
Review: Hans-Joachim Kästle
Gerade auf dem großen US-Markt gibt es durchaus hörenswerte Interpreten, deren Ruf es noch nicht über den großen Teich geschafft hat, obwohl sie schon lange im Geschäft sind. So flatterte jüngst die CD von Nicky T and The Snake Charmers auf den Redaktionsschreibtisch – eine Formation, die hierzulande bislang kaum Aufmerksamkeit erregt hat. Mit „Life On Life’s Terms“ hatten die Snake Charmers bereits vor fünf Jahren eine Sieben-Song-CD veröffentlicht. Nun liegt (endlich) die neue vor.
Die Band ist aus den bereits 1984 gegründeten Alligators hervorgegangen, die mit dem renommierten „Lifetime Achievement Award“ der Detroit Blues Society ausgezeichnet wurden. Gitarrist und Sänger Nicholas Tabarias alias Nicky T war den Alligators 2012 beigetreten. Der Namensgeber und seine Mannen verbinden den Traditional Blues mit dem Hier und Heute. Ab und zu kommt eine Prise Soul dazu wie gleich beim Eröffnungssong „That’s All I Need“ vom dem bereits im Alter von 32 Jahren verstorbenen Magic Sam. Diesem huldigt die Band später auch beim rockigen Gitarren-Instrumental „Thank You Magic Sam“.
Der zweite Titel „Mistreating Mama“ ist einer jener Traditional Blues mit Piano, Bläsern und natürlich Gitarre. Geschrieben haben den Song Nicky T und Greg Nagy. Nagy? Genau, jener Greg Nagy, den SoS Ende vergangenen Jahres vorgestellt hat. Er betätigt sich auch bei einem weiteren Titel, dem gitarrenbetonten, mit Bläsern unterlegten „The Glass“ und einem der Höhepunkte der CD, als Co-Autor und schmeichelt sich mit seiner ausdrucksstarken Stimme in die Gehörgänge. Als Gitarrist ist hier Ronnie Earl am Werk, Nickys Mentor. Darüber hinaus ist Nagy als Gastsänger noch zweimal vertreten: bei B.B. Kings „Guess Who“ und Bobby „Blue“ Blands „Lead Me On“ – zwei Mal Classic Blues.
Abwechslung muss sein, heißt es bekanntlich. Und so liefern die Snake Charmers mit „Feel Like A Hundred“ einen staubtrockenen Rock ‚n‘ Roll: Andy Szymanski hämmert auf dem Klavier, ehe Gitarrist Nicky T mit dem Sechssaiter den Chuck Berry gibt. Auch sonst ist alles drin: Ein facettenreicher Slow Blues wie das zehn Minuten lange Titelstück oder mit „Waiting On The Sunshine“ gar ein Boogie. Den Abschluss bildet die akustische Neuauflage des Titelsongs von 2021, „Life On Life’s Terms“, bei dem Kurt Crandalls Mundharmonika von Anfang bis Ende der Wegbegleiter ist.
Wieder einmal eine starke CD, die nicht unbeachtet bleiben sollte, nur weil man die Interpreten in unseren Breitengraden wahrscheinlich nicht kennt.
Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues
Tracks:
01. That’s All I Need
02. Mistreating Mama
03. Feel Like A Hundred
04. Guess Who featuring Greg Nagy
05. The Glass featuring Ronnie Earl and Greg Nagy
06. Thank You Magic Sam
07. Ain’t Wasting Time
08. Waiting On The Sunshine
09. Lead Me On featuring Greg Nagy
10. Charming The Snake
11. Life On Life’s Terms
