Davy Knowles Band – 17.03.2026 – Gdanska, Oberhausen – Konzertbericht

Bei Davy Knowles stand für mich schon lange fest, dass, sofern sich ein Konzertbesuch in unseren Sphären terminlich für mich realisieren lässt, dieser auch wahrgenommen wird.

Ich verfolge den von der Isle of Man stammenden Briten schon seit seiner Back Door Slam-Zeit und besitze auch etliche Alben von ihm. Besonders das in Zusammenarbeit mit Peter Frampton und Bob Clearmountain erstellte Werk „Coming Up For Air“ hatte es mir dabei besonders angetan. Aus diesem Longplayer wurde an diesem Abend „Riverbed“ performt.

Knowles war in Vorzeit bereits zweimal als Fronter der Bands Of Friends im Gdanska vorstellig geworden,  jetzt zum ersten Mal eigenständig zusammen mit Todd Bowers am Bass und Mike Hansen am Schlagzeug als Davy Knowles Band.

Um 20:15 Uhr bat Gitarissimo-Macher Jürgen Reinke das Trio auf die Bühne. Mit dem shuffligen Opener „Good To Know Ya“ ließ er direkt die Frühlingsgefühle des Southern Rock-Fans erwachen.

Davy hat ja sehr viel Zeit im Rahmen seiner Karriere in den Staaten verbracht. Diese ‚Amerikanisierung‘ merkte man auch in der Wahl seines Arbeitsgeräts. Hier hatte die stark beansprucht aussehende Telecaster auch den klaren Vorzug gegenüber einer kurzen Phase mit der Gibson SG und der Strat (nur bei „One & The Same“).

Die drei Musiker spielten in zwei Sets (mit einer kurzen Bierhol- und Pinkelpause dazwischen) und boten mit das Beste, was ich in den letzten Jahren in Sachen modernem Blues Rock vorgespielt bekommen habe. Was haben die teilweise für einen Drive entfacht! Allein der „Outside Woman Blues“ inklusive eines fulminanten Drum-Solos von Mike Hansen, war schon allein den Besuch des Gigs wert.

Aber dem nicht genug. Knowles & Co. setzten nach der Pause mit Tracks wie „Nadine“ (herrlicher R’n’R), „Catch The Moon“ (mit einem Hauch von Bakersfield-Flair), „Come Home“ (dezente ZZ Top-Note) und  dem sensationellen Slowblues „Gotta Leave“ (was für ein E-Gitarrenspektakel!) noch einen Oben drauf.

Am Ende besann sich der Protagonist dann doch noch auf seine britischen Wurzeln zurück. Eine traumhafte Version des Dire Straits-Klassikers „Sultans Of Swing“, wo Davy ein weiteres Mal seine außerordentliche Fingerfertigkeit in den ausgedehnten Soli bewies und das auch von Rory Gallagher damals gern gespielte „I Take What I Want“ als finale Zugabe, gossen Wasser auf die Mühlen der Fans aus der guten alten Rockmusik-Zeit.

Davy Knowles, Mike Hansen und Todd Bowers, alias Davy Knowles Band, ließen ein restlos begeistertes Gdanska-Publikum zurück und auch ich persönlich war heilfroh, dieses Mal endlich die Gelegenheit am Schopf gepackt zu haben. Am 20. März haben Blues Rock-Liebhaber in Dortmund nochmals die Gelegenheit, das tolle Trio zu besuchen. Vielen Dank an Jürgen Reinke für die herzliche Gastfreundschaft und die unkomplizierte Akkreditierung!

Line-up:
Davy Knowles – lead vocals, electric guitar
Todd Bowers – bass
Mike Hansen – drums

Text und Bilder: Daniel Daus

Davy Knowles
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Gdanska, Oberhausen

Sean Webster Band – 18.11.2022, Gdanska, Oberhausen – Konzertbericht

Zweites von drei Konzerten innerhalb von vier Tagen! Nach Peter Frampton am Mittwoch im größeren Rahmen ging es wieder zurück an die ‚Basis‘. Zur Wahl stand die Sean Webster Band in Leverkusen oder die Sean Webster Band in Oberhausen an. Da wir bis dato im Gdanska in Oberhausen noch nie vorstellig waren und die Location für mich persönlich geografisch deutlich günstiger liegt, ging es dann diesmal ins Ruhrgebiet.

Auf der Hinfahrt kamen dann Erinnerungen auf, als ich an der Sporthalle vorbei kam, in der ich vor langer Zeit die letzten fünf Jahre meiner bewegten Tischtenniskarriere verbracht hatte. Nur wenige Minuten später war ich in der Nähe des Gdanskas angelangt.

