Crystal Shawanda – Voodoo Woman – CD-Review

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Review: Michael Segets

Crystal Shawanda ist seit früher Kindheit mit Country- und Blues-Musik aufgewachsen. Der Weg zu einer Musikkarriere war steinig und von Rückschlägen geprägt. Als Teenagerin scheiterte die Kanadierin zunächst bei ihrem Versuch, im Nashviller Musikbusiness Fuß zu fassen. Aufgrund ihrer indigenen Herkunft sah man Probleme bei der Vermarktung im Country-Bereich. Dennoch verfolgte sie hartnäckig ihren Traum und schließlich konnte sie einen Vertrag bei RCA Nashville unterschreiben.

Ihre erste Single landete auf Platz 21 der Country-Charts und das Album „Dawn Of A New Day“ sogar auf Rang 16. 2008 und 2009 räumte sie in Kanada einige Preise ab, stellte dann aber fest, dass ihr Herz mehr für den Blues als für den Country schlägt. Sie kündigte also bei RCA und gründete ihr eigenes Label. Crystal Shawanda ist anscheinend eine selbstbewusste und konsequente Frau.

In den zehn Jahren seit ihrer ersten Veröffentlichung brachte sie fünf Alben in Eigenregie heraus, wobei die aktuelle CD „Voodoo Woman“ nun auch in Europa vertrieben wird. Beim Hören der Scheibe freut man sich, dass sie sich vom erfolgversprechendem Mainstream-Country ab- und dem Blues zugewandt hat. Das Album bietet eine gelungene Mischung aus Klassikern, Fremd- und Eigenkompositionen.

Shawandas Stimme ist wie für den Blues gemacht. Sie ist kräftig und dabei schön kratzig. Ihr Gesang wird häufig mit dem von Janis Joplin und Beth Hart verglichen. Wer einen eigenen direkten Abgleich anstellen möchte, kann das von Big Mama Thornton geschriebene „Ball And Chain“, das auch von Janis Joplin gesungen wurde, oder das von Beth Hart zusammen mit Joe Bonamassa eingespielte „I’d Rather Go Blind“ heranziehen. Bekannt wurde letztgenanntes Stück durch Etta James.

Shawanda interpretiert die Songs eigenständig und liefert zeitgemäße Versionen ab. Sie bewegt sich souverän in den Gefilden des traditionellen Blues und greift dessen Elemente auf. Die Backgroundsängerinnen legen sich beispielsweise mit viel Doo Wop ins Zeug. Akzente setzen zudem das Saxophon von Dana Robbins, die Mundharmonika von Stephen Hammer oder Petes Keys mit seiner Hammond-B3-Orgel.

So sind bei „Cry Out For More“ ausgiebiger Backgroundgesang, Saxophon und Orgel mit von der Partie. Die Midtempo-Nummer wurde von Crystal Shawana und ihrem Lebensgefährten Dewayne Strobel geschrieben. Das Paar produzierte auch die CD. Strobel spielt zudem die Gitarre und steuert auf den Songs einige schöne Passagen bei.

Als weiterer klassischer Titel findet sich Elvis Presleys „Hound Dog“, das von Jerry Leiber und Mike Stoller stammt. Hier zeigt sich Shawanda von ihrer rockigen Seite, die sie dann auf der aggressiven Eigenkomposition „Trouble“ noch stärker auslebt. Langsamer – aber nicht weniger intensiv – geht es auf „Voodoo Woman“ und „I´ll Allways Love You“ zu. Sanft wirkt hingegen die Ballade „Misty Blue“.

Zwei Medleys rahmen das Werk. Den Anfang macht „Wang Dang Doodle/Smokestack Lightnin’“. Zum Abschluss kombiniert Shawanda mit „Bluestrain (Slight Return)/Smokestack Lightning Revisted” eine eigene Komposition mit dem zuvor schon von Howlin‘ Wolf aufgenommenen Stück. Hier zeigt sich deutlich, wie es der Musikerin gelingt, Klassiker des Blues (Rock) aufzunehmen und nahtlos mit ihrer eigenen Kreativität zu verbinden.

Crystal Shawanda haucht auf „Voodoo Woman“ dem altehrwürdigen Blues einen frischen Wind ein. Mit ihrer kraftvollen und ausdrucksstarken Stimme haucht sie dabei allerdings weniger – sie entfacht eher einen Sturm.

New Sun Records/True North (2017/2018)
Stil: Blues/Blues Rock

01. Wang Dang Doodle/Smokestack Lightnin‘
02. Ball And Chain
03. Voodoo Woman
04. Hound Dog
05. I’d Rather Go Blind
06. Trouble
07. Misty Blue
08. Cry Out For More
09. I’ll Always Love You
10. Bluestrain (Slight Return)/Smokestack Lightning Revisted

Crystal Shawanda
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