Various Artists – B.B. King’s Blues Summit 100 with Joe Bonamassa – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Tributes gibt es jede Menge. Dieser hier ist in mehrerer Hinsicht ein ganz besonderer. Er ehrt einen Künstler, der über 60 Jahre lang die Musikszene unabhängig von einem Genre entscheidend mitgeprägt hat: In jedem Blues- und vielen Rockmusikern steckt ein Stück B.B. King.

Initiiert von Joe Bonamassa, der auch als Produzent und musikalischer Mitstreiter dabei war, gaben sich über drei Dutzend Stars die Ehre. Als zwölfjähriger Knirps hatte Bonamassa („Er war mein Mentor“) 1989 als Vorband des Meisters auftreten dürfen.

Auch das ist nicht gerade gewöhnlich: Das opulente Werk mit 32 Songs wird anlässlich des 100. Geburtstags von Riley Benjamin King – der allerdings schon am 16. September war – am 6. Februar als Doppel-CD und Dreifach-LP erscheinen. Im Stream sind bereits jetzt zahlreiche Stücke erhältlich.

Der „King of the Blues“ wurde 1980 in die Blues Hall of Fame und 1987 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Er war nicht nur ein außergewöhnlicher Sänger, sondern auch ein großartiger Gitarrist. Sowohl 2003 als auch 2025 wurde er vom „Rolling Stone“ hinter Jimi Hendrix, Eric Clapton, Jimmy Page, Keith Richards und Jeff Beck auf Platz sechs der 100 besten Gitarristen gewählt. Man kann sich leicht ausrechnen, welch andere „Gitarrengötter“ er hinter sich gelassen hat.

Der Albumtitel spielt auf Kings LP „Blues Summit“ aus dem Jahr 1993 an, für das er einen von 15 Grammys gewann. Sein größter Hit, „The Thrill Is Gone“, mit dem der „Blues Boy“ 1969 auf Platz 15 der Billboard-Charts kam, ist natürlich auch vertreten: Chaka Khan singt, Eric Clapton bedient die Gitarre. Wie weit das Wirken und die Erfolge von B.B. King zurückreichen, der 2015 im Alter von 89 Jahren gestorben ist, zeigt „Three O’Clock Blues“. 1951 war er fünf Wochen lang die Nummer eins in den R&B-Charts; hier interpretiert von Marc Broussard.

Es ist müßig, alle Interpreten aufzuzählen. Ein Blick auf die untenstehende Liste genügt: Auf „Blues Summit 100“ ist das Who is who der Blues- und Rockwelt versammelt. Ein würdiges Andenken an einen ganz Großen!

Tracks:
Disc 1:
01. Paying The Cost To Be The Boss feat. Christone “Kingfish” Ingram
02. Don’t Answer The Door feat. Marcus King
03. To Know You Is To Love You feat. Michael McDonald, Susan Tedeschi & Derek Trucks
04. Let The Good Times Roll feat. Kenny Wayne Shepherd & Noah Hunt
05. Sweet Little Angel feat. Buddy Guy
06. When It All Comes Down (I’ll Still Be Around) feat. Larry McCray
07. When Love Comes To Town feat. Slash, Shemekia Copeland & Myles Kennedy
08. The Thrill Is Gone feat. Chaka Khan & Eric Clapton
09. Watch Yourself feat. Jimmie Vaughan
10. Why I Sing The Blues feat. Bobby Rush
11. Sweet Sixteen feat. Jimmy Hall & Larry Carlton
12. Don’t You Want A Man Like Me feat. Larkin Poe
13. I’ll Survive feat. Keb’ Mo’
14. Heartbreaker feat. Trombone Shorty & Eric Gales
15. There Must Be A Better World Somewhere feat. George Benson
16. Chains And Things feat. Gary Clark Jr.

Disc 2:
01. How Blue Can You Get feat. Warren Haynes
02. You Upset Me Baby feat. Chris Cain
03. Ghetto Woman feat. Ivan Neville
04. Night Life feat. Paul Rodgers
05. Ain’t Nobody Home feat. Jade MacRae & Robben Ford
06. Bad Case Of Love feat. Joanne Shaw Taylor
07. Never Make A Move Too Soon feat. Dion
08. Three O’Clock Blues feat. Marc Broussard
09. Think It Over feat. Train & Chris Buck
10. It’s My Own Fault feat. Kim Wilson
11. Every Day I Have The Blues feat. D.K. Harrell
12. Please Accept My Love feat. John Nemeth
13. So Excited feat. Aloe Blacc
14. When My Heart Beats Like A Hammer feat. Dannielle De Andrea
15. Playin’ With My Friends feat. Christone „Kingfish“ Ingram
16. Better Not Look Down feat. Kirk Fletcher

Joe Bonamassa
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Mascot Label Group

Various Artists – Can’t Get Enough: A Tribute To Bad Co – CD-Review

Ich weiß nicht wie es euch geht. Man hat sich im Laufe der vielen Jahre, von Jugend an bis zum heutigen Tage, eine riesige Platten- und CD-Sammlung  angehäuft. Und der aller größte Teil der Scheiben, mögen sie auch noch so gut sein und von noch so berühmten Interpreten stammen, dümpeln dann in der Regel innerhalb der Sortierung ewig vor sich hin.

