Stefan Hillesheim Band – Live At The Chicago Blues Festival – CD-Review

Stefan Hillesheim, oh, hört sich nach einem deutschen Namen an, dachte ich spontan, als ich auf das Cover seiner Live At The Chicago Blues Festival-CD blickte. In Verbindung mit Bluesmusik noch nie gehört, ein Sohnemann  deutscher Einwanderer in nachfolgender Generation vermutlich.

Aber nein, Stefan Hillesheim stammt tatsächlich direkt aus unserem Lande, ist aber 2014 zunächst nach Los Angeles gegangen, um seinen musikalischen Traum am Musician Institute (GIT) zu verwirklichen. Dort errang er schnell den Titel als ‚Most Improved Student‘. 

Als Session-Musiker und durch Zusammenarbeiten mit Interpreten wie u. a. Bobby Kimball (Toto), Ellis Hall (Tower Of Power), Brent Carter (Average White Band) oder Emerson Cardenas (Santana) verbreite sich sein Name in Kalifornien wie ein Lauffeuer.

2022 ging es dann nach Chicago um seiner wahren Passion, dem Blues nachzugehen. Die dortige Musikerszene nahm den Deutschen mit offenen Armen auf und so konnte Stefan mit Darryl Wright (Bass), Dionte McMusick (Drums) und Sumito ‚Ariyo‘ Ariyoshi (Keys) relativ schnell, eine schlagkräftige Band zusammenstellen.

Ich musste direkt bei der Ansage zum fluffigen Opener „Always Get To Hear From You“ (mit schönem ABB-trächtigen Slide) schmunzeln. Da kündigte die amerikanische Sprecherin des Festivals ihn zur Eröffnung des zweiten Tages mit „Get ready for the Blues with Stefan Hille’sch’eim“, da für sie die Silbentrennung zwischen dem S und dem H ein vermutlich unüberwindbares Hindernis darstellte. 

In der Musik und dem hellen Gesang merkt dem Protagonisten schon seine europäischen Wurzeln an (Richtung Aynsley Lister & Co.), aber ab Stück 5 („It Hurts Me To“ – schöner Text!) kristallisiert sich dank des markanten E-Slide-Gitarrenspiels eine gewisse Affinität für Leute aus dem Allman-Dunstkreis (Duane Allman, Dickey Betts, Warren Haynes oder Derek Trucks) heraus.

Toll hier vor allem das ein wenig an „Blue Sky“ erinnernde „You’re My Family“. Das absolute Highlight in der Track-/Setlist ist allerdings das längste Stück, der atmosphärische Slowblues „Better Man“, mit einem brillanten Piano-Intermezzo von Sumito ‚Ariyo‘ Ariyoshi als auch einem fulminanten Endsolo von Hillesheim auf seiner Les Paul.

Nach dem letzten launigen Schlusslied  „Sick Of Your Love“ stellt dann der Protagonist kurz die Band vor und demonstriert den Amis, wie man seinen Nachnamen (‚Hilles-heim‘  – mit Silbentrennung) richtig ausspricht („My name is Stefan Hilles-heim‘, we love you guys“).

Fazit: Ein neuer Name (für mich) in der Blue Rock-Szene. Bei Stefan Hillesheim und seiner Band ist das Talent und eine gewisse Gier nach Erfolg und Weiterkommen offensichtlich. Die Leute in Los Angeles und Chicago dürfte er jedenfalls schonmal für sich begeistert haben. Man sollte ihn auch bei uns auf dem Schirm haben.

Stella Blue Music (2026)
Stil: Blues Rock

01. Always Get To Hear From You
02. My Poor Heart
03. The Love I Had For You
04. Big Legged Woman
05. It Hurts Me To
06. On Down The Highway
07. You’re My Family
08. When I’m Gone
09. Better Man
10. Sick Of Your Love

Stefan Hillesheim Band
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Truck Stop – Ein Stückchen Ewigkeit – CD-Review

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Wer aus unserer Generation kennt sie nicht – egal welch rockmusikalischer Couleur er sich auch zugehörig fühlt – die Refrainzeile „Ich möcht so gern Dave Dudley hörn, Hank Snow und Charlie Pride“. Diese hatte sich, soweit einmal vernommen, bis heute noch, massiv in tiefste Langzeit-Gehirnregionen hineingebohrt.

