The Bros. Landreth – Support: Begonia- 25.02.2026 – Luxor, Köln – Konzertbericht

Kanada-Zeit in Sounds of South. Nachdem ich zuletzt Alben von Crsytal Shawanda und den Sheepdogs reviewt hatte, folgte gestern Abend schon der nächste Act aus diesem Land.

Ich hatte in meinem letzten Jahresrückblick schon angedeutet, dass ich mich in Zukunft, was Konzertberichte betrifft, mehr auf Interpreten fokussieren werde, die im SoS noch nicht so inflationär beleuchtet wurden.

Die Bros- Landreth, alias Joey und Dave Landreth, boten dazu im Kölner Luxor einen guten Anlass, da ich von ihnen zwar Alben besitze, aber sie noch nie live gesehen habe.

Im Schlepptau hatten sie die schillernde Künstlerin Begonia (bürgerlicher Name Alexa Dirks),  ebenfalls aus Kanada kommend. Joey Landreth hat auf ihrem aktuellen Album „Fantasy Life“ bei einem Track an der Gitarre mitgewirkt. Begonien sind ja für ihre Farbvielfalt bekannt, von daher im übertragenen Sinne ein passender Name für die wuchtige schrille Dame.

Sie wurde an den Keys von Graeme Leaver begleitet und gab rein gesangsmäßig Stücke wie „Juniper“, „So High“, „Marigold“, „I Wanna Be Alive With You“, „Butterfly“, „Get To You“ und „Hotter Than The Sun“ aus ihren bisherigen Alben zum Besten.

Sie punktete mit einer schillernden Bühnenpräsenz, ihrer ausdrucksstarken Stimme und humorvollen, zum Teil selbstironischen Texten in ihren Liedern und heimste viel Applaus vom Kölner Publikum ein.

Line-up Begonia:
Begonia (lead vocals)
Graeme Leaver (keys)

Die Bros. Landreth haben sich peu a peu zu einem Geheimtipp in der Americana-Szene und darüber hinaus entwickelt. In Köln hallt ihnen aufgrund  mehrerer Auftritte in der Vergangenheit, ein überaus guten Ruf nach, das Luxor war rappelvoll.

Die Brüder präsentierten sich im klassischen Trio, der dritte im Bunde war Schlagzeuger Roman Clarke. Sie sind wie auch auf ihren Alben keine echten Rampensäue, zeichnen sich aber durch ihre sympathische Art sowie spielerische Finesse und Variabilität aus.

So bekam man ein geschickt ineinander greifendes Konglomerat aus verschiedensten Stilen wie Roots Rock, Americana, Blues, Rock und auch Southern Rock geboten (Joey immer wieder mit viel Slide zwischendurch), Schubladendenken ist hier fehl am Platz.

Mit den eigängigen Tracks „Made Up Minds“ und der Ballade „Our Love“ (Publikum singt mit) wurde ein erstes Stimmungshoch erreicht. Auf ihrem aktuellen Longplayer „Dog Ear“ waltete beim Song „Knuckles“ keine geringere als Bonnie Raitt als Duettpartnerin auf, hier wurde sie samt schöner Geste durch Begonia vertreten.

Mein persönliches Highlight des Abends war allerdings die Coverversion des Muddy Waters-Klassikers „Rollin‘ and Tumblin'“, der durch das Trio regelrecht zerpflückt wurde. Ganz groß, was Joey Landreth hier, im Zusammenspiel mit seiner ebenfalls fulminant agierenden Rhythmusfraktion, an seiner E-Gitarre abließ.

Dave Landreth übernahm die Lead vocals bei „Vincent“. Gegen Ende bei den Stücken „Tell Me Something Good“ (mit Teil-Lead vocals von Roman Clarke) und „Got To Be You“, wurde erneut Begonia eingebunden. Letztgenannter Track, in stampfiger, dezenter Little Feat-Manier vorgetragen, bildete dann das Ende des Hauptteils.

Die stürmisch geforderte Zugabe wurde mit dem soulig-bluesigen „I Can’t Win“ bedient, hier wurden nochmals alle Register in Sachen toller Harmoniegesänge gezogen.

Dieser Auftritt, mit soviel Begeisterung und toller Durchmischung von Jung und Alt im Publikum, gibt Grund zur Hoffnung, was handgemachte  Rockmusik in unserem Lande angeht. Es scheint doch noch nicht ‚Hopfen und Malz‘ in Sachen Geschmack verloren zu sein. Die Bros. Landreth waren ein ermutigendes Beispiel dafür!

