Ian Noe – Canyon Falls Trailer Band – CD-Review

Review: Michael Segets

Ich kann mich fast als Fan der ersten Stunde von Ian Noe outen. Das Debütalbum „Between The Country“ (2019) mit Songs wie „Letter To Madeline“, „Meth Head“ oder „Irene (Ravin‘ Bomb)“, nahm mich direkt für ihn ein. Die letzten beiden Songs finden sich neben zwei anderen bereits auf der selbst herausgegebenen EP „Off This Mountaintop” (2017), die ich kurz nach dem ersten Album auftreiben konnte. Auf dem zweiten Album „River Fools & Mountain Saints“ (2022) bestätigte Noe seine Qualität als Songwriter. Er gehört neben Taylor McCall zur jungen Generation dieser Zunft, die bemerkenswerte Alben abliefern. Seine Storys verpackt Noe zumeist in ruhige Folk-Balladen, die er variationsreich und stimmungsvoll arrangiert.

Die ersten beiden Longplayer bilden nach Noe mit „Canyon Falls Trailer Band” eine Einheit, die mit dem neuen Werk als Trilogie ihren Abschluss findet. Dabei wirkt das aktuelle Album quasi wie das Prequel zu den vorherigen. Folk und Country gehen auf ihm Hand in Hand und versetzen in die ländlichen Regionen der Appalachen und ihrer Folklore. Die Songs klingen ursprünglicher und in stärkerem Maße traditionsverhaftet als seine vorherigen. Aber Noe reproduziert nicht lediglich das Bekannte, sondern gewinnt einen eigenständigen, spielerischen Umgang mit den Traditionen.

Die Titel wurden innerhalb einer Woche im Studio aufgenommen und danach einem aufwendigen Bearbeitungsprozess unterzogen. Das Resultat lässt sich hören: Die erdige Grundausrichtung mit Live-Feeling bleibt erhalten, zudem integrieren sich musikalische Feinheiten unaufdringlich in den Sound. Bei der Einspielung konnte Noe auf die Kompetenz von Charlie McCoy (Mundharmonika), Billy Contreras (Geige) und Russ Pahl (Pedal Steel) zurückgreifen.

Das sechszehn Tracks umfassende Doppelalbum dreht sich um den einzigen, aber legendären Auftritt der fiktiven „Canyon Falls Trailer Band“. Die Stories der einzelnen Songs sind im Leben und Lebensgefühl Kentuckys, der Heimat von Noe, verwurzelt. Noe zeigt ein Händchen für Situationen und Menschen, wobei mich seine Stimme und Gesang immer wieder einfangen.

Der Longplayer bietet sich an, in Gänze gehört zu werden. Der Grundton ist eher balladesk, wobei Noe durchaus auch mal flottere Töne anschlägt. Die Single „The Heidelberg Fisherman’s Ball“ ist eine runde Midtempo-Nummer, „Another Night Like That“ ein Honky Tonk und „Redneck Mess“ nimmt sogar eine Wendung in Richtung Rock. Bei den Balladen läuft Moe zu der Form seiner früheren Veröffentlichungen auf („Antartica“, „Bible County“, „Return Of The Interstellar Angels“, „Jukebox Blues“). Das Highlight unter den langsamen Titeln stellt für mich „Tobacco Moon“ dar. Aber auch andere Beiträge haben es in sich wie „Whiskey To Work“ oder „Kentucky Hurricane“, bei denen Noe deutlicher Country-Pfaden folgt.

Mit „Canyon Falls Trailer Band” legt Ian Noe erneut ein Album vor, für das ohne Einschränkungen eine Empfehlung ausgesprochen wird. Zwischen Folk und Country besinnt sich der Songwriter aus Kentucky auf seine Wurzeln. Noe sieht mit dem aktuellen Werk den ersten Zyklus seines musikalischen Schaffens abgeschlossen. Man darf daher gespannt sein, zu welchen Ufern er zukünftig aufbricht.

Lock 13 Records/Thirty Tigers – Open (2026)
Stil: Folk, Country

Tracks:
01. Canyon Falls Trailer Band
02. The Heidelberg Fisherman’s Ball
03. Tobacco Moon
04. She’s Familiar (In the Strangest Ways)
05. Kentucky Hurricane
06. What I’d Give
07. Redneck Mess
08. Antarctica
09. Another Night Like That
10. Bible County
11. Leeann
12. Return Of The Interstellar Angels
13. Whiskey To Work
14. Jukebox Blues (For Blaze Foley)
15. Dixie Speed
16. Kickin’ It In Nashville

Ian Noe
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