
Shania Twain zählt zweifellos zum Who Is Who, wenn es um weibliche (New) Countrymusik geht. Ihr Album „Come On Over“ inklusive des Mega-Hits „That Don’t Impress Me Much“ gilt mit über 40 Millionen verkauften Einheiten immer noch als meistverkaufter Longplayer einer weiblichen Künstlerin aller Zeiten. Zu dieser Phase kam es zu einem regelrechten Hype um die Kanadierin.
Es gab aber auch bittere Momente in ihrem Leben wie u. a. der Missbrauch durch den Stiefvater in frühsten Kindestagen, das Ehedebakel mit Robert ‚Mutt‘ Lange oder der Verlust ihrer Stimme im Rahmen einer Borreliose-Erkrankung. Mit ihrem von der Mutter anerzogenen Kämpferherz hat sie all diese Tiefschläge überwunden. Nun lässt sie mit ihrem mittlerweile siebten Album „Little Miss Twain“ erneut aufhorchen und reflektiert hier größtenteils ihre Kindheit in Kanada.
Der Silberling beinhaltet 15 neue Stücke, von denen die Protagonistin 14 selbst- oder mitkreiert hat. Wie sich für eine Interpretin ihres Ranges gehört, wurde durch ihr Label an nichts gespart. Diverse Produzenten (Ammo, Eren Cannata, Justin Tranter, David Paich, Zach Daes, Jeff Gitelman), zig arrivierte Musiker (u. a. Jay Bellrose, Grgg Bissonette, Nathan East, Russ Pahl, T Bone Burnette, Greg Leisz), sowie prominente Gäste wie Tanya Tucker, Josh Homme (Queens Of The Stone Age) und The War And Treaty aus diversen Richtungen, machen ihre Scheibe zu dem, wofür sie seit Beginn ihrer Erfolgsgeschichte steht: New Countrymusik mit ergänztem Crossover-Appeal. Und selbst Sohnemann Eja Lange glänzt mit sporadischer Präsenz bei Tracks wie „Right Time“ und „Little Miss Twain“ (Produktion, BGVs).
Wie schon erwähnt, kokettiert Ms. Twain mit den diversesten Stilen, wie u. a. Country, Rock, Pop, Swing, R&B, Westcoast oder Tex-Mex und lässt alles geschickt zusammenfließen. wobei es ihr gelingt, erneut viele markante Refrains, die recht schnell ins Ohr gehen, in den Vordergrund zustellen.
„Right Time“ (mit markantem Banjo) bohrt sich schon direkt nach dem ersten Abspielen ins Langzeitgedächtnis. „Little Miss Twain“ bildet einen Höhepunkt in emotionaler Sicht (hier singt sie im Refrain; „According to my mother, I’m the next Tanya Tucker, I’m gonna be a star, Yeah, I’m gonna be a star“) mit dabei bei den Harmoniegesängen natürlich: Tanya Tucker!
Das dezent swampige „Dirty Rosie“ (mit unterschwelliger CCR-Note) und das atmosphärische „Faded Blue Jeans“ (mit Josh Homme im Background) entpuppen sich als meine persönlichen Favoriten, „Quit My Life“ mit ‚Abba goes Country‘-Charakter hat Hitpotential, die beschwingten „Scary Little Thing“ und „New Love“ sind weitere ‚Gute Laune-Bringer‘, im Balladenbereich wissen „Problematic“ und „Take It To The River“, unter Mitwirkung des angesagten Erfolg-Duos The War & Treaty, zu gefallen.
Die fünffache Grammy-Gewinnerin Shania Twain bietet mit „Little Miss Twain“ einen bunten Strauß an Musikstilen mit autobiografischem Hintergrund, mit dem sie sicherlich zumindest kurzfristig mal die Dominanz von Ella Langley und Morgen Wallen stören könnte. Gut gemacht, Ms. Twain!
Republic Nashville (2026)
Stil: New Country / Crossover
01. Stranger Things
02. Right Time
03. Little Miss Twain
04. Dirty Rosie
05. Quit My Life
06. Problematic
07. Scary Little Thing
08. I’d Be Loving Me
09. Faded Blue Jeans
10. Northern Town
11. That’s The Money
12. Down The Middle
13. Take It To The River
14. New Love
15. Rock Stars
