Krissy Matthews & The Vikings – Rock And Roll Soldier – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Es ist ja schön, wenn Kinder früh mit Musik und Instrumenten in Berührung kommen. Wenn Krissy Matthews in seiner Biographie allerdings schreibt, er sei als Dreijähriger mit seinem Vater beim Roy-Orbison-Hit „Pretty Woman“ auf der Bühne gestanden, kann man sich schon fragen, was Little Krissy da wohl hat gemacht hat. Sei’s drum.

30 Jahre später ist der britisch-norwegische Gitarrist ein angesehenes Mitglied der Blues Rock-Szene. Er gehört zum Stammpersonal der Hamburg Blues Band und war auch schon mit Layla Zoe auf Tournee. Auf der CD „Krissy Matthews & Friends“ von 2024 hat er sich mit zahlreichen Mitmusikern umgeben, wobei „Ain’t Got No Troubles On The Road“ mit Chris Farlowe sicher ein Höhepunkt war.

Auch sein neues Werk, aufgenommen mit seinen norwegischen Weggefährten Trond Hansen (Bass) und Kare Amundsen (Schlagzeug), weist etliche Gäste auf. Dabei dürfte der amerikanische Gitarrist Tommy Castro, flotte 71 Jahre alt und seit Jahrzehnten im Geschäft, wohl der renommierteste sein. Wenn’s um Krissy Matthews geht, fällt gern mal der Begriff Hansdampf in allen Gassen. Beim rauen, ungeschliffenen Titelsong „Rock ’n‘ Soldier, der anders geschrieben wird als auf dem Cover, lässt der Hans gleich mal mächtig Dampf ab (sorry, das konnten wir uns jetzt nicht verkneifen).

Weiter geht’s mit dem „44 Blues“, im Original ein Piano-Blues von Roosevelt Sykes aus dem Jahr 1929, dem Matthews ein treibendes Blues-Rock-Gewand verpasst hat. Wenn man so will, ersetzt Will Wilde mit seinem kernigen Mundharmonikaspiel das Piano. Stark! Mit dem Cover „Fell In Love With A Girl“ von den White Stripes vollzieht Krissy eine Art Kehrwende. Tora Daa säuselt geradezu lieblich ins Mikro, ehe sich Matthews mit seinem Gesang und der Gitarre einmischt und die Sache geraderückt.

Später gibt’s denselben Song noch einmal. Nur hatte Joss Stone 2003 in ihrer Version aus dem „Girl“ einen „Boy“ gemacht. Jetzt hat Silje Hagen den Gesangspart mit einem kräftigen Schuss Soul in der Stimme übernommen.

Der „Pharao Blues“ ist ein kraftvoller Blues Rocker mit Tommy Castro an der zweiten Gitarre nach dem Motto: Zuerst spielt der eine ein Solo, dann der andere – danach geht’s von vorn los, und Stina Stenerud mischt als Sängerin auch noch mit.

Songs mit einem „Catfish“ im Titel gibt es einige. So alt wie der, den
Matthews & The Vikings interpretieren, dürfte keiner sein. Das Original, ein akustischer One-Man-Blues von Robert Petway, stammt aus dem Jahr 1941. Die kürzeste Beschreibung für Krissys Version: Gitarre satt. Die CD beschließt „Sjitfest“, ein Gitarren-Boogie mit Hans Theessink als Gast. Dazwischen gibt’s mit „Mormor“ auch mal einen Rock ’n‘ Roll alter Schule.

Ruf Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Rock ’n‘ Roll Soldier
02. 44 Blues
03. Fell In Love With A Girl
04. Pharo Blues
05. Teasin‘ Times
06. Tore Hund
07. Fell In Love With A Boy
08. Mormor
09. Catfish
10. Sjitfest

Krissy Matthews
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