
Review: Hans-Joachim Kästle
Man kennt das: Da ist man fest entschlossen, etwas zu tun – und dann kommt es doch ganz anders. So wollte Dudley Taft, der schon zu Highschool-Zeiten zusammen mit Trey Anastasio (Phish) eine Band gegründet hatte, ein Live-Album herausbringen.
Was dann passierte, lassen wir ihn am besten selbst erzählen: „Vergangenen Herbst war ich in einem Wellness-Resort in Arizona, wo man ein Paket mit verschiedenen Aktivitäten wie Yoga, Wandern, Bogenschießen und so weiter buchen kann.
Eines der Pakete beinhaltete eine Veranstaltung zum Thema ,Lebensphasen‘. Bei dieser erklärte mir eine Frau die chinesische Theorie der Lebensphasen. Als ich ihr mein Geburtsdatum nannte, sagte sie, ich sei 1966 im letzten Jahr des Feuerpferdes geboren worden. 2026 ist das nächste Jahr, da sich diese Zyklen alle 60 Jahre wiederholen.“
Tja, als dem guten Dudley dann die Eigenschaften eines männlichen Feuerpferdes beschrieben wurden, stellte er fest, „dass diese erschreckend zutreffend waren. Ich war fest davon überzeugt, dass dies ein interessantes Konzept für ein Album wäre“.
Nun ist es natürlich hilfreich zu wissen, wofür so ein Feuerpferd, die Verbindung des Elements Feuer mit dem Tierkreiszeichen Pferd, im chinesischen Horoskop steht: Dynamik, Leidenschaft, Mut, Freiheitsliebe, Unabhängigkeit und den Drang, Neues zu wagen. Also machte sich Dudley, der 1992 als Mitglied der Band Sweet Water eine erste LP vorlegte und damals (auch) dem Grunge zugeneigt war, hurtig ans Werk.
Herausgekommen sind dabei kraftvolle, vor Energie strotzende und abwechslungsreiche Rocksongs. Das fängt gleich an mit dem „Warmup Song“. Aufwärmen? Ne, das Ding geht ohne Umschweife in die Vollen.
Weiter geht’s mit dem dynamischen „The Fire Inside“, dem Song, durch den laut Dudley Tuft am ehesten der Geist des Feuerpferdes galoppiert: „Halte das Feuer am Brennen, halte den jungen Mann am Leben. Wenn der Antrieb stark ist, lass ihn frei sein, damit er der Mann werden kann, der er sein muss.“
Bei „One By One“ verneigt sich Dudley vor seinen Idolen David Bowie, Lou Reed, Gary Moore, Jeff Beck, B.B. King und Ozzy Osbourne: „Wir müssen weiter rocken, es ist das Beste, das wir tun können, denn Rock ’n’ Roll ist Nahrung für die Seele.“ Ganz meine Meinung…
Aber der Sänger, Gitarrist und Songwriter aus Washington kann auch andere, fast sanfte und gefühlsbetonte Töne anschlagen wie bei „She Loves Me“ und „Stolen Days“, die beim (Background-)Gesang ein bisschen an die Beatles erinnern. Den Abschluss bildet das Instrumental „Duel In The Desert“.
M2 Music/In-Akustik (2026)
Stil: Rock
Tracklist:
01. Warming Up
02. The Fire Inside
03. Wasted Land
04. Sleeping At The Wheel
05. She Loves Me
06. I Raise A Glass To The Brave
07. One By One
08. It Speaks To Me
09. So Empyt
10. Stolen Days
11. Duel In The Desert
