Todd Thibaud Band – 28.04.2026, JuBB, Essen-Werden – Konzertbericht

Im Americana-/Roots Rock-Bereich ist in unserem Magazin ja mittlerweile der geschätzte Kollege Michael Segets federführend, allerdings habe ich hier auch meine Kenntnisse, Erfahrungen und Präferenzen.

Todd Thibaud steht dabei schon seit vielen Jahren/Dekaden ganz oben, den ich in verschiedensten Konstellationen live mehrfach gesehen habe, wie mit seiner eigenen Band, Hardpan oder auch im Verbund mit Joseph Parsons.

In den letzten Jahren habe ich ihn, selbstverschuldet oder nicht, ein wenig aus den Augen verloren und nur eine CD-Besprechung im Rahmen seines weiteren Projekts, Water And Sand, zur Kenntnis genommen.

Da passte es momentan hervorragend, dass er diesmal (wieder unter eigenem ‚Label‘ mit Band) im beschaulichen, direkt an der Ruhr gelegenen Essen-Werden, nur knapp zwanzig Minuten von meiner Arbeitsstelle im Essener Zentrum, im dortigen Jugend- und Bürger Zentrum (JuBB) nochmals vorstellig wurde.

Der Macher der Location, Gerd Dubiel, sorgte für eine spontane und unkomplizierte Akkreditierung, obwohl das Konzert bereits restlos ausverkauft war (vielen Dank dafür nochmals nachträglich).

Todd Thibaud sah nach den vielen Jahren eigentlich aus wie in Erinnerung. Körperlich gut in Schuss, nicht ein Haar ergraut oder ausgefallen, lol. Er bediente eine Rickenbacker im Rahmen des Rhythmusgitarrenspiels und hatte naturgemäß die Centerposition am Mikro in Sachen Lead vocals inne. Auch seine beiden etatmäßigen Mitstreiter Robert Juliano (der leistete die quirlige E-Gitarren-Soloarbeit an der gewohnten Telecaster und Harmoniegesänge) und Sean Staples (Rhythmusgitarre und die zirpende Mandoline, Harmoniegesänge) wirkten wie unverändert.

Die routinierte Rhythmusfraktion bestehend aus Chris Anzalone an den Drums und Ed Valauskas am Bass (auch Harmoniegesänge), die auch auf Thibauds neuem Album „Alchemy“ mit dabei sind, bildeten das gewohnt gute Fundament bei Thibaud-Auftritten.

Das neue Werk, das offiziell erst am 22. Mai erscheinen wird, stand natürlich mit vielen Tracks (u. a. „Follow“, „Fight Or Flight“, „Farewell So Long“, „Good Things Now“, „Alchemists“ „Saviour und „Heaven’s On The Move“), die beide gespielte Sets durchzogen, dann auch im Mittelpunkt.

Auffallend der recht rockige Charakter der neuen Stücke (herrlich vor allem das seiner verstorbenen Mutter gewidmete „Mother Comfort“,  das mit ein Highlight war). Die Thibaud-typischen balladesken Momente, die man natürlich auch nicht missen möchte, wurden älteren Tracks überlassen wie z. B. einem meiner Alltime Favorites „Louisiana“ oder „Anywhere“. Weitere Klassiker wie „Long Way Down“ (im Andenken an Chris Burroughs) oder „Is It Love“ durften natürlich nicht fehlen.

Am Ende betonte Todd wie sehr er sich doch in unseren Landen über die knapp dreißig Jahre hinweg immer wohlgefühlt hat und bedankte sich ganz herzlich bei seinen Live-Supportern im Saal. Seine Empathie mit dem Publikum unterstrich er dann auch mit gleich drei Zugaben, wie u. a. der fast in Black Crowes-Manier rockende Stones-Hit „Tumbling Dice“ und „4th of July“.

Ein, wie immer,  toller Abend mit Todd Thibaud mit seinen Mannen und man kann nur hoffen, dass das ‚Farewell‘-Motto, das über der weiterführenden Tour schwebt, nicht das letzte Wort ist und gegebenenfalls nochmal überdacht wird. Unsere Arme werden jedenfalls weiter offen gehalten sein!

Line-up:
Todd Thibaud – lead vocals, electric guitar
Thomas Juliano – electric guitar, bgv
Sean Staples – mandolin, electric guitar, bgv
Ed Valauskas – bass, bgv
Chris Anzalone – drums

Text und Bilder: Daniel Daus

Todd Thibaud
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Blue Rose Records
Jugend- und Bürgerzentrum, Essen-Werden

Svenja Schmidt & Jan Bierther Trio – 11.02.2021, JuBB, Essen-Werden – Youtube Stream-Konzertbericht      

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Zu Zeiten von Corona versuchen Veranstalter wie auch Bands irgendwie den Kontakt zu Fans aufrecht zu erhalten. Dies gelingt momentan nur durch Videos und Livestreams, was natürlich nicht den Reiz von Livekonzerten ersetzen soll und kann. Viele kleine Clubs oder Veranstalter setzten schon seit geraumer Zeit auf Veranstaltungsreihen, um zu relativ festen Zeiten, verlässlich Liveauftritte von Musikrichtungen anzubieten, welche oft eher ein Nischendasein haben.