Die Rede ist von Truck Stops wohl größtem Hit, der die Hamburger Country-Band überregional bekannt werden ließ. Mit den Hanseaten, als auch Kollege Gunter Gabriel, Tom Astor und Freddie Quinn, als vielleicht prominenteste Vertreter des Genres, verband man allerdings leider auch lange Zeit, das biedere Image, das dieser Musiksparte in unseren Gefilden nachgesagt wurde, bis mit einem Garth Brooks so allmählich die Kehrtwende eingeleitet und der New Country salonfähig wurde.

Es ist ein Stückchen Ewigkeit her, dass ich sie mal in Duisburg-Rheinhausen live gesehen habe. Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht mehr wann und warum, nur dass wir dort nach einem Kegeln mit unserer damaligen Truppe in ziemlich heiteren Zustand dort hingelangt waren.

Hängengeblieben ist nur, die ziemlich gut besuchte Location von überwiegend in countrytypischen Outfits erschienenen Besuchern, dass es im Foyer leckere Frikos und Mettbrötchen für den späten Hunger gab und, dass eine Riesen-Stimmung das Konzert begleitete.

Nun, Jahrzehnte später, landete völlig unvermittelt, das neue  Werk von Truck Stop, „Ein Stückchen Ewigkeit“, in meinem Briefkasten. Instrumentell, beziehungsweise musikalisch, braucht das aktuelle Line-up um die Mannen Knut Bewersdorff, Andreas Cisek, Teddy Ibing, Uwe Lost, Christian Kaufmann und Tim Reese, keinen Vergleich mit gleichgesinnten amerikanischen Kollegen, wie Shenandoah, Alabama, Oak Ridge Boys & Co. zu scheuen.

Die Produktion von Mathias Roska (Titel 1-3) und Jörn Heilbut (4-14) ist glasklar und in transparentem Sound, als Gast ist unter anderen, man höre und staune, auch Nashville-Starstudiomusiker Ilya Toshinsky partiell mit an Bord!

Inhaltlich (Booklet mit allen Texten ist dabei) spiegeln die zum Teil kleinen Sozialstudien gleichenden Songs – wenn man wie ich, regelmäßig beruflich mit norddeutscher Klientel zu tun hat – das typische hanseatische Naturell ganz gut wieder: Bodenständig, heimatverbunden, geschäftstüchtig, etwas zu drögem Humor neigend, oft launisch, aber immer ehrlich und geradeaus.

Zu meinen Favoriten in einem durchgängig angenehm zu hörenden Werk, sind der melodiöse Ohrwurm „Ein Stückchen Ewigkeit“, das Tex-Mex-umwehte“Moin, Moin“, der melancholische Schwofer „Alter Mann“, das mit einem herrlichen Mandolinen-Lick und fluffigen Gitarren dahinfließende „Freundschaft“ bleibt“, sowie das in Lindenberg-/Gabriel-Manier angelegte, flotte und launige „Spart Wasser, trinkt Bier“.

Truck Stop haben mit „Ein Stückchen Ewigkeit“ sicherlich kein Werk kreiert, das sie in den unsterblichen Country-Olymp hieven wird, allerdings eine gute Dreiviertelstunde, angenehm zu lauschender, kurzweiliger Genrekost. Aber es war in jedem Fall schön, nach so einer langen Zeit, mal wieder was von der Band gehört zu haben!

Telano (2019)
Stil: Deutsch-Country

Tracks:
01. Ein Stückchen Ewigkeit
02. Moin, Moin
03. Das Gold der Elbe
04. Uns gehört die Welt
05. Helden
06. Es hat Dich
07. Alter Mann
08. Ich bin der letzte Gast, der geht
09. Nimm mich mit
10. Freundschaft bleibt
11. Spart Wasser, trinkt Bier
12. Männergrippe
13. Die Männer der Bahn
14. Still, so still

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