Pop-Country von McGraw, die rockigen Southern-Accents bei Keith oder der eher traditionelle Country-Stil von Strait – Joey Nevada gelingt es, sich der Bandbreite seiner Idole anzupassen und das berühmte Southern-Feeling ausgiebig zu verbreiten.

Leider weist das LP-Cover nicht auch James Brickey als Interpreten aus. Dieser ist die kreative Kraft hinter Joey Nevada. Er wirkt als Songschreiber, Gitarrist und Produzent der vielversprechenden Country-Group mit. In der Band um den charismatischen Frontmann beweisen neben dem bereits erwähnten 24-jährigen James Brickey auch dessen Bruder Justus (21 Jahre) am Bass und Rob Shields (23 Jahre) am Schlagzeug ihr Können, denn man bekommt mit „The Ride“ eine abwechslungsreiche Reise durch die Gefilde des modernen Southern Rock geboten – mit echten Highway Songs zum Aufdrehen!

Exemplarisch dafür steht der melodische Road-Trip Opener „Midnight Drive“, der die Erwartungshaltung sofort steigert. Es folgen intensive Stücke, wie „Better Than You“ und „Lazy Day“ und neben Stadion-Rock mit „Good Times All Nighter“, der typische Sommer-Hit „Beach Bum“ – nicht nur für Strandbegeisterte geeignet und besonders empfohlen!

Selbst der langsam daher kommende Track „Didn’t Have A Clue“ entwickelt als prägende Ballade schnell ein angenehmes Country-Eigenleben. Youngster-Idealismus der feinsten Südstaaten-Art spricht aus dem weiteren Aufreißer „Sweet Southern Ride“, der als Titelsong des Albums erst unter Nummer zehn der Playlist präsentiert wird. Für ausufernde Tourneen quer durch die USA ist in den letzten Jahren vor allem Eric Church bekannt gewesen. Da passt es nur zu gut, dass Joey auf „Like Me“ die einzigartige „Chief Performance“ in kluger Voraussicht einübt.

Der Abschluss Track „Pop A Top Or Two“ beendet eine Top Newcomer Scheibe, die ihren Namensgeber zu Recht als Anwärter in die Klasse seiner großen Überväter erkennen lässt. Joey Nevada hat die Aufnahmeprüfung mit Prädikat bestanden, natürlich mit der Verpflichtung, die musikalische Bandleistung couragiert auszubauen und mit seinen Southern-Rock-Boots noch viele weitere Meilen zurückzulegen.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock, New Country

Tracklist:
01. Midnight Drive
02. Better Than You
03. If I Had It My Way
04. Lazy Day
05. Love Songs
06. Good Time All Nighter
07. Beach Bum
08. Didn’t Have A Clue
09. Pieces To The Puzzle
10. Sweet Southern Ride
11. Like Me
12. Pop A Top Or Two

Joey Nevada
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