Chambers DesLauriers – Our Time To Ride – CD-Review

Hatte ich neulich noch angesichts eines CD-Reviews bei Monster Mike Welch vergebens das Monster in ihm gesucht, das seinen Spitznamen ziert, so bin ich beim Duo Annika Chambers und Paul DesLauriers, alias ChambersDesLauriers, fündig geworden, natürlich im positiven Sinne, abzielend hier allerdings besonders auf die brachiale Urgewalt in der Stimme von Annika Chambers (Tina Turner zu besten Zeiten lässt grüßen).

Die entspricht nämlich in ihrer Intensität einem monströs brodelnden Vulkanausbruch, samt damit verbundener neun folgender Songerdbeben. Ich habe in den letzten Jahren selten so ein kräftige, klare und begeisternde Gesangsperformance erlebt, die auch on top noch in ihrer Variabilität vollends überzeugt.

Dazu kommt noch der im Blues- und Southern Rock verwurzelte Gitarrist und Ehepartner Paul DesLauriers, der sich auch im gemeinsamen Songwriting-Prozess (hier ist der uns gut bekannte Eric Corne neben der Produktion u. a. auch noch mit involviert), und beim abschließenden „One In A Million“ (wunderbar glaubwürdig herüber gegenseitige musikalische Liebeserklärung) auch als Co-Vokalist als kongenialer Partner erweist.

Chambers stammt aus Houston und kann schon auf diverse Awards zurückblicken, DesLauriers hat schon  sechs Maple Blues Awards solo und mit Band ergattert. Ihre Verbindung begann 2018 durch einen Blickkontakt im Orpheum Theatre in Memphis, mittlerweile ist das Paar glücklich verheiratet und bringt dies auch, wie man es schon bei einigen Titeln sofort erkennen kann,  in ihrem neuen Werk „Our Time To Ride“ herzerfrischend zum Ausdruck.

Allein schon der Auftakt mit den drei grandiosen Stücken „Love You Just The Same“ (heiß dampfender Southern Soul Swamp Rock pur),  dem stonesken „People Gonna Talk“ (mit launigem Kuhglocken-Drum-Rhythmus) und das aus der Feder von Tom Petty hätte stammen könnende „Written In The Stars“  (tolles E-Piano, surrendes E-Slide) werden jeden Rockmusikliebhaber in Verzückung versetzen.

„Believe In Love“ als gemäßig beginnender Soul-Song mit CCR-Gitarrenflair, der in ein furioses Gospelfinale mündet, die interessant gestaltete „Ballade „Sing“ aus der Feder von Produzent Eric Corne mit Chorgesang und auch psychedelischen Elementen sowie  das shaky funkende „Temperature Of One-O-Nine“ bilden den wendungsreichen Mittelteil.

Das mit Skynyrd-„3 Steps“-Note, Honkytonk-mäßig abgehende „In The Heart Of The Night“ (erinnert auch ein wenig vom Grundton her an „It’s All Over Now“) und der stampfende, slide-trächtige Southern Rock-Titelsong „Our Time To Ride“ sowie die Ode an ihre gegenseitige Liebe und den Respekt füreinander, im von Wechselgesang gezeichneten „One In A Million“ (hier steigt DesLauriers auch am Mikro, mit wahrlich nicht schlechter Stimme ein) beenden mit wieder stark südstaatlichem Schwerpunkt diesen musikalischen Gesamtgenuss.

Chambers DesLauriers servieren uns mit ihrem „Our Time To Ride“ einen furiosen, modern gestalteten Ritt durch die Musikgeschichte mit Blues-, Funk, Soul und Southern Rock-Elementen voller Inbrunst mit einer Hammerstimme gesungen und samt grandiosen E-Gitarrenparts, aber auch tollen treibenden Bläser- und Keys-Momenten. Sicherlich schon jetzt der Geheimtipp des Jahres!

Forty Below Records (2025)
Stil: Southern Soul Rock

Tracks:
01. Love You Just The Same
02. People Gonna Talk
03. Written In The Stars
04. Believe In Love
05. Sing
06. Temperature Of One-O-Nine
07. In The Heart Of The Night
08. Our Time To Ride
09. One In A Million

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Bywater Call – 29.06.2025, to hoop, Rheinberg – Konzertbericht

Eine weitere Band aus der Teenage Head Music-Familie neben Robert Jon & The Wreck, die emsig daran arbeitet, ihren Bekanntheitsgrad kontinuierlich zu steigern, ist Bywater Call.

