Maffay+Oerding – Nashville – CD-Review

Es gibt heute, wenn man von deutschsprachiger Pop- und Rockmusik spricht, noch ganz wenige nennenswerte Urgesteine. Zwei davon sind zum einen der unverwüstlich erscheinende Udo Lindenberg, zum anderen Peter Maffay.

Beide hatten vor allem immer die besondere Gabe, ihre Nase richtig in den Wind zu halten, was musikalische Trends und politische Strömungen betrifft. Sicherlich ein Rezept ihres schon über Dekaden währenden Erfolgs.

Lindenberg kann sich auf die Fahne schreiben, den im Rahmen des demografischen Wandels heute aufflackernden Generationenkonflikt in der Kooperation mit dem Singer-/Songwriter Clueso künstlerisch aufgegriffen und diesem entgegengewirkt zu haben. Man zeigt quasi im übertragenen Sinne, dass es nur gemeinsam geht und letztendlich gehen muss.

Jetzt agiert auch Peter Maffay auf ähnlichen Pfaden, allerdings musikalisch mit dem aus meiner Sicht besseren Thema. Zusammen mit Jungspund Johannes Oerding widmet er sich jetzt der modernen Countrymusik, also dem New Country, aber natürlich mit deutschen Texten.

Countrymusik mit deutschen Texten funktioniert das überhaupt? Unweigerlich werden bei Menschen meiner Generation Erinnerungen an Acts wie Truck Stop oder Gunter Gabriel wach, denen man durchaus Sympathie entgegenbrachte, aber denen hierzulande irgendwie immer das Klischee des Altbackenen anhaftete.

Maffay und Oerding packen das „Nashville“-Projekt von vorne herein richtig an, es wird hier, wie in Music City üblich, nichts dem Zufall überlassen. Qualitätsanspruch in allen Belangen! Folgerichtig wurde zur Aufnahme des Albums in das berühmte Blackbird Studio nach Nashville gereist und vieles den dortigen Profis überlassen.

Das Fundament beruht auf den Songkreationen und dem prima harmonierenden (Wechsel-) Gesang der beiden Protagonisten, die auch gitarrentechnisch involviert sind. Für den nötigen Feinschliff sorgen dann Könner wie Matt Ross-Spang (u. a. Jason Isbell, Margo Price, The Sheepdogs) an den Aufnahmeknöpfen und Klassemusiker wie u. a. Fred Eltringham, Jeff Picker, Tom Bukovac, Russ Pahl & Co., die das Herz eines New Countryfans schon auf unzähligen Alben höher schlagen haben lassen.

Man bedient sich konsequent der Zutaten, die auch die erfolgreichen US-New Country-Alben auszeichnet. Eingängige Melodien mit so einigen Ohrwurmqualitäten („Ein Leben lang ist nicht lang“, „Ganz schön perfekt“ mit wunderbarer E-Gitarren-Hook und weinender Steel), poppigen oder rockigen Ursprungs, garniert mit wohl-dosierten Countryingredienzien wie Dobro, Banjo, Fiddle, Harp sowie Slide- und E-Gitarren.

Und zu meiner eigenen Überraschung, es funktioniert auch mit deutschen Texten, die aus meiner Sicht politisch korrekt („Weiter“, „Sisiphos“) sind und beweisen, dass die beiden Musiker das Herz am rechten Fleck haben („Nach Hause“, „Schön, dass es dich gibt“, „Dir gehört die Welt“, „Kneipen-Skiffle“). Hier findet sich eigentlich jeder Mensch, ob alt oder jung, mit seinen diversen Erlebnissen wieder.

Und dass es sogar southern-rockig geht, offeriert das launige „Daniela Bar“ (mit toller E-Slide-Gitarrenarbeit und Solo Marke Allman Brothers), wo auch der o. a. Kollege seine textliche Huldigung erhält („…Udo sang von der Andrea Doria…“). Mein Favorit des Werks!

Center-Song ist allerdings der Opener „Weiter“, der die Frage nach der Richtung und dem Sinn des Lebens stellt. Die wird aus dem Refrain im finalen Outro „Kreuzung“ mit den Worten „Wenn du an einer Kreuzung stehst, liegt’s an dir wohin die Reise geht“, nochmals nachhaltig als Denkanstoß aufgegriffen.

Was Maffay-Oerding, alias Peter Maffay und Johannes Oerding, angeht, ist das Duo mit ihrem neuen Nr. 1-Album „Nashville“ (inklusiv aufwendigem Coverartwork mit allen Texten und Infos) zweifellos in die richtige Destination eingebogen!

P & C, Hansa/ Sony Music (2026)
Stil: (New) Country

Tracks:
01. Weiter
02.Ein Leben lang ist nicht lang
03. Nach Hause
04. Sisyphos
05. Herz wieder bricht
06. Dir gehört die Welt
07. Schön, dass es dich gibt
08. Kneipen‑Skiffle
09. Daniela Bar
10. Ganz schön perfekt
11. An einer Kreuzung

Peter Maffay
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