Warren Haynes – Dreams & Songs – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Das Symphonic Amadeus Festival in Asheville, North Carolina, war im März 2019 Schauplatz einer außergewöhnlichen Auftaktveranstaltung. Zur Eröffnung spielte das 64-köpfige Orchester zwei Konzerte mit einem der berühmtesten Söhne der Stadt: Warren Haynes, Grammy Award gekrönter Gitarrist, Sänger, Songschreiber, Produzent und Frontman der Band Gov’t Mule, war für die genreübergreifende Kooperation mit ausgewählten Begleitmusikern in das Thomas Wolfe Auditorium gekommen. Entstanden sind damals die Aufnahmen für “Dreams And Songs A Symphonic Journey with the Asheville Symphonic Orchestra”, eine einzigartige musikalische Reise durch die Blues-Rock Jam-Geschichte der vergangenen Jahrzehnte. Kurz vor Ablauf der 60er-Dekade veröffentlichten Deep Purple die Live-Scheibe “Concerto for Group and Orchestra” (1969) und eröffneten mit den bahnbrechenden Aufnahmen eine anhaltende Beziehung zwischen Heavy-Rock und klassischer Musik, die sich in diesem Werk fortsetzt.

Mit einer Reminiszenz an Gregg Allman startet “Dreams” (1969) in den Longplayer, den Haynes (über Jahre Bandmate der Allmans) hier dankbar über 11 Minuten zelebriert. Weitere symphonische Hymnen dieser “Song-Perlenkette” folgen wie aufgereihte Teile eines Medleys: “Bank Of The Deep End” (Gov’t Mule, 2001), “Broken Promised Land” (1993), sowie “Spots of Time” vom legendären “Ashes & Dust”-Album (2015) bringen magischen Blues-Rock mit in die klassischen Interpretationen. Neue Avantgarde-Arrangements verleihen „Thorazine Shuffle“ (Gov’t Mule, 1998) und dem Grateful-Dead-Klassiker „Terrapin Station“ (1977) eine grandiose neue Klangdimension, die durch „Makes No Difference“ (The Band) eindrucksvoll ergänzt wird.

Die sorgfältig zusammengestellte Tracklist zeigt das Potenzial vieler Songs. „Raven Black Night“ (Gov’t Mule, 1998), einst ein Gothic-Country-Titel, wird mit klassisch-sinfonischer Inszenierung und „rockigen“ Keyboard-Parts für das Konzert völlig neu interpretiert. Das folgende „Just Another Rider“ (Gregg Allman, 2011) wirkt etwas zurückhaltend während die retrotraditionelle Fassung von „Black Peter“ (1970) im klassischen Gewand Charme versprüht und als Grateful Dead Oldie großen Anklang beim Publikum findet. Die U2-Ballade „One“ (1991) bleibt in einer zarten, originalnahen Streicherfassung und bereitet dramaturgisch auf die abschließenden Highlights vor.

Die unverwüstliche “Shakedown Street” (1978) schließt den Grateful Dead-Zyklus in funkiger Rockausführung als Rhythmus-Lieferant. Seine weitere tiefe Verbundenheit bringt Warren Haynes auch mit dem letzten Stück nochmal auf die Setlist: “Whipping Post” (über 12 Minuten lang), ein Allman Brothers Klassiker (1969), eine “explodierende” Orchesterbegleitung, die den Blues-Rock Meilenstein zusätzlich veredelt. Kaum in Worte zu fassen sind die anhaltende Strahlkraft der Aufnahmen, ihre psychedelischen Klangfarben und die emotionale Schönheit der Orchestrierungen. Dazu kommt ein Orchester, das den bluesgetränkten Songs mit spannungsgeladenen Arrangements einen völlig neuen Charakter verleiht. Und mittendrin: ein Warren Haynes in überragender Form, kongenial unterstützt von Oteil Burbridge (Bass), John Medeski (Keys), Greg Osby (Saxofon) und Jeff Sipe (Schlagzeug).

Definiert über die Breite der Tracks und die komplexen Orchesterpassagen schaffen Warren Haynes und Co-Produzent Don Was (u.a. Bob Dylan, Rolling Stones) mit “Dreams & Songs A Symphonic Journey with the Asheville Symphony Orchestra” einen musikalischen “Quantensprung”. Die handverlesenen 16 Songs gewinnen durch die Orchestrierung, die neuen Arrangements und das Zusammenspiel von Orchester und Band eine außergewöhnliche musikalische Tiefe. Laut Presse-Info soll die Konzerterfahrung im März 2027 mit dem Nashville Symphony Orchester fortgesetzt werden.

Provogue/Artone (2026)
Stil: Blues-

 Blues Rock, Jam Rock

Tracks:
01. Dreams and Songs (Part One)
02. Dreams
03. Banks Of The Deep End
04. Spots Of Time
05. Broken Promised Land
06. Thorazine Shuffle
07. Makes No Difference
08. Terrapin Station
09. Raven Black Night
10. Just Another Rider
11. Black Peter
12. Instrumental Illness
13. One
14. Shakedown Street
15. Whipping Post
16. Dreams and Songs (Reprise)

Warren Haynes
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V2 Records

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