Sari Schorr – Running Wild – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt, dass Sari Schorr, die in ihrer Schulzeit klassischen Gesangsunterricht hatte, nicht Opernsängerin geworden ist, wozu man sie ermuntert hat. Zu ihren Vorbildern zählen Blues- und Jazzsängerinnen wie Bessie Smith, Ma Rainey, Ella Fitzgerald, Etta James oder Billy Holiday, die zum Teil schon in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aktiv waren.

Später wandte sie sich dem Blues zu und war mit Größen wie Joe Louis Walker oder Popa Chubby auf Tour. 2016 erschien ihre erste CD, „A Force Of Nature“ mit dem famosen Innes Sibun an der Gitarre. Auch Walter Trout gab sich die Ehre. Die Songs waren bluesgetränkt mit rockigem Einschlag. Und dann war da noch diese unverwechselbar rauchige, kraftvolle Stimme. Nun liegt Album Nummer fünf vor, nachdem Sari Schorr, geboren in New York, zuvor auch mit Robin Trower zusammengearbeitet hat.

Auf „Running Wild“ ist von Blues nicht mehr viel zu hören mit Ausnahme von „Call It Freedom“. Es geht eindeutig in Richtung Rock, wobei die meisten Songs an den gitarrenlastigen Classic Rock der siebziger Jahre erinnern wie „Cool Hand Rider“, „Elevate“ oder „Better Days“.

Dabei, versteht sich, wird nicht „losgeprügelt“, sondern jeder Song hat seinen eigenen Spannungsbogen aus Rhythmus, Melodie und Feinschliff wie zum Beispiel auch mal ein Piano-Zwischenspiel. Gut zu hören ist das unter anderem beim melodischen „Man On Fire“, bei dem deutlich ein Gang zurückgeschaltet wird.

Sari selbst sagt: „,Running Wild‘ entstand aus Instinkt, Dringlichkeit und der Weigerung, auf Nummer sicher zu gehen. Ich bin immer noch auf der Suche und lerne dazu, aber ich vertraue meinen Instinkten mehr und folge jedem Song bis zu seiner emotionalen Wahrheit. Diese Songs handeln von Trotz, Selbstfindung, Widerstandsfähigkeit und Veränderung.”

Zu spüren ist das gleich im ersten Titel „Mr. In The Middle”, in dem es um eine Beziehung zwischen zwei Menschen geht, die einander nicht ganz loslassen können. „Willkommen in der realen Welt, der Welt, die du nicht im Griff hast“, singt sie.

Mich persönlich erinnert Sari Schorr an die vor Kurzem verstorbene kanadische Rocksängerin Sass Jordan, was ein weiteres Gütesiegel ist.

Provogue Records, Artone Label Group / Bertus (2026)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Mr. In The Middle
02. Running Wild
03. Monday Morning
04. Man On Fire
05. Cool Hand Rider
06. Elevate
07. Call It Freedom
08. Better Day
09. Afterglow
10. Finding My Way

Sari Schorr
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