Pokey LaFarge – Rent Money – CD-Review

Review: Michael Segets

Beim Stöbern in den Neuankündigungen bei Oktober Promotion stieß ich den mir bis dato unbekannten Pokey LaFarge und sein Album „Rent Money“. Das Viedeo zum Titelsong hat mich direkt gefangen genommen, obwohl nicht viel passiert. Im Wesentlichen sieht man nur LaFarge, wie er singt und Gitarre spielt. Aber: echt cooler Typ, cooler Style, cooler Song.

Musikalisch liegt der Longplayer einen Schritt neben dem Schwerpunkt von SoS. Er versetzt in die Frühzeit des Rock ’n Roll, bei dem die Grenzen zum Blues, Ragtime, Swing und Jazz noch nicht so festgezurrt waren. LaFarge entzieht sich sowieso gerne Kategorisierungen, rennt keinen Modetrends nach, sondern macht sein Ding. Dabei kokettiert er gelegentlich mit seiner Rolle als Außenseiter, der sich nicht um Konventionen schert („Told You No“, „Stranger“).

Dass eine solche Einstellung im Musikbusiness nicht unbedingt zu finanziellen Erfolg führt, hat LaFarge am eigenen Leib erfahren, obwohl er in seiner nunmehr zwanzigjährigen Karriere einige Preise – vor allem in der Independent-Szene – erhielt. Vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen stehen finanzielle Sorgen der arbeitenden Bevölkerung im Zentrum mehrerer Stücke. Dabei schlägt er sozialkritische Töne an, wobei Inflation und die breiter werdende Kluft zwischen arm und reich sind ja nicht nur in den USA ein Thema.

Ähnlich angelegt und vom Coolnessfaktor auf vergleichbarer Stufe mit dem Titeltrack ist „Work“. Die andere Seite der sozialen Hierarchie beleuchten das swingende „Big Boss Man“ und das vom Blues infiltrierte „The Thing“. Der letztgenannte Song wurde als zweite Single veröffentlicht. Darin wird festgestellt, dass viele Dinge, denen man nachjagt, ihr Glücksversprechen nicht einlösen, sobald man sie hat. Den Topos, dass man Dinge sowieso nicht mitnehmen kann, wenn die Zeit auf Erden verstrichen ist, bedient „Can’t Take It With You“. Glücklich wird man vielleicht, wenn man jemanden gefunden hat, der einen so liebt, wie man ist („My Baby Loves Me“, „Stick Together“).

Der Sound der Scheibe ist nicht nur technisch gesehen klar. Er lässt die einzelnen Instrumente differenziert zur Geltung kommen. Elliot Bergman hatte hier als Produzent und bei der Technik seine Finger im Spiel. Darüber hinaus steuerte der Multiinstrumentalist vor allem das Saxophon bei und schrieb die meisten Stücke zusammen mit LaFarge.

Pokey LaFarge entzieht sich mit seiner Musik einfachen Einordnungen. „Rent Money“ zelebriert einen Retrosound, der sicherlich nicht alle SoS-Leserinnen und Leser anspricht. Dennoch geht von ihm eine gewisse Faszination aus. Der Titelsong sowie „Work“ sind Anspieltipps, um sich einen Eindruck von dem aktuellen Werk des Unikats aus Illinois zu verschaffen.

Boxer Boy Records – Pias (2026)
Stil: Independent

Tracks:
01. The Thing
02. My Baby Loves Me
03. Hambone
04. Rent Money
05. Stick Together
06. Work
07. Stranger
08. Can’t Take It With You
09. Told You No
10. Big Boss Man
11. On And On

Pokey LaFarge
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Pias/Rough Trade
Oktober Promotion