
Review: Hans-Joachim Kästle
Auch wenn er schon in Deutschland aufgetreten ist, dürfte Kevin Burt hierzulande ein unbeschriebenes Blatt sein. In den USA ist das anders: Seine CD „Thank you Brother Bill: A Tribute to Bill Withers“ landete vor zwei Jahren in den Billboard Blues Charts auf Rang zwei. Das Album „Stone Crazy“ kam beispielsweise auf Platz drei.
Und mittlerweile hat er auch einen Blues Music Award. Erst vor Kurzem hatten wir es ja an dieser Stelle von der Vielzahl der Gewinner. Allerdings: So einen Award, vergleichbar mit einem Grammy, bekommen nicht die, die am schnellsten den Finger heben. Den muss man sich in den zahlreichen Kategorien schon verdienen.
Und 2026 hat ihn sich Kevin Burt, so nebenbei auch Mitglied der Iowa Blues Hall of Fame, in der Rubrik „Acoustic Blues Artist“ verdient. Da trifft es sich natürlich gut, dass seine neue CD auf akustischen Pfaden daherkommt – nur Gitarre und Harp, beides hat er sich als Autodidakt selbst beigebracht, und natürlich Gesang.
Geben wir doch ihm mal das Wort: „Dieses Album brauchte Raum. Ich wollte, dass die Songs atmen können und die Zuhörer jedes Wort hören, damit sie in diesem Moment bei mir sind und verstehen, was die Geschichten aussagen wollen.“
Und worüber singt er so? „Textlich erkundet dieses Album das Leben in seiner ganzen Komplexität – Liebe und Liebeskummer, Widerstandsfähigkeit und Reflexion. Es sind Songs, die von gelebten Erfahrungen geprägt sind und mit hart erarbeiteter Ehrlichkeit vorgetragen werden. Burt scheut sich nicht vor Verletzlichkeit, sondern stellt sich ihr.“ Okay, jetzt wissen wir Bescheid. So jedenfalls lautet der Begleittext von Gulf Coast Records, dem Label von Mike Zito.
Musikalisch deckt Kevin Burt, der alle Songs selbst geschrieben hat, seit über 25 Jahren im Geschäft und auch mit eigener (Elektrik-)Band unterwegs ist, die ganze Bandbreite des traditionellen Blues ab: vom Slow Blues wie dem Titelstück bis zum dynamisch-rhythmischen „You Can’t Hold Me Down“, bei dem der Gospel-Einfluss deutlich zu hören und bei den Background Vocals der ganze Burt-Clan vertreten ist: Nicole, Phoebe, Delaney, Phinn und Sydney.
Für Freunde von Keb‘ Mo‘ oder Eric Bibb und solche, die einfach gern mal Akustik-Blues nur mit Gitarre und Mundharmonika hören wollen.
Golf Coast Records (2026)
Stil: Acoustic Blues
01. You Gone
02. Round & Around
03. Ancestors Tears
04. Big Love
05. This Trip
06. Daddy’s Simile
07. Home Goin’ Time
08. I’ll Stand Up
09. You Can’t Hold Me Down
10. Because I Love You
11. Your Smile
