Scott Weis Band – Simmer Me Down – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Seit 20 Jahren schon ist Scott Weis im Musikbusiness und die Scott Weis Band existiert bereits seit 2015. In all den Jahren hat er in den Staaten einen ansehnlichen Bekanntheitsgrad erreicht, der ihm hier in der alten Welt allerdings auch zu wünschen wäre. Seine ersten Erfahrungen hat Scott Weis als Opener für Musikalische Schwergewichte wie Jerry Garcia, John Lee Hooker und Buddy Guy gesammelt.

So wundert es nicht, dass sein neuestes Werk „Simmer Me Down“ ein handwerklich perfekt geratenes Bluesalbum mit viel Gefühl und Tiefgang ist. Das in schwarz-weiß gestaltete und im Innenteil mit teils düsteren Totenköpfen verzierte Albumcover lässt dies zunächst aber nicht vermuten. Umso positiver überrascht ist man dann beim ersten Hören: Die Scheibe macht ihrem Namen alle Ehre, sie bringt Dich wirklich runter im positiven Sinne.

Der Longplayer enthält zehn Songs, manchmal mit Rootseinflüssen, Anleihen beim Chicago- und New Orleans Blues und teils funkig gewürzt. Bei zwei Tracks handelt es sich um Coverversionen: „When Something Is Wrong With My Baby“ (im Original von Isaak Hayes) ist ein großartiger Slowblues voller Weltschmerz und „Jesus Just Left Chicago“ ein schwerer, gemächlich stampfender Blues, der 1973 von ZZ Top geschrieben wurde.

Der Opener „Pride and Soul“ groovt zu Beginn beschwingt mit souligen Background Vocals von Cindy Mizelle, legt dann aber mit Weis’ Gesang eine schwerere Gangart ein.

Mit „All Over Now“ geht‘s dann gemächlich weiter, wobei Weis‘ kraftvolle, raue Stimme durchaus etwas an Joe Cocker erinnert. Das folgende „Simmer Me Down“ ist, anders als der Titel es vermuten lässt, ein flotter, Boogie, der mit Piano und Mundharmonikaunterstützung direkt in die Beine geht. Auch das beschwingte „Helpless“ ermutigt mit quäkender Gitarre und harmonischem Backgroundgesang zum Tanzen.

In der treibenden Bluesrocknummer „Right Where It Belongs“ liefert Weis dann im Mittelteil ein fulminantes Gitarrenspiel ab, während das relaxte „The Way I Do“ und das rhythmischere „Saved“ sehr funky klingen. Das letzte Stück „Transcendence“ fällt allerdings komplett aus dem Rahmen, den die anderen Stücke des Albums zuvor gebildet haben. Ein Song, wie aus den späten Sechzigern mit psychedelisch-sphärischen, geheimnisvollen Klangwelten, der zum Träumen und Abschalten einlädt.

Insgesamt präsentiert sich die Scott Weis Band als ein regelrechtes Powertrio, das die Klaviatur des Blues gut beherrscht. Die Stammbesetzung der Band wird von Scott Weis an der Gitarre plus Gesang, Robert Kapec am Bass und Roger Voss am Schlagzeug gebildet. Unterstützt werden die drei auf dem Album von Sängerin Cindy Mizelle, John Ginty und Phil Silverberg an den Keys und der Percussionistin Bashiri Johnson.

Sleepy Lodge Records (2020)
Stil: Blues

Tracks:
01. Pride And Soul
02. All Over Again
03. Simmer Me Down
04. When Something Is Wrong With My Baby
05. Helpless Chicago Blues
06. Jesus Just Left Chicago
07. Right Where It Belongs
08. The Way I Do
09. Saved
10. Transcendence

Scott Weis Band
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