
Review: Michael Segets
Blues liegt eher am Rande meiner musikalischen Interessen, daher war mir Donna Herula bislang unbekannt. Dabei ist sie in der Blues-Szene kein unbeschriebenes Blatt. Herula erzielte mit ihrem Album „Bang At The Door“ (2021) einen Charterfolg, erhielt mehrere Auszeichnungen und wurde in die Chicago Blues Hall Of Fame aufgenommen. Früher in kleiner Besetzung akustisch unterwegs, entdeckt sie den Reiz einer größeren Bandbesetzung und setzt auf ihrem nunmehr vierten Album „Cold Feet“ vermehrt elektrische Instrumente ein.
Reminiszenzen an ihre akustische Vergangenheit finden sich auch auf der neuen CD mit dem instrumentalen Opener „On My Way Home“, mit „Float To Heaven“ sowie mit „Wish I Could See You Again“. Beim letztgenannten Stück spielt sie selbst eine akustische Gitarre und wird vom Produzenten des Longplayers Jon Shain auf einer weiteren begleitet. Der Song lässt sich ebenso wie „Float To Heaven“, das Anne Harris mit ihrer Geige begleitet, eher im Bereich des Folks oder Americana verorten. Etwas Soul im Stil der Commitments mischt sich bei „Things Can Change“ mit auf die CD.
„Cold Feet“ ist also kein reines Blues-Album, obwohl der Schwerpunkt schon auf dem Genre liegt. Das Songwriting bei „Honey Darlin‘ Baby Please“ erinnert anfänglich etwas an das von Luke Winslow-King. Hercula singt hier mit kraftvoller Stimme, mehr Gefühl transportiert sie bei dem Cover „Cypress Grove Blues“, auf dem sie zudem zur Resonator Gitarre greift. Neben dem Song von Nehemiah Skip James interpretiert sie das von Elmore James und Robert Leroy Johnson stammende „Dust My Broom“. Herula liefert eine gelungene, rockige Version des Stücks ab. Dem Bluesrock fröhnt sie ebenfalls auf dem Titeltrack und dem starken „Backseat Driver“ mit Mundharmonika und einem akzentuierten Schlagzeug in der Bridge. Die Chicagoerin zeigt sich bei der Instrumentierung der Stücke sowieso flexibel. Auf einem der Highlights „What You Gonna Do?“ tritt beispielsweise mal ein Saxophon auf.
Für eine Eigenproduktion ist das Booklet bemerkenswert. Hier wurde nicht gespart. Es umfasst sechzehn Seiten, auf denen es die Texte, Fotos und ausführliche Liner Notes des Musikjournalisten Mark Thompson gibt.
„Cold Feet“ von Donna Herula spricht nicht nur eingefleischte Blues- oder Bluesrockfans an. Zum Repertoire der Musiklehrerin aus Chicago gehören auch Americana und Soul. Die CD bietet mit acht Eigenkompositionen und zwei Covern ein abwechslungsreiches Programm mit akustischen und elektrifizierten Titeln in einer variantenreichen Instrumentierung.
Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues and more
Tracks:
01. On My Way Home
02. Cold Feet
03. Honey Darlin’ Baby Please
04. Cypress Grove Blues
05. Backseat Driver
06. What You Gonna Do?
07. Wish I Could See You Again
08. Things Can Change
09. Float To Heaven
10. Dust My Broom