Line-up:
Joey Landreth (lead vocals, electric guitar)
Dave Landreth (bass, vocals)
Roman Clarke (drums, vocals)

Text und Bilder: Daniel Daus

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The Bros. Landreth – Dog Ear – Album-Review

Review: Michael Segets

Blut ist bekanntlich dicker als Wasser und so gibt es einige langlebige Bands, die im Kern aus Verwandten bestehen. Bei The Bros. Landreth sind es die Gebrüder Dave und Joey Landreth. Mit im Boot sitzt zurzeit Schlagzeuger Roman Clarke, der zusammen mit den beiden Brüdern alle Songs auf „Dog Ear“ geschrieben hat. Bei der ersten Single „I’ll Drive“ war zudem noch Jonathan Singleton als Autor beteiligt.

The Bros. Landreth sind seit einem Dutzend Jahren aktiv. Sie stammen aus Winnipeg, das im kanadischen Bundesstaat Manitoba liegt, und heimsten bereits zwei JUNO-Awards ein. Bonnie Riatt coverte einen ihrer frühen Songs und gewann für die Performance einen Grammy. Riatt war anfänglich eine musikalische Inspirationsquelle für das Landreth-Duo. Mittlerweile wird sie von ihm als Mentorin gesehen, zu der eine freundschaftliche Beziehung besteht. Die Verbindung zeigt sich auch daran, dass Riatt bei zwei Tracks des neuen Albums mitwirkt. Bei „Knuckles“ ist sie Duett-Partnerin, auf „Half Moon Eyes“ hört man sie im Background. Mit Begonia holen sich The Bros. Landreth für „Strange Dear“ ebenfalls prominente Unterstützung für den Harmoniegesang.

Insgesamt lässt sich „Dog Ear“ ähnlich charakterisieren, wie Daniel es mit dem dem vorangegangenen Album „Come Moring” (2022) getan hat. Es liefert größtenteils textlich nachdenklichen, musikalisch unaufgeregten, melodiösen Americana. Der ist mal folkig gehalten („Sunrise, Sunset“), mal passiert etwas mehr im Hintergrund („Let Me Down Easy“). Bei einzelnen Track schwingt etwas von Jackson Browne mit („Vincent“).

Den dramatischen Höhepunkt des Albums stellt „Tumbling Wild“ dar. Hier wird der E-Gtarre etwas mehr Raum gegeben. Die elektrischen Gitarrenparts geben auch „Wide Awake And Dreaming“ sowie dem bereits erwähnten „Half Moon Eyes“ Energie, die dem Longplayer, der sich in Gänze vorwiegend im balladesken Bereich bewegt, zugutekommt.

Aufgrund von familiären Umständen ist das gemeinsame Projekt der Geschwister zeitweise ins Stocken geraten. Nachdem die beiden Brüder sich wieder in einen gemeinsamen Arbeitsrhythmus einfanden, flutschte das Songwriting. Obwohl Dave sagt, dass das Songwriting normalerweise eine anstrengende Sache ist, hatten sie für „Dog Ear“ letztendlich mehr Songs zusammen, als schließlich den Weg auf den Longplayer gefunden haben. Früher mussten sie quasi das Material veröffentlichen, das da war. Nun waren The Bros. Landreth in der komfortablen Lagen, eine Auswahl zu treffen.

Dave Landreth beurteilt die Songs des vierten Albums der Gebrüder als pretty good. Der Einschätzung kann hier uneingeschränkt gefolgt werden. „Dog Ear“ ist vielleicht nicht ein aufwühlender, Musikgeschichte schreibender Wurf, aber allemal ein guter Begleiter für ruhigere Stunden.

Im Februar treten The Bros. Landreth an verschiedenen Orten in Deutschland auf, u. a. am 25. im Kölner Luxor.

Birthday Cake Records – Cargo (2025)
Stil: Americana

Tracks:
01. Sunrise, Sunset
02. I’ll Drive
03. Half Of Me
04. Vincent
05. Half Moon Eyes
06. Tumbling Wild
07. Dog Ear
08. Knuckles (feat. Bonnie Riatt)
09. Let Me Down Easy
10. Wide Awake And Dreaming
11. Strange Dear

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