
Wenn ich darüber resümiere, welche Künstler im Laufe der letzten zehn Jahre in diesem Magazin einen besonders markanten Eindruck hinterlassen haben, steht die Elles Bailey mit ganz oben in der Liste.
Wir haben die sympathische Britin seit ihrem Debütalbum „Wildfire“ in 2017 hier reviewtechnisch mitbegleitet und sie auch mehrfach live begutachtet, zuletzt noch Ende 2024 beim Gig im kleinen Saal im Luxor Live in Arnheim.
Nach ihrem überragenden Vorgänger „Beneath The Neon Glow“ und dem damit verbundenen, durchaus beachtlichen Erfolg, lag die Messlatte enorm hoch. Meist entscheiden sich Interpreten, auf Nummer sicher zu gehen und nach dem Motto ’never change a winning team‘ auf der ’sicheren Schiene‘ weiterzufahren, um sich weiter in ähnlichem Rahmen zu bewegen.
Nicht so Elles Bailey, die ‚krempelte diesmal alles um. Neuer Produzent (Luke Potashnick), neue Co-Songwriter und Musiker (ihre Liveband blieb völlig außen vor) und auch eine deutlichere Ausrichtung zu soullastigerer Musik, was man bei den beiden Openern „Can’t Take My Story Away“ und dem groovigen „Growing Roots“ sowie später dem flotten „Angel“ (Motown-Note) recht eindrucksvoll vor ‚Öhren‘ geführt bekommt, einhergehend mit Bläsersätzen und gospeligen weiblichen Backgroundgesängen.
Erst beim vom leider viel zu früh verstorbenen Catfish-Fronter Matt Long geschriebenen, herrlich flockigen „Better Days“ tritt ihre immer wieder in ihre Musik integrierte Country-/Southern Rock-Passion in den Vordergrund, was besonders im Twin-Gitarren simulierenden E-Gitarrensolo deutlich wird.
In den ruhigen Stücken wie u. a. „Blessed“ (mit Piano und Streichern), „Constant Need To Keep Going“, „Dandelion“ (alle mit Pop-Appeal, aber auch unterschwelliger Nashville-Note) und der theatralisch endenden Pianoballade „Starling“ kommt natürlich ihre grandiose, leicht rauchige Stimme besonders gut zur Geltung.
Kommen wir zum Schluss noch zu meinen beiden weiteren Favoriten neben „Better Days“. Da wäre das in Little Feat-/Bonnie Raitt-Manier (E-Slide, HT-Piano, Orgel, Harp BGVs) cool dahinschunkelnde „How Do You Do It“ und der melodische, dezent melancholische und radiotaugliche Ohrwurm „Tightrope“.
Auch wenn „Can’t Take My Story Away“ aus meiner Sicht nicht ganz an den überragenden Vorgänger heranreicht, haben wir es wieder mit einem hervorragenden Werk von Elles Bailey zu tun. Wir werden ihre Geschichte deswegen sicher nicht beiseite schieben, Ganz im Gegenteil, wir werden ihre Entwicklung, wie bisher, weiter mit viel Freude begleiten, dokumentieren und in die Musikwelt hinaus publizieren.
Cooking Vinyl & Outlaw Music (2026)
Stil: Rock/Pop/Soul
01. Can’t Take My Story Away
02. Growing Roots
03. Better Days
04. Blessed
05. Constant Need To Keep Going
06. Take A Step Back
07. How Do You Do It
08. Angel
09. Dandelion
10. Tightrope
11. Starling