Während sich erstgenannte Kalifornier mehr auf den geradlinigen straighten Southern Rock a la Lynyrd Skynyrd, Allman Brothers & Co. konzentrieren, gehen die Kanadier um  Sängerin Meghan Parnell und Gitarrist Dave Barnes eher den bläser-unterstützten, soulig-jammigen Weg der Marke Marcus King Band oder der Tedeschi Trucks Band.

Wenn mich nicht alles täuscht, war es für das Septett der erste Auftritt in unserem heimischen Rheinberg, und das hiesige to hoop war für eine Premiere und das an einem warmen Sonntagabend, durchaus ansprechend gefüllt.

Im ersten Set mit Songs u. a. wie „For All We Know“, „Way To Go“, „As If“, „Clutter“ und dem einzigen Cover-Stück „The Weight“, war Parnells Stimme etwas ‚dünn‘ ausgesteuert (zumindest in der vorderen Reihe, in der ich mich befand). So war hier auch die countryeske zurückgenommene Ballade „Clutter“ der Höhepunkt, wo Keyboarder John Kervin von den Tasten zum Banjo wechselte.

Nach der Getränkepause nahm der Gig mit einem deutlich transparenteren Sound richtig Fahrt auf. Toll gespielte Fassungen von Tracks wie „Arizona“, „Don’t Do It“, „Josephine“, „Left Behind“, „Holler“, des schönen Titelstücks des 2022-Albums „Remain“ und „Everybody Knows“ mit vielen surrendenn Slide-Soli von Barnes und ordentlich Bläser-Power ließen richtig Stimmung aufkommen.

So war es auch kein Wunder, dass am Ende mit dem lautstark geforderten „Sweet Maria“ dann auch noch die fällige Zugabe zum Tragen kam, wo es sich sogar noch zu einer kurzen Mitsing-Interaktion hochschaukelte.

Insgesamt ein schöner Bywater Call-Gig zum Wochenausklang. Wenn die Truppe weiterhin so fleißig Präsenz zeigt und vielleicht der Wiedererkennungswert der Tracks etwas gesteigert werden kann, gar mal ein kleiner Hit geschrieben werden sollte, steht dem jungen Ensemble durchaus eine gute musikalische Zukunft bevor.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar, bgv)
John Kervin (keys, banjo, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Text: Daniel Daus
Bilder: Gernot Mangold

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Teenage Head Music
To Hoop

Tedeschi Trucks Band – 14.04.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

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Die Tedeschi Trucks Band wieder zurück in unseren Sphären, diesmal im Bochumer RuhrCongress. Ungefähr 1.100 Zuschauer, überwiegend aus der Generation 50+, hatten sich in der bestuhlten Location eingefunden, um das eindrucksvolle Ensemble um die beiden Leader Susan Tedeschi (in einem rot-schwarzen luftigen Sommerkleid) und Derek Trucks, in ihrem musikalischen Treiben bewundern zu können.

Das erste, ca. 50-minütige Set plätscherte nach dem Opener „Loving You Is Sweeter Than Ever“ relativ relaxt und sehr melodisch vor sich hin. Da sich die Bandmitglieder vornehmlich auf ihre eigenen Parts konzentrierten (Trucks natürlich mit einigen reißenden Slides und quirligen Fingerfertigkeiten) und Susan Tedeschi weder Ansagen machte, noch Gelegenheit zur Interaktion aufkommen ließ, lag das Stimmungsbarometer im eher verhaltenen bis niedrigen Bereich.

Erst gegen Ende, als bei „Part Of Me“, die Backgroundsänger/in beim Leadgesang einbezogen wurden, die herrliche Ballade „Don’t Drift Away“ Gänsehautmomente erzeugte, und mit dem rockigen „Get What You Deserved“ mal die Post abging, begann sich die bis dato etwas unterkühlt wirkende, distanzierte Atmosphäre, ein wenig aufzulockern. Trotzdem muss konstatiert werden, dass auch hier die musikalische Leistung und der wunderbar transparente Sound (über den gesamten Gig hinweg), schon ein Genuss für die Sinne waren.

Nach einer guten halben Stunde Pause, uferte der zweite Teil dann allerdings in eine absolute Weltklasse-Leistung. Was die Musiker hier an instrumentellem Feuerwerk bei Stücken wie u. a. „Key To The Highway“ (starker Gesang von Mike Mattison), dem grandios groovenden „Signs, High Times“, „Statesboro Blues“, „Midnight In Harlem“ oder dem Santana-Cover „Soul Sacrifice“ ablieferten, war schon atemberaubend.