Gerade bei mir als Rezensent eines Magazins spielt das ‚Hier und Jetzt‘ eigentlich nur noch die bestimmende  und entscheidende Rolle: CD bekommen, ein paar mal hören, Notizen machen, Review schreiben, möglichst vor VÖ online stellen, nächste CD…

Da ich mich schon mittlerweile im gesetzteren Alter befinde und sich das Ende des Arbeitens in nicht mehr in allzu weiter Ferne befindet (aber immerhin noch gut vier Jahre beträgt), rede ich mir zumindest ein,  dass unser Eins vielleicht dann mal wieder die Muße für solche Sachen haben wird.

Just in den Tagen, in denen Bad Company samt eines Auftritts von Paul Rodgers und Simon Kirke (die beiden anderen Bandmitglieder Mick Ralphs Boz Burrell leben ja leider nicht mehr) in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen werden sollte, gibt es ein Tribute-Werk , das die markantesten Tracks der Briten nochmals in modernen Versionen aufleben lässt.

Vor wenigen Tagen erreichte uns die traurige Nachricht, dass  Paul aus gesundheitlichen Gründen passen muss, Kirke sprang dann allerdings mit prominenten Musikern wie u. a. Chris Robinson, Bryan Adams, Nanci Wlison und Joe Perry  in die Bresche. Beide sind aber natürlich auf der CD auch bei ein paar Tracks mit involviert.

Es ist manchmal schon kurios. Vor gut 1 1/2 Jahren hatte ich Paul Rodgers ja mal im Rahmen eines Aprilscherzes ein Southern Rock-Tribute-Album angedichtet, jetzt spielen tatsächlich Acts wie Blackberry Smoke oder Black Stone Cherry die Musik von ihm.

Kommen wir zur CD, wo sich ein bunter Reigen von Acts aus vielen unterschiedlichen Genres eingefunden hat, um den Bad Co-Klassikern eine Frischzellenkur zu verpassen.

„Shooting Star“ bekommt durch den musikalischen Ansatz  von Halestorm und dem  weiblichen Gesang von Elizabeth „Lzzy“ Hale im Duett mit Rodgers eine ganz spezielle Note. Der gute Slash beweist auf „Feel Like Makin’ Love“, dass er es E-Gitarren-technisch immer noch drauf hat und lässt dementsprechend gegen Ende ordentliche Salven ab.

Überragend sind die Versionen von Blackberry Smoke, die aus „Run With The Pack„, trotz Mitwirkung von Paul und Brann Dailor (Mastodon, Arcadea), dem Lied einen klaren Southern Rock-Stempel ihresgleichen aufsetzen, quasi eine echte ‚freundliche‘ Übernahme. Fulminat auch die rockigen Varianten von „Rock Steady“ durch Dirty Honey und „Burnin’ Sky“ mit der Drum- und Gesangswucht von Black Stone Cherry.

Die ewig gestrigen Immer-Nörgler werden natürlich genug Haare in der Suppe finden, um das typische „an die Originale kommt nichts ran“ runterzuleiern.

Auch ich habe ein paar Kleinigkeiten (Jammern auf hohem Niveau), wie zum Bespiel, dass das vielfältig unterschätzte Album „Rough Diamonds“ garnicht berücksichtigt wurde. Mit „Seagull“ ist ein Track dabei (auch wenn es hier einen reizvollen Zusammenschluss zwischen Bad Company und Def Leppard gibt) , der mir noch nie so gefiel, da ich eher nicht der esoterisch-spirituell genordete Typ bin. 

Und, dass das zwar toll durch The Pretty Reckless (klasse Gesang von Sängerin Taylor Momsen) performte „All Right Now“ hier eigentlich nicht hingehört. Da hätte man alternativ allein für Free sicherlich auch noch so ein komplettes Werk hinbekommen können. Stattdessen hätte ich Stücke wie „The Ballad Of The Band“ „Simple Man“ oder „Oh Atlanta“ lieber serviert bekommen.

Insgesamt ist das Tribut-Album zu Ehren von Bad Company aber mit viel Respekt und guten Ideen umgesetzt worden. Sehr kurzweilig und schön, mal wieder quasi ‚gezwungen‘ worden zu sein, sich mit dieser zeitlosen Musik im neuen Gewand beschäftigen zu dürfen.

Und auch der mittlerweile 75-jährige Paul Rodgers zeigt sich am Ende beeindruckt von den Interpretationen seiner Songs. »Es war wirklich spannend, die neuen Versionen zu hören. Ich habe mich immer wieder beim lächeln erwischt, als ich sie gehört habe. Vor allem aber hat mich überrascht, dass diese Künstlerinnen und Künstler Bad Company ihren Tribut zollen wollten. Wir sind ausgesprochen dankbar dafür!«

Primary Wave (2025)
Stil: Classic Rock

01. Ready For Love (Hardy)
02. Shooting Star (Halestorm featuring Paul Rodgers)
03. Feel Like Makin’ Love (Slash Featuring Myles Kennedy and The Conspirators)
04. Run With The Pack (Blackberry Smoke featuring Paul Rodgers and Brann Dailor)
05. Rock ‘N’ Roll Fantasy (The Struts)
06. Bad Company (Charley Crockett)
07. Rock Steady (Dirty Honey)
08. Burnin’ Sky (Black Stone Cherry)
09. Seagull (Joe Elliott and Phil Collen featuring Paul Rodgers and Simon Kirke
10. All Right Now (The Pretty Reckless)

Bad Company
Paul Rodgers
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