Kyla Brox – Pain & Glory – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

In die elterliche Blues-Band hineinzuwachsen und das Talent und die Leidenschaft für die Kunst der richtigen Töne zu entwickeln, ist sicherlich nur ganz wenigen Kindern von klein auf als Werdegang in die musikalische Wiege gelegt worden.

Dass die englische Blues-Sängerin Kyla Brox diese Erfahrungen schon bis ins Teenageralter sammeln konnte und mit „Pain & Glory“ bereits das neunte Album eingespielt hat, ist daher fast eine natürliche Folge der hervorragenden Ausbildung dieser frühen Begabungen.

Gleichzeitig konnte die über Jahrzehnte erprobte Entfaltung gesanglicher- und Songwriter-Fähigkeiten nicht verborgen bleiben und wurde leider erst 2018 in England und 2019 in Europa mit dem Blues Challenge Award belohnt. Auszeichnungen, die nicht nur Insidern den längst überfälligen Aufstieg von Kyla Brox offenbarten.

Und genauso klingt das aktuelle Album: Eine Herausforderung von 15 Eigenkompositionen und einem besonderen Songcover, die 60 Minuten feine und abwechslungsreiche Blues Unterhaltung bietet, – immer stilsicher in den Bereichen Soul, R&B, Blues Rock, Gospel und Pop.

Einen ersten Beweis hierfür liefert der Einsteiger-Track „For The Many“ ab, als volles Programm im Big Band Blues. Beim folgenden Titelsong „Pain & Glory“, einem langsamen Soul-Blues mit satten Bläser-Sätzen wird die Erkenntnis mehr als bestätigt, dass Kylas Stimme im Vordergrund der Arrangements die eigentliche Power und Eleganz auf allen Stücken ausmacht; so auch beim gefühlvoll swingenden R&B-Sound auf „Sensitive Soul“ und dem geradezu groovenden „Bluesman’s Child“, in mitreißender Song-Dynamik unverkennbar und im Text autobiographisch.

Die Wechselwirkung der sehr unterschiedlichen Songideen ist bemerkenswert und reicht vom funkigen Soul-Stück „Let You Go“ im Stile einer jungen Aretha Franklin, hin zu „Devils Bridge“, einem kurzen, ca. 2-Minuten-Track à la Sade. Über den typischen Blues-Rock mit erfrischendem Harmonika-Solo in „Bloodshot Sky“, bis zum traditionellen R&B-Shuffle inklusive altbewährtem Saxophon folgt die weitere Auswahl.

Eine schöne Piano-Ballade „Choose Life“ fehlt ebenso wenig, wie der Swing-Blues in „Top Of The World“ als effektvolle Variante. Und überall ist Kyla Brox in ihrem Element mit begeisterungsfähiger Stimmgewalt und temperamentvoller Blues-Power, wie im ausdrücklich zu nennenden Top-Stück „Don’t Let Me Fall“, das zwischen Soul und Pop angesiedelt ist und durch Paul Farrs E-Gitarre in ein rockendes Erlebnis gesteigert wird.

Dass die Ausstattung des Paperbacks ein schönes Poster, Texte enthält und selbstverständlich alle Bandmitglieder genannt werden ist eine willkommene Zugabe der insgesamt „runden“ Produktion.

Kyla Brox hat mit ihrem neuen Longplayer „Pain & Glory“ eine facettenreiche Blues-Platte abgeliefert, die durch ihre Liebe zur Musik offenkundig glänzt. Wer sich sogar traut, Leonard Cohen zu covern und ein 7-Minuten-Kunstwerk vom Song „Hallelujah“ anzubieten, zeigt überzeugendes Selbstvertrauen und eine vielseitige Persönlichkeit.

Pigskin Records (2019)
Stil: Blues

Tracklist:
01. For The Many
02. Pain & Glory
03. Sensitive Soul
04. Bluesman’s Child
05. Bloodshot Sky
06. Choose Life
07. Devil’s Bridge
08. In The Morning
09. Compromise
10. Let You Go
11. Away From Yesterday
12. Lover’s Lake
13. Don’t Let Me Fall
14. Manchester Milan
15. Top Of The World
16. Hallelujah

Kyla Brox
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