
Ich bin in letzter Zeit scheinbar ‚auf den Hund gekommen‘. Zum einen bin ich tatsächlich Hundebesitzer und verwende seit knapp fünf Jahren viel Energie dafür, unserem aus Bosnien stammenden Angsthund, von dem man nicht weiß, was ihm Schlimmes passiert ist, wieder Sicherheit, Geborgenheit und ein lebenswertes Dasein zu bieten.
Zum anderen gab es in kurzer Zeitfolge unangekündigt zwei Blues Rock-Scheiben von Bands mit Namen The Blind Dog Mayer Group aus hiesigen Gefilden als auch der italienischen Band The Damn Dogs im Briefkasten. Bei allen, nicht aus der Anglosphäre (meine Gehörgänge sind irgendwie auf amerikanischen und britischen Gesang geeicht) stammenden Werken, muss ich immer tief durchatmen, mit überwiegender Mehrheit, bis auf ganz wenige Ausnahmen, tu ich mich mit diesen oft sehr schwer, da man oft sofort hört, wo der Wind her weht und der Gesang immer ein durchgängiges Momentum ist.
Auch bei den ‚verdammten Hunden‘ leider wieder das gleiche Problem. Schulenglische Texte, kein guter Gesang, sowohl was die Lead vocals von Fronter Angelo Albani, der zumindest rein äußerlich eine charismatische Aura versprüht, als auch die Harmoniegesänge. Ich habe vermehrt das Gefühl. dass bei vielen-Bands die Euphorie über das eigene kreative Schaffen oft in eine Art ‚Betriebsblindheit‘ (in diesem Fall -taubheit) zu münden scheint.
Zur Ehrenrettung von Albani muss ich ihn zumindest für die glasklare Produktion loben. Gewinner des Albums sind der überragende Gitarrist Damiano Marino (der hier wirklich klasse Parts in allen Belangen einstreut) und Gast-Keyboarder Luciano ‚Lucky‘ Pesce, die sich aus den gesangstechnischen Darbietungen heraushalten. Im Prinzip wird es in meiner Zukunftsprognose auch hier am Ende bei den Damn Dogs mehr um das gemeinsame Musikerlebnis gehen, als den großen kommerziellen Erfolg.
Die Musik ist so, wie Blues Rock halt so ist. Gut gespielt, wenig bis gar nichts, was man nicht schon mal woanders in irgendeiner Form gehört hat. Insgesamt ein solider Stoff, ein Lied, das mich vor Begeisterung aus der Fassung wirft, gibt es nicht. Gegen Ende wissen „Mojo Hoodoo“ (ein Slide-unterlegter Schunkler mit etwas JJ Cale-/Tony Joe White-Esprit) und „Far Away Doe Eyes“, ein Slow Blues mit Gary Moore-Handschrift, noch am besten zu gefallen.
Das ansprechende Artwork der zweiten Damn Dogs-CD „Blues For The Lost Souls“ gibt es im mittlerweile schon etwas seltener gewordenem, transparenten Jewel Case. Meine verlorene Seele wird ihre Aufmerksamkeit aber in Zukunft, wie gewohnt, wieder auf den eigenen Hund Don richten…
Piesse Groove Records (2026)
Stil: Blues Rock
Tracklist:
01. Hangover
02. Underdog
03. Peace Is More Than Just No War
04. Blues For The Lost Souls
05. Bad Mistake
06. No Goodbyes On The Road
07. Voodoo Words
08. To Love A Music Man
09. I Just Wanna Love You
10. Fucking Mosouito
11. Back In Town
12. Mojo Hoodoo
13. Far Away Doe Eyes