Die Lokalität am Oberhausener Altmarkt hat ein wenig was von unserem einstigen Bluesflaggschiff in meiner Heimatstadt Rheinberg, dem Schwarzen Adler. Vorne eine typische Kneipe, dann ein freundlich gestalteter Restaurantbereich, und daran angeschlossen ein schlauchförmiger langgezogener Raum, der bestens für kulturelle Aktivitäten kompatibel ist.

Auch wenn ich mir kaum vorstellen kann, dass der eher wie ein Alt-68er wirkende Gdanska-Ansager Jürgen Reinke in der Bundeswehr gedient hat, stand er bei seiner Einleitung ganz in militärischer Tradition mit Schere und Maßband auf der Bühne und schnitt es zum Konzert 831 wieder ein wenig kürzer, 1000 ist die Zielmarke , die er in jedem Fall noch erreichen möchte.

Um 20:20 Uhr legte die Sean Webster Band, die wir ja mal vor vier Jahren mal auf einem Schiff beleuchtet hatten, mit dem treibendem Blues Rocker „You Got To Know“ direkt energiegeladen los. Mit dabei, diesmal auf festem Untergrund, wieder Websters etatmäßige Rhythmusfraktion, bestehend aus Drummer Ruud Gielen und dem schlaksigen Bassisten Floris Poesse, als neue Personalie war Keyboarder Axel Zwinselman zugegen, der sich als sehr belebendes Element der Band herausstellte.

Mit dem folgenden „Forever Gone“ ging es schön groovig weiter. Hier schön glänzte der Protagonist mit seiner herrlich rauen Reibeisenstimme und seinen ersten E-Gitarrensoli. Kaum zu glauben, dass so ein talentierter Musiker phasenweise seine eigentliche Passion an den Nagel gehängt hatte, um in Australien seinen Lebensunterhalt als Waldarbeiter zu bestreiten.

Mit dem herrliche Slowblues „I Was Wrong“ gab Sean schon einen Ausblick auf sein neues im nächsten Jahr herauskommendes Studio-Album, dem noch weitere brandneue Tracks wie u. a. „Not Me & You“ und „You Should Probably Leave“ (beides melodisch-fluffige und eingängige Nummern mit einem dezenten 90er-Rock-Flair) während des Hauptsets folgten.

Gespickt war die Setlist natürlich auch mit grandios gestalteten Coverstücken, von denen „I Put A Spell on You“ (Screaming Jay Hawkins) und das Keith Urban-Lied „‚Til The Summer Comes Around“ (allein das intensive Instrumentalintro war zum Niederknien) herausragten. Klasse hier immer wieder das Zusammenspiel von Webster mit Zwniselman und den dann immer wieder aufbrausenden Rhythmusleuten Gielen (mit satten Polterattacken) und Poesse (der sowohl mit Bass-Streicheleinheiten als auch ganz wildem Gezupfe).

Mit dem brutal starken „Hear Me Now“ aus Websters eigenem Fundus war die Zeit verflogen und das in Blueskreisen immer wieder gerne aufgegriffene „I’d Rather Go Blind“ in einer abwechslungsreichen bärenstarken Version (mit Tempo- und Atmosphärenwechseln) bildete das Finale des Hauptteils.

Die Anwesenden im für derzeitige Verhältnisse gut besuchten Gdanska waren aus dem Häuschen und ließen das Quartett natürlich nicht ohne das fulminant shufflige „Highway Man“ und eine Adaption von „The Thrill Has Gone“ als Zugaben in den verdienten Feierabend.

Auf dem Rückweg fragte ich mich spontan, was ein Joe Bonamassa eigentlich soviel besser macht als ein Sean Webster (außer natürlich die bis ins kleinste Detail durchorganisierte PR in eigener Sache), zumal der Brite auch noch der ‚ohren‘-scheinlich deutlich bessere Sänger ist? Naja, zumindest protegiert der amerikanische Bluesstar mittlerweile auch zunehmend aufkommende Acts mit seinem Label und den Cruises durch die Meere der Welt. Vielleicht fällt dabei ja auch in Zukunft mal ein Blick auf die großartige Sean Webster Band.

Für mich persönlich verbleibt angesichts der tollen neuen Stücke erst einmal die Vorfreude auf einen sicherlich starken neuen Longplayer, den wir dann zu gegebener Zeit auch gerne wieder reviewen werden!

Line-up
Sean Webster – Lead vocals, electric guitar
Ruud Gielen – Drums
Axel Zwinselman – Keys
Floris Poesse – Bass

Bilder: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

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Gdanska Oberhausen