Lola Kirke – Lady For Sale – CD-Review

Just in dem Moment, wo sich die üblichen gesellschaftlichen Teile unseres Landes, mal wieder über ein harmloses Ballermann-Feier-Liedchen namens „Layla“ echauffieren (was am Ende nur wieder dazu führt, dass sich die Komponisten, dank der medialen Aufmerksamkeit, maximal ins Fäustchen lachen), hat auch Sounds Of South seinen ersten Riesenskandal!

Das ‚Corpus Delicti‘ heißt diesmal Lola, beziehungsweise Lola Kirke (der Name klingt ja schon fast Pornostarmäßig), in Wirklichkeit ist sie aber die Tochter von Bad Company-Drummer Simon Kirke), die auf dem Cover ihres Albums, um das es geht, mit sehr luftigem Oberteil, an das Dollarzeichen geheftet sind, ziemlich freizügig posiert, und das provokanter Weise auch noch mit „Lady For Sale“ betituliert ist. Und es kommt noch schlimmer, im Innenteil präsentiert die langmähnige Protagonistin ihre Rückansicht nur mit ein paar Cowboystiefel an den überkreuzten Beinen bekleidet, ansonsten aber so, wie sie von ihren Erzeugern erschaffen wurde. Ich bin total erschüttert!

Wenn es sich bei Lola Kirke nicht um eine britische Amerikanerin handeln würde, hätte ich jetzt spontan die Tagesthemen, das heute-journal, Anne Will, Maischberger, und wie sie alle heißen, gebeten, sofort zu übernehmen. Darf man solch ein offensichtlich sexistisches Werk in diesem Magazin überhaupt besprechen, bzw. promoten?

Ich meine ja, zumal man merkt, wenn man sich mit den Texten der Lieder etwas intensiver befasst (alle im Einsteckbooklet der CD enthalten), dass es sich bei diesem Werk nicht um niedere Motive handelt, sondern eher um Provokation als Mittel zum aufrichtigen Diskurs.

Über die von Lola Kirke überwiegend mit Austin Jenkins (der hat auch die Instrumente eingespielt und produziert) kreierten Songs ist musikalisch schnell geschrieben. Im Prinzip ist das eingängiger Pop im Stile der Achtziger/Neunziger Jahre (sie hat dafür die typische Stimme), zum Teil in Discofox-Manier tanzbar (u. a. „If I Win“, „Lady For Sale“), mit polternden Drums und gluckernden Synthies, aber auch mit Bariton-E-Gitarren-Hooks, Dobro  und leiernden Steelgitarren und sogar einmal mit etwas unterschwelligem TexMex-Flair („The Crime“). Das gibt dem Gesamtkontext eine dezente ironische Note.

Im Prinzip kommt die gesamte Scheibe so, als wenn sich die Sternchen der damaligen Zeit wie Cyndie Lauper, Pat Benatar oder Madonna, aus einer Sektlaune heraus, mal  eine Countrypopplatte gewagt hätten. Als Blaupause dafür steht für mich der Song „Better Than Any Drug“ den man sich unter dem verlinkten Video anhören, bzw. ansehen kann. Wenn man einen gewissen Humor und eine Portion Gelassenheit sein Eigen nennen kann, wird man dieser fast skurril anmutenden CD am Ende auf jeden Fall etwas abgewinnen. Lola Kirke – ein echtes Countrypop-Luder oder tatsächlich doch eine ernsthafte Frauenaktivistin?

Label: Third Man Records
Stil: (Country) Pop

Tracklist:
01. Broken Families
02. If I Win
03. Better Than Any Drug
04. Lady For Sale
05. Pink Sky
06. Stay Drunk
07. The Crime
08. Fall In Love Again
09. No Secrets
10. By Your Side

Lola Kirke
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