Jan Bierther veranstaltet schon seit einiger Zeit eine Reihe unter dem Motto ‚Jazz im JuBB‘, die natürlich seit Monaten nicht mehr in der gewohnten Form stattfinden kann. Aus diesem Anlass entschloss er sich zusammen mit dem Jugend- und Bürgerzentrum JuBB in Essen-Werden, im Saal des Zentrums, die Reihe in Onlineform fortzusetzen.

Diese Konzertreihe beschreibt Bierther als eine Herzensangelegenheit. Als Jugendlicher war er selbst oft Gast in diesem Jugendzentrum, das aus einem alten Gerichtsgebäude entstanden ist. Nach seiner Musikstudienzeit in den Niederlanden kehrte er später wieder in seine Heimatstadt Essen zurück, und initiierte dort auch die Konzertreihe ‚Jazz im Jubb‘.

Dass an diesem Abend Svenja Schmidt mit dem Jan Bierther Trio im Rahmen der Konzerttour auftrat, mag auf den ersten Blick irritierend sein, da Jazzeinflüsse hier eher peripher angesagt waren. Musikalisch standen an dem Abend Rock, Soul und Motown im Mittelpunkt. Der Bezug ist eher in der Besetzung der Band zu sehen, wo Bierther an der Gitarre, Dirk Leibenguth an den Drums, als Essener Urgesteine, unterstützt von Martin Engelien am Bass, an diesem Abend, die Combo der Rock- und Soulröhre Svenja Schmidt bildeten, die zudem am E-Piano glänzte.

Das Konzert, welches in zwei Sets von je etwa 45 Minuten übertragen wurde, war auch nur realisierbar durch die Unterstützung hiesiger Geschäftsleute, unter anderem einem ortsansässigen Biobäcker, welcher zudem eine Jazz-Mottotorte für die Künstler zubereitet hatte. Die Pause zwischen den Sets wurde zudem genutzt, um Werbung für eine kürzlich produzierte CD mit Highlights aus bisherigen Konzerten von ‚Jazz im JuBB‘ zu machen.

Nun aber zum eigentlichen Konzert, ohne Zuschauer im Saal, der bestuhlt etwa 100 Gästen Platz bietet. Den Start machte das Trio alleine mit dem etwa 10-minütigen Instrumental „Alles dreht sich“ aus der Feder Bierthers, das sofort Platz für Improvisationen der Musiker ließ.

Danach stieg auch Svenja Schmidt ein und es begann eine kurzweilige Zeitreise durch 60 Jahre-Musikgeschichte. Das Besondere dabei war, dass die Stücke nicht wie die Originalsongs runtergespielt wurden, sondern immer wieder jammende Phasen eingeschoben wurden. Einige Songs erhielten durch die kräftige Soulstimme Schmidts zudem ein ganz besonderes Flair.

Besonders hervorzuheben war der Rihanna-Hit „Love On The Brain“, der zuweilen den instrumentalen Charakter alter Fleetwood Mac-Songs hatte. In Stevie Wonders „Superstition“ konnten alle Musiker mit ausufernden Hammersoli ihr spielerisches Repertoire beweisen. Im, durch Marvin Gaye bekannt gewordenen Motown-Klassiker „Heard It Through The Grapevine“, der bekanntlich auch von vielen großen Bands, unter anderem CCR gecovert wurde, konnte Schmidt ihre gesangliche Qualität nachhaltig beweisen.

Den Abschluss machte „Nights In White Satin“, dem Schmidt mit ihrer Soulstimme eine ganz besondere Note gab. Auch hier glänzte Bierther mit feinster Gitarrenarbeit in einen Solo, das zunächst filigran, fast zerbrechlich wirkend, begann, um zum Ende hin geradezu zu explodieren.

Es ist schwer ein Fazit zu einem Onlinekonzert zu fassen, da das wichtige Interagieren von Band und Fans fehlt. Was ich als einziger Gast auf jeden Fall sagen kann, ist, dass der Sound im Saal bestens ausgesteuert war, alle Instrumente differenziert und klar hörbar waren.

Wenn man eine durchgehende Besucherzahl von 120 mit Spitzen bis zu 150 Zuhörern sieht, was höher als die Kapazität des Saales ist und die positiven Kommentare im Stream betrachtet, kann das Projekt als gelungen angesehen werden, was seitens des Veranstalters am Ende auch so gesehen wurde. Erwähnenswert ist auch, dass sich die ersten 30 Interessierten am Tag des Konzertes beim Biobäcker kostenlos eine Konzertsnacktüte abholen konnten.

Ein Dank an den Veranstalter und an Martin Engelien, der mich fragte, ob ich als einziger Vertreter eines Magazins, über den Abend berichten wolle.
Wer Spaß an Konzerten mit großer Nähe zu den Künstlern in einer feinen Location hat, sollte die Seite des JuBB in Essen öfters mal im Auge behalten. Neben der Jazzreihe finden dort in regelmäßigen Abständen auch Americana-Konzerte statt, wenn es die Zeit wieder zulässt.

Line-up:
Svenja Schmidt – Gesang, E-Piano
Jan Bierther – Gitarre
Dirk Leibenguth – Schlagzeug
Martin Engelien – Bass

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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Svenja Schmidt
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Jazz im Jubb