Jack Browning – Painted Skies. Country And Western – CD-Review

Review: Michael Segets

Jack Browning ist mehrfach von der Muse geküsst. Neben der Malerei lebt er seine kreative Ader als Musiker aus. Auf seiner zweiten Scheibe „Painted Skies“ mit selbst gestaltetem Artwork frönt er dem Country und Western, wie der Untertitel zutreffend verrät. Das Album beginnt dann auch mit der flotten Country-Nummer „Speak Your Mind (But Ride A Fast Horse)“. Für den gelungenen Auftakt gibt Browning selbst Blackberry Smoke und Tom Petty als Referenzen an. Inwieweit man diese Verbindungen dort heraushört, sei dahingestellt.

Bei den beiden anschließenden Songs verarbeitet Browning Kindheitserinnerungen. Der Hintergrund von „Champagne Taste“ – ein Honky Tonk mit schönen Bar Piano – liegt in einem Erlebnis mit seiner Großmutter, die ihm Limonade als Champagner verkauft hat. Etwas bitterere Erinnerungen hat Browning wohl an seinen Vater. Mit „High Hopes“, auf dem ausnahmsweise eine Geige – von Crosby Coford gespielt – Einsatz findet, verarbeitet er frühe Traumata. Das Songwriting lässt Vergleiche zu BJ Barham (American Aquarium) zu, was Browning in meinen Augen adelt. Mit „Muhlenberg County Stars“ gehört der Track zu meinen Favoriten unter den Balladen und neben dem Opener zu denen des Albums insgesamt. Anders als auf Vinyl befindet sich auf der CD eine zweite, akustische Version von „Muhlenberg County Stars“, die Browning allein in Begleitung von Christiano Pochesci an der Steel Pedal performt.

Der in London geborene Browing steht in Sachen Western-Feeling seinen amerikanischen Kollegen in nichts nach („Gut Feelin‘“, „Factory Reset“). Der typische Slide ist auf manchen Stücken wie dem Titelsong sehr präsent. Er findet sich auch beim „James Alley Blues“, der ursprünglich von Richard Brown stammt und von Willie Watson bearbeitet wurde. Browning arrangiert ihn nun als klassischen Country. Der Engländer tourte bereits im Ursprungsland des Genres und trat zusammen mit Chris Stapleton, Vincent Neil Emerson oder The White Buffalo auf.

Zwei Beiträge fallen aus dem Gesamtbild etwas heraus. Der eine ist „Junkyard Dog“, der als stampfender Blues daherkommt. Browning bedient sich eines Stimmverzerrers und Oscar Lloyd lässt mit seiner Trompete New Orleans aufleben. Der andere stellt meines Erachtens die einzige Schwachstelle des Albums dar. „The Perimeter“ wird von dem Gast Joe David Walters nicht gesungen, sondern gesprochen. Im Hintergrund wird er von einer elektrischen Gitarre stimmungsvoll untermalt und in einzelnen Passagen erzeugt die Band eine gewisse Dynamik, die aber letztlich verpufft. Der knapp zweiminütige Track würde sich als Intro eignen, wenn es danach mit härteren Riffs richtig losginge. Der folgende Song „Heavy Is The Head“ beginnt aber zurückhaltend. Die anfänglich staubige, in den Wilden Westen versetzende Atmosphäre gipfelt erst am Ende in einem kräftigen Gitarrensolo. Das Stück lässt den vorherigen Durchhänger allerdings schnell vergessen.

Jack Browning legt mit „Painted Skies“ ein Country-Album vor, das gängigen Pfaden folgt. Dabei überzeugen vor allem die Balladen. Aber auch bei den Uptempo-Nummern zeigt er, dass er fest im Sattel sitzt. Unter diesen lässt sich „Speak Your Mind (But Ride A Fast Horse)“ hervorheben. Ich hoffe, dass meine Anmerkungen nicht dazu führen, dass ich mir ein schnelles Pferd suchen muss.

Too Fine Records (2026)
Stil: Country

Tracks:
01. Speak Your Mind (But Ride A Fast Horse)
02. Champagne Taste
03. High Hopes
04. James Alley Blues
05. The Perimeter
06. Heavy Is The Head
07. Junkyard Dog
08. Wire
09. Muhlenberg County Stars
10. Gut Feelin‘
11. Factory Reset
12. Painted Skies
13. Muhlenberg County Stars (acoustic)

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