Der Spirit der Allman Brothers-Glanzzeiten schwebte zum Greifen nah durch die imposante Kongress-Halle, nicht zuletzt, dank Trucks Mörder-Saiten-Einlagen, zum Teil in Duane Allman-Manier und der wuchtigen Drum-Doppelbesetzung, mit den formidabel trommelnden J.J. Johnson und Tyler Greenwell.

Aber auch Susan Tedeschi verpasste dem Blind Willie McTell-Ursprungs-Klassiker mit weiblichen Lead vocals, eine neue Farbe. Ihre E-Gitarren-Soli (einmal herrlich im Twin-Modus mit Derek) waren ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Der phasenweise furios klimpernde Gabe Dixon trägt auch eine gehörige Portion Gregg Allman-Tastenblut in sich.

Am Ende des Hauptteils hatte die 12-köpfige Combo das Publikum, unter stehenden Ovationen, auf ihre Seite gezogen. Das war schon ganz großes musikalisches Kino. Und mit der launigen, viel-gecoverten Zugabe „Let’s Go Get Stoned“ (im Little Feat-Stil), bei dem sich dann alle Beteiligten nochmals gebührlich einbringen konnten (Vokalisten und Bläser), war das Eis dann endgültig gebrochen.

Insgesamt ein grandioser Abend, der eine spielfreudige, exzellent agierende Band auf allerhöchstem Weltklasse-Niveau zurückließ, aber auch einige kleine Schwächen im Rahmen der Eigen-, beziehungsweise Öffentlichkeitswerbung offerierte. Eine nicht mal zu zwei Drittel gefüllte Halle sollte auch in dieser Liga, vielleicht ein wenig zu denken geben. Nichtsdestotrotz ein höchst beeindruckendes Erlebnis!

Danke an Jenny Dore von 3-Dog-Entertainment für die gewohnt angenehme und zuverlässige Zusammenarbeit bei der Akkreditierung.

Line-up:
Susan Tedeschi (lead vocals, electric guitar, vocals)
Derek Trucks (electric guitar, slide guitar)
Mike Mattison (lead vocals, acoustic guitar, vocals)
Gabe Dixon (keys)
Brandon Boone (bass)
J.J. Johnson (drums)
Tyler Greenwell (drums)
Elisabeth Lea (trombone)
Ephraim Owens (trumpet)
Kebbie Williams (saxophone)
Alecia Chakour (vocals, percussion)
Mark Rivers (vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Tedeschi Trucks Band
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3Dog Entertainment
RuhrCongress Bochum

The Trongone Band – Keys To The House – CD-Review

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The Trongone Band ist musikalisch zunächst quasi als reines ‚Familienunternehmen‘ gestartet. Die beiden Brüder Andrew Trongone (guitar/lead vocals) und Johnny Trongone (drums/vocals) begannen zusammen mit Vater John sr. (bass) ihre ersten spielerischen Versuche und Live-Auftritte rund um die heimatliche Gegend von Richmond an der US-Ostküste.

Mit einer schnell wachsenden Fanbase holte man sich mit dem starken Ben ‚Wolfe‘ White (keys/lead vocals) und Todd Herrington (bass/vocals) weitere Unterstützung, Letzgenannter zunächst als Ersatz für den Vater, wenn getourt wurde. Herrington ist aber mittlerweile fester Bestandteil der Band und hat ihr Debütalbum „Keys To The House“ auch produziert.

Das besteht aus neun herrlich abwechslungsreichen und kurzweiligen Stücken, welches den Puls der Southern Rock-Fraktion – da bin ich mir relativ sicher – vor Freude in die Höhe schießen lassen wird.

Jede Menge typischer E-Gitarren (auch mit viel Slide, Andrew hat sich hier das (große) Südstaaten-Ein-mal-eins bestens einverleibt), variierende Leadgesänge mit vielen Harmonie-Parts, zum Teil auch weiblichen Ergänzungen durch Alexandra Spaulding (bei „Blind“, „Anne Marie“, „Canyon Road“, „Love Away“ sowie „Ain’t It Funny“) und als eine Art Trademark, die Verknüpfung von (Hammond) Orgel-, E- und HT-Piano-Einlagen (meist innerhalb eines Tracks) durch den überragend agierenden Ben White.

Schon das eröffnende „Blind“, das wie eine süffisante Mischung aus Black Crowes, Dirty Guv’nahs und auch der Band Of Heathens dahergroovt, wird vermutlich schon so manchen Fan des Genres dazu veranlassen, sich die Scheibe ‚blind‘ zuzulegen. Ein herrlicher Auftakt. Dem nicht genug. Wenn im anschließenden „Ann Marie“ die E-Gitarre mit flockiger Akustikgitarrenuntermalung losknarzt, das Piano kurz aufklimpert und der Gesang mit Harmonie-Unterstützung im Stile der Outlaws einsetzt, hat der Vierer endgültig gewonnen.

„Straight To Hell“ rockt, wie der Titel es schon andeutet, mit polternden Drums, heulender E-Gitarre und wummernde Orgel echt ’straight‘. The Band, ABB, Little Feat und auch die Band Of Heathens stehen als Blaupause für das verspielte „Not Coming Home“ (wechselnde Leadgesänge, klasse E-(Slide) Gitarre, hallende/gurgelnde Orgel, viel klimperndes Piano). Die Freunde des swampigen bedient der herrlich slide-durchtränkte Stampfer „Nothing To Lose“, White lässt hier seine Orgel mal so richtig ‚durchspülen‘.

Nach einem schönen Piano-Intro entwickelt sich „Canyon Road“ mit den einsetzten restlichen Instrumenten und dem Gesang zu einer wunderschönen Southern Soul-Ballade, während der Schunkler „Another Lost Rambler“ wieder die Fußwippe aktiviert. Beim, in ABB-Tradition groovenden „Love Away“ (White mit Gregg Allman-Gedächtnis-Orgel), stört es überhaupt nicht, wenn das Solo mal von einem Syntheziser absolviert wird, zumal gegen Ende ein tolles E-Slide wie zu „Brothers & Sisters“-Zeiten reinsurrt.

Welch ein lässiger Groove und verspieltes Solieren beim abschließenden „Ain’t It Funny“, das dann den Rausschmeißer abgibt! Wieder mal lassen die Band Of Heathens (toller Leadgesang von Andrew) grüßen. Was für ein ‚Fun pur‘, wie eben auch das gesamte Werk. Da hätte man gerne sofort noch zwei bis drei Stücke mehr gehört, vielleicht der einzige Mini-Kritikpunkt.

The Trongone Band haben mich mit ihrem Erstling „Keys To The House“ restlos überzeugt. Todd Herrington hat in einem fetten, aber jederzeit transparenten Sound produziert. Das Quartett, das alle Lieder selbst komponiert hat, glänzt als bestens harmonierendes Kollektiv. Der Spaß, den die Jungs beim Einspielen hatten, transferiert sich direkt spürbar in die Boxen des heimischen Wohnzimmers.

Hinzu kommt eine superschnelles, hilfsbereites und kooperatives Management/Label, das sofort nach der Anfrage mit allen erforderlichen Dingen/Infos präsent war. Im Prinzip braucht die Trongone Band unter diesen hervorragenden Voraussetzungen, jetzt die Schlüssel zum Erfolg nur noch rumzudrehen, um auch bei uns jede Menge Fans des Genres hinzuzugewinnen. Aus meiner Sicht bisher der Newcomer-Tipp des Jahres!

Quelle Live-Studio-Videos: Audio Barre

Harmonized Records (2017)
Stil: Southern Soul Rock

01. Blind
02. Ann Marie
03. Straight To Hell
04. Not Coming Home
05. Nothing To Lose
06. Canyon Road
07. Another Lost Rambler
08. Love Away
09. Ain’t It Funny

The Trongone Band
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Harmonized Records
Under The Sea Artist Management
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Bärchen Records

JJ Grey & Mofro – 07.06.2016, Kantine, Köln – Konzertbilder

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Beim Doppelkonzert mit Her (parallel im Yard Club) am 07.06.2016 ließen wir uns es natürlich nicht nehmen, auch bei JJ Grey & Mofro nochmals in der Kantine kurz vorbeizuschauen, nachdem wir ihn Donnerstags zuvor ja schon in Bochum beleuchtet hatten. Um die 350 Zuschauer erlebten auch hier eine tolle Southern Soul Rock-Darbietung.

Bilder: Gernot Mangold

JJ Grey & Mofro
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Kantine Köln

JJ Grey & Mofro – 02.06.2016, Zeche, Bochum – Konzertbericht

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Zweiter Teil eines für mich, als arbeitendem Menschen, anmutenden Konzertmarathons mit vier Gigs innerhalb von acht Tagen. JJ Grey & Mofro standen in der Bochumer Zeche auf dem Programm. Es ist schon eine ordentliche Weile her, dass ich zuletzt in dieser Location war, in der ich bisher recht markante Acts wie u. a. Lee Aaron, Thunder, Dr. Hook (!) oder Steve Lukather gesehen hatte. Ich hatte die Zeche viel spartanischer in Erinnerung, sie sieht mittlerweile richtig einladend, gemütlich und ’stylish‘ aus.

Als Vorgruppe hatte das ‚Mike Keneally und Freunde-Trio‘ passend zum momentanen Wetter ein ordentliches Fusion Rock-Gewitter abgelassen. Handwerklich sicher anspruchsvoll und versiert, aber auch überaus anstrengend und wenig eingängig, nicht so mein Ding. Im Prinzip prima Musik, um zu Hause den gehassten Nachbarn zu ärgern oder ungeliebte Gäste schnell los zu werden.

Nachdem die Roadcrew das Keneally-Equipment abgebaut hatte, mit flinken Händen, Kabel entfernt und neu verlegt, sowie einen kurzen Soundcheck betrieben hatte, betrat um 21:15 Uhr JJ Grey mit seiner Mofro-Combo die Bühne und brachte das leider nicht einmal zur Hälfte gefüllte Auditorium mit „How Junior Got His Head Put Out“ (eingeleitet von einem saftigen Harp-Intro) direkt auf Betriebstemperatur. Es folgten in einem bunten Potpourri seiner Alben, Stücke wie „A Woman“, „Six Ways From Sunday“ (mit schönem E-Piano-Solo), „Light A Candle“ (tolle Ballade), „Hide And Seak“ (E-Gitarren-Intro mit Hendrix-Flair), das bluesige „The Sweetest Thing“, „Country Ghetto“, „Everything Good Is Bad“ (Publikum schaltet sich ein, Trompeten- und Bass-Soli) oder „Lazy Fo Acre“ (starkes E-Solo), wobei das Verhältnis von feurig ’soulenden‘ Stücken und einigen ruhigeren Sachen gut ausbalanciert war.

Sämtliche Musiker erhielten natürlich ausgiebig Gelegenheit, ihr versiertes Können Preis zu geben, wobei JJ mit variablem Einsatz von Gesang, Gitarre, Tambourine Shaking und kurzer Orgel-Präsenz, seinem Namen als würdiger Leader alle Ehre machte. Das mit starkem Solieren aller Beteiligten versehene funkige „Ho Cake“ beendete um 22:55 Uhr einen tollen, gewohnt schweißtreibenden Hauptteil.

Es folgte als 1. Zugabe mit „Brighter Days“ eines der Paradestücke der Band. Plusternde Bläser, schön surrende Slide, gluckernde Orgel, eine bärenstarke Gesangleistung des Fronters und die integrierte Mitsing-Passage des Publikums ließen die Stimmung erneut in die Höhe schießen. Mit dem Titeltrack seines letzten Studioalbums „Ol‘ Glory“, das JJ hohepriestermäßig (fast in guter alter James Brown-Manier) einläutete, ging es zum Abschluss nochmals richtig funky zur Sache. Grey stellte gegen Ende des Songs noch seine umtriebigen Kollegen vor (Craig Barnette – Drums, Marcus Parsley, Dennis Marion – beide Trompete, Eric Brigmond – Keys, Dauergrinser Todd Smallie – Bass, Zach Gilbert – Lead-Gitarre).

Die Zuschauer hatten beim leider nur mäßig besuchten ersten Auftritt des Septetts aus Florida hier bei uns, den erwartet temperamentvollen und leidenschaftlichen Southern Soul Rock-Gig erlebt, der auch von der sympathischen Performance des Leaders und seiner Mitstreiter sowie ihrer ungebrochenen Spielfreude profitierte (insgesamt 16 Songs in gut zwei Stunden). Das ist einfach Musik, die man live erlebt haben muss (vor allem, wenn man es vorher noch nicht konnte). Wer die Chance hat, die noch folgenden Konzerte zu besuchen, sollte die Gelegenheit in jedem Fall nutzen. JJ Grey & Mofro sind mehr als nur ihr Eintrittsgeld wert!

JJ Grey & Mofro
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Zeche Bochum